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Bad Buchau am Federsee

zum 11.11.12 Satire zum Wochenede

Ein Paradies ohne Arbeit

aus der Zeit vom 11. November 1996 von Wilhelm-Mathias Josten.

Als Adam im Paradies lebte, war von Arbeit nicht die Rede, er wandelte nur lustvoll im Garten umher.

Damit er bei der Lust nicht mehr zu wandeln brauchte, gab Gott ihm Eva zur Seite. Als Adam und Eva im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot verdienen mußten, befand es Gott für gut, die Arbeitszeit zu regeln. Er sprach: „Sechs Tage sollt ihr arbeiten, aber am siebten Tage, da sollt ihr ruhen von euren Werken!“

Adam und seine Nachkommen gingen sechs Tage in der Woche zur Arbeit. Sie erfanden die schönsten Dinge: Raumfahren, Panzer, Atombomben, Banknoten, die Antibabypille, den Reißverschluss, das Heizöl , das Nummernkonto in der Schweiz und die Sekretärin. Ihre Arbeit war ihnen eine Lust.

Das ließ die Gegner der Sechstagewoche nicht ruhen. Bei uns gingen die Gewerkschaften dagegen vor. Sie zeigten Plakate auf denen eine Ehefrau ihre Arme um ihren Gatten schlang und ausrief: „Samstags gehört er mir!“

Die Männer blieben samstags daheim. Deshalb kamen sie nicht dazu, das Videogerät, die automatische Kamera und die Elektronik zu erfinden: Das erledigten die Japaner. Die Gewerkschaften wollten das arbeitslose Paradies wiederherstellen. Darum lautete ihre nächste Forderung: „Nicht mehr als 35 Stunden!“

Sie zeigten auf ihren Plakaten Kinder, die auf ihrem Vater herum sprangen und ausriefen: „Freitags gehört Papi uns!“

Die Männer blieben freitags zu Hause, denn die Produktion von besseren und billigeren Autos über- nahmen die Japaner. Da diese auch die Herstellung von HiFi- und Fernsehgeräten übernahmen, konnten die Gewerkschaften die Achtundzwanzigstundenwoche durchsetzen. In den verbliebenen vier Tagen kamen unsere Männer nicht mehr zum Erfinden. Das mußten sie den Gewerkschaften überlassen. Diese erfanden: die Neue Heimat, Co op, Bank für Gemeinwirtschaft und die Vierzehnstundenwoche. Aus Freude darüber erklärten sich die Japaner bereit, unsere Renten zu übernehmen. Das versetzte die Gewerk schaften in die Lage, die Nullstundenwoche einzuführen.

Das Paradies ohne Arbeit war wieder hergestellt. Der Erfolg war niederschmetternd. Traurig holten die Männer ihre japanischen Rasenmäher hervor. Durchgruben mit japanischen Kultivatoren ihre Gärten und fuhren mit japanischen Autos zum japanischen Supermarkt. Dann flehten sie zu Gott und klagten: ,,Herr, du hast gesagt: Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verdienen. Wir würden gerne schwitzen, um so viel zu verdienen, wie die Gewerkschaftsbosse an der ,Neuen Heimat‘ verdient haben. Aber, Arbeit gibt es nur noch in Japan und bei den Gewerkschaften.“

Da sandte Gott seinen Erzengel zu den ‚ Vorsitzenden der Gewerkschaften, und der Erzengel sprach:

„Wurde nicht gesagt: , Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebenten Tage sollst du ruhen?“

Die Vorsitzenden antworteten: „Das tun wir doch. In unseren Verwaltungen arbeitet jeder immer noch 56 Stunden in der Woche!“

Da sah der Erzengel rot! Die Erde verschlang die Gewerkschaftsführer, und sie stürzten in die tiefste Hölle.

Bei uns kehrten die Männer zur Sechstagewoche zurück. Sie waren glücklich und erfanden den Umweltschutz, reine Luft und sauberes Wasser. So können nach ihnen auch ihre Kinder und Kindeskinder in unserem Land leben und arbeiten.

Der Erzengel bestellte den Fürst der Hölle zu sich und fragte: „Funktioniert deine Hölle nach Plan?“

Der Oberteufel aber klagte: „Nein, oh Herr, seitdem die Gewerkschaftsbosse in der Hölle sind, ist bei uns der Teufel los! Sechs Hochöfen und acht Feuerwalzstraßen sind stillgelegt. Geheizt wird nur noch 14 Stunden in der Woche, ich kann nichts dagegen tun, sie streiken sonst ganz, und das Feuer würde ausgehen. Ich wüßte nicht mehr, was ich machen sollte, wenn wir nicht ab und zu einige Japaner bekämen. Das sind die einzigen, die auf Teufel komm raus arbeiten!“

Ja so war das vor 16 Jahren. Heute arbeiten die Allermeisten doch etwas länger weil nicht nur die Japaner sondern auch noch die Chinesen und die Inder und und……, das auch tun. Auch der Teufel wird froh sein.