Wiesbaden: Eine Stadt in Angst

… eine Umfrage unter 16- bis 19-Jährigen ergeben, dass das Angstgefühl

Symbolfoto:Von AS photo studio/shutterstock

Wiesbaden – dass das Angstgefühl in den letzten fünf Jahren, also exakt mit Beginn der sogenannten Flüchtlingswelle, rapide angestiegen ist. Keine neue Erkenntnis, aber eine, die immer wieder von der gleichgeschalteten Tagespresse schöngeredet und relativiert wird.

Im September 2019 wurden laut Antenne Mainz rund 10.000 Briefe mit Umfrageeinladung an junge Menschen im Alter von 16 bis 29 verschickt. Laut FR haben sich 1325 junge Menschen an der Befragung beteiligt. Die Studie zeigt, dass sich 66 Prozent in der Landeshauptstadt wohlfühlen aber 73 Prozent der jungen Generation sich an bestimmten Orten unwohl und unsicher fühlten. Dazu zählen neben bekannten Hotspots auch Teile der Innenstadt. „Bei 44 Prozent ist das Gefühl der Unsicherheit Resultat von Zerstörung und Vandalismus, bei 36 Prozent von Graffiti , bei 34 Prozent resultiert die Unsicherheit aus Gewalt, bei 32 Prozent aus Lärm und bei weiteren 30 Prozent aus Drogenhandel beziehungsweise Drogenkonsum“, berichtet Antenne Mainz weiter. Als größter Unsicherheitsfaktor – 61 Prozent – werden allerdings obdachlose und bettelnde Menschen wahrgenommen. 58 Prozent haben Angst vor „herumhängenden“ Jugendlichen und Erwachsenen. 61 Prozent fürchten sich vor Pöbeleien und Bedrohungen. 45 Prozent der Befragten fürchten sich vor Dieben. Interessant ist die Gruppe der Frauen, die sich sexuell belästigt fühlt. Sie beträgt über 50 Prozent. Dennoch ist das Vertrauen in die Polizei umgebrochen und liegt bei über 80 Prozent.

Laut FR ist in Sachen „Waffenverbotszone“ eine Ernüchterung eingetreten. Mehr Kontrollen würden nichts bringen, so ist aus dem Munde von Bürgermeister Oliver Franz (CDU) zu hören. Man sehe nicht nur Polizei und Ordnungsbehörde in der Pflicht, sondern das Problem erfordere „eine gesamtgesellschaftliche Herangehensweise und mehr Sozialarbeit“. Die Lösung wäre demnach eine „Aufsuchende Sozialarbeit und Angebote für junge Männer mit Migrationshintergrund.“

Wie gewohnt beschwören alle, dass die Kriminalität in Wiesbaden zurückginge und die Aufklärung Quote steige. Dafür treibt die Macher der Umfrage eine andere Sorge um. Viele der Befragten hätten sich rassistisch geäußert. Verantwortlich dafür wären böse „soziale Medien“.  „Die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen im öffentlichen Raum scheint zu erodieren“, schreiben die Berufsgutmenschen und sprechen damit ihren Teilnehmern jeglichen eigenen Erfahrungshorizont ab.

Einen ähnlichen Bericht über das schrumpfende Sicherheitsgefühl der Wiesbadener und besonders der Wiesbadenerinnen gab es bereits im Oktober 2018.  „Nachts in Wiesbaden – Ein ungutes Gefühl“ textet damals Anke Hollinghaus vom WK und berichtet detailreich von „Gruppen junger Männer“, die zwischen 8.30 und 11.30 Uhr „in der Innenstadt unterwegs sind.“

37 Prozent der befragten Frauen im Alter von 17- bis 30 Jahren fühlten sich damals bei einer von der Polizei durchgeführten Umfrage immer noch „sicher“. Mehr als die Hälfte der Nachtschwärmerinnen berichtet den Polizisten jedoch von „unsicherer oder belästigender Situation“. Gemeint ist: ständiges Ansprechen, Hinterherlaufen, Festgehalten bis hin zum Bedrängt-werden. 61 Prozent der Befragten gaben im Laufe des Interviews an nicht mehr allein abends wegzugehen. 56 Prozent wünschten sich mehr Sicherheitspersonal in der Innenstadt. 22Prozent schlugen mehr Kontrollen vor.

„Wir müssen hier etwas tun“, sagt im Herbst 2018 Polizeipräsident Stefan Müller und führte nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss im Dezember 2018, der auch von der AfD-Fraktion unterstützt wurde, eine Waffenverbotszone ein, die bereits in der Silvesternacht 2018/2019 in Kraft trat. Sie umfasst die gesamte Fußgängerzone und Teile der berüchtigten Wellritzstraße, einschließlich „Platz der deutschen Einheit“ klammerte jedoch andere Hotspots der Gewaltkriminalität wie „Warmer Damm“ und Kochbrunnen aus. Schon kurz nach Einführung der kosmetischen Maßnahme mit ihren eindringlichen Warnhinweisen konnte man in „einschlägigen“ Meldungen lesen, dass die Auseinandersetzungen in der Verbotszone kaum weniger wurden. In einem besonders bizarren Fall ereignete sich wenige Wochen vor Einführung der Zone, als ein türkischer Anwohner in der Wellritzstraße eine Frau mit einem Stehtisch attackierte. Immer wieder gibt es im besagten Gebiet Prügelattacken. Auch Messer kommen nach wie vor zum Einsatz. So wurde erst im Dezember 2019 mitten in der Fußgängerzone ein Obdachloser von einem „südländisch aussehenden Mann“ geschlagen und mit einem Messer bedroht. (Merkurist)

Altes Gejammer auf neuen gleichgeschalteten Druckfahnen

Zwei Jahre nach den Hilferufen der Frauen und dem mit fiel Publicity eingerichteten Waffenverbotszone, einschließlich enormer Personalaufstockung im Sicherheitsbereich geistern nun ähnliche fast gleichlautende Klagelieder durch den gleichgeschalteten Blätterwald der Rhein-Main-Presse. „Der Platz der deutschen Einheit ist für junge Frauen nachts besonders angsteinflößend.“ textet die FR. Weitere „Angstorte“ sind laut FR der Hauptbahnhof und der Luisen- und der Mauritiusplatz. Ein Ort, der schon deshalb unheilschwanger klingt, weil Susanna Feldmann hier mit einer Clique Bekanntschaft schloss, die ihr späteres Schicksal besiegelte. Wie 2018 wurden auch Ende 2019, also ein dreiviertel Jahr nach Einführung der Waffenverbotszone eine ähnliche Altersgruppe befragt. Die Ergebnisse sind fast identisch. Immer noch fühlen sich laut FR „die Hälfte der Befragten heute weniger sicher im öffentlichen Raum als vor fünf Jahren. Insbesondere Frauen fühlen sich bedroht.“ Neu ist, dass wohl 2019 auch junge Männer befragt wurden, und auch diese mit begründeter Angst durch die Stadt laufen. In Auftrag gegeben hat die Umfrage der Präventionsrat. Durchgeführt wurde sie vom Amt für Statistik und Stadtforschung. (KL)

Wiesbaden: Eine Stadt in Angst

Kommentare sind geschlossen.