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Ulrich Mäule , Journalist bei der Schwäbischen Zeitung wieder im Dienst

Ulrich Mäule wird seinen Dienst am 8. November in der Biberacher Redaktion wieder aufnehmen. Somit ist klar dass die Schwäbische Zeitung einen Journalisten der offen über heikle Themen (Missbrauch) berichtet nicht auf Protest hin, wir vermuten hier z. B. von einer Anteilseignerin, so mir nichts dir nichts  einfach entlassen wird.

Schwäbische Zeitung informiert in ihrer heutigen Ausgabe (8.11.2010) ihre Leser mit folgendem Wortlaut:

Eigentümer, Geschäftsführung und Redaktion des Verlages stehen uneingeschränkt für eine unabhängige, kritische und engagierte Berichterstattung.

Ob hier die Beschwerde von Anteilseignern zu einer Beschwerde geführt hat bleibt wohl eine offene Frage. SZ-Leser begrüßten Mut zur Ehrlichkeit und ich denke dass sich der eine oder andere ein Abo-SZ gerne leisten wird. Hier hat die SZ meiner Meinung nach Unabhängigkeit im höchsten Maße bewiesen, so wie es sich für eine Tageszeitung gehört.

Herzlichen Glückwunsch Herr Mäule, auch wir hätten dies so nicht akzeptiert und uns weiter für die Gerechtigkeit eingesetzt.

bestellen:   http://www.schwaebische.de/index.php?pageid=104

6 Antworten auf „Ulrich Mäule , Journalist bei der Schwäbischen Zeitung wieder im Dienst“

Süddeutsche Zeitung
Der Druck der Kollegen

06.11.2010 05:30

‚Schwäbische Zeitung‘: Kritischer Regionalchef kehrt zurück

Am Ende war der Protest wohl zu laut – und die Angst vor dem Imageschaden zu groß. Die Schwäbische Zeitung hat an diesem Freitag mitgeteilt, dass ihr erst vor knapp zwei Wochen freigestellter Regionalchef Ulrich Mäule von kommender Woche an wieder seinen Job ausüben darf. Der 53-jährige Journalist, der seit 25 Jahren für die Regionalzeitung (Verkaufsauflage: 176000 Exemplare) arbeitet, war am Montag vergangener Woche wegen eines Artikels aus einer von ihm verantworteten Lokalausgabe seines Postens enthoben worden.

In dem Bericht, der bei den Lesern für einige Aufregung sorgte, ging es um einen Fall sexuellen Missbrauchs, den ein Bürgermeister, der eng mit dem Täter verwandt ist, unter den Teppich seiner Gemeinde kehren wollte. Die Schwäbische Zeitung hielt trotz etlicher Solidaritätsadressen für den Kommunalpolitiker an dem Artikel fest, nicht aber an ihrem Regionalchef. Die Entscheidung, Mäule freizustellen, traf der Geschäftsführer des Schwäbischen Verlags, Kurt Sabathil.

Als der Rauswurf bekannt wurde, reagierten Mäules Kollegen entsetzt. Und nicht nur sie. Auch immer mehr Leser riefen in den Redaktionen der Zeitung an, schrieben E-Mails und protestierten. An diesem Donnerstag soll Sabathil angesichts der anhaltenden Wucht der Kritik eingeknickt sein und sich bereit erklärt haben, Mäule genau dort wieder einzusetzen, wo er ihn selbst gerade erst entfernt hatte. Zuvor, hört man, soll er dem Regionalchef vergeblich andere Posten im Blatt angeboten haben. An diesem Freitag um 10.45 Uhr informierte der Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung, Ralf Geisenhanslüke, die leitenden Redakteure per Mail über das Ende von Mäules Zwangsurlaub: ‚Ab Montag sitzt er wieder an seinem Schreibtisch in Biberach.‘

Geisenhanslüke war zuvor auch kritisiert worden. Seine Strategie der diplomatischen, stillen Verhandlungsführung interpretierten etliche Mitarbeiter der Zeitung als Schwäche. Vergangene Woche noch hatte sich der Chefredakteur hinter eine Verlagserklärung gestellt, die Mäules Rauswurf als ‚Beitrag zur Versachlichung der Diskussion‘ darstellte und auch sonst viele Fragen offen ließ.

Bis heute. Denn so erfreulich der Ausgang der Affäre für Mäule sein mag, so nebulös bleiben die Hintergründe von Sabathils Eingriff. Wie zu hören ist, wollen die leitenden Redakteure beim Geschäftsführer und den Verlegern auf eine nachhaltige Klärung des Falles pochen. ‚So etwas‘, sagt einer von ihnen, ‚darf sich nie wiederholen.’MARC FELIX SERRAO
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Als Streisand-Effekt wird bezeichnet, wenn durch den Versuch, eine Information zu unterdrücken, genau das Gegenteil erreicht wird, nämlich die Information besonders bekannt gemacht wird, was den Buchauern bestens gelungen ist.
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Presse Heidelberg kress.de:
„Schwäbische Zeitung“ rehabilitiert Regionalchef Mäule
Freitag, 05.11.2010 | 14:55 Uhr Heidelberg (ots) – Kurt Sabathil, Geschäftsführer des Schwäbischen Verlags (Leutkirch), hat eine umstrittene Personalentscheidung rückgängig gemacht: Er hat Ulrich Mäule wieder als Regionalchef im Verbreitungsgebiet Ulm-Biberach der „Schwäbischen Zeitung“ eingesetzt. Das berichtet der Branchendienst kress auf seiner Website unter http://www.kress.de. Der Redakteur …
kress.de:
Bild: © presseportal.de
kress.de: „Schwäbische Zeitung“ rehabilitiert Regionalchef Mäule: Heidelberg (ots) – Kurt Sabathil, Geschäftsführer des Schwäbischen Verlags (Leutkirch), hat eine umstrittene Personalentscheidung rückgängig gemacht: Er hat Ulrich Mäule wieder als Regionalchef im Verbreitungsgebiet Ulm-Biberach der „Schwäbischen Zeitung“ eingesetzt. Das berichtet der Branchendienst kress auf seiner Website unter http://www.kress.de. Der Redakteur …

Heidelberg (ots) – Kurt Sabathil, Geschäftsführer des Schwäbischen Verlags (Leutkirch), hat eine umstrittene Personalentscheidung rückgängig gemacht: Er hat Ulrich Mäule wieder als Regionalchef im Verbreitungsgebiet Ulm-Biberach der „Schwäbischen Zeitung“ eingesetzt. Das berichtet der Branchendienst kress auf seiner Website unter http://www.kress.de.

Der Redakteur war vergangene Woche „vorübergehend freigestellt“ worden. Eine seiner Redakteurinnen hatte am 16. Oktober einen Artikel über den angeblichen Versuch des Bürgermeisters von Bad Buchau geschrieben, einen Fall von Kindesmissbrauch an der städtischen Musikschule zu vertuschen. Obwohl die Zeitung sich weiter zu ihrer Berichterstattung bekennt, hatte Sabathil den Regionalchef aus dem Verkehr gezogen. Der Verlag rechtfertigte das als „Beitrag zur Versachlichung der Diskussion und des Bad Buchauer Binnenklimas“. In dem Kurort hatten offenbar zahlreiche Leser Anstoß vor allem an der Aufmachung des Artikels genommen.

Nun hat Geschäftsführer Sabathil offenbar auf die wachsende Kritik im Haus und in der Öffentlichkeit an seiner ursprünglichen Entscheidung reagiert: Er gab die Rehabilitierung Mäules am Freitagmittag vor Führungskräften bekannt. Die „Schwäbische Zeitung“ will zudem ihre ethischen Leitlinien für die Berichterstattung überarbeiten, um in Zukunft für vergleichbare Fälle besser gerüstet zu sein.

Eine offizielle Bestätigung des Schwäbischen Verlags für die Wende im Fall Mäule war am Freitagnachmittag zunächst nicht zu bekommen.

Originaltext: kress.de Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/18686 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_18686.rss2

da hat die schwäbische zeitung ja nochmals glück gehabt. mich hat die relativ offene berichtersteattung zu dem thema schon richtig gewundert. und damit hat die schwäbische einiges an verlorenem terrain bei mir wieder gut gemacht.: das ist eine persönliche ansicht, aber die schwäbische steht doch einer gewisen partei sehr sehr nahe und damit hat man das gleiche problem wie im gemeinderat: einer krähe hackt der anderen kein auge aus. zu einigen sehr wichtigen themen brachte die schwäbische noch nie irgendwelche berichte oder kommentare, gebracht… .

aber vielleicht hat die schwäbische inzwischen auch vom zeitungsterben und medienwandel mitbekommen. im heutigen medienzeitalter werden sich nur die medien halten können, die wirklichen qualitätsjournalismus bringen, die skandale aufdecken und damit die demokratie unterstützen, objekdtiv und sachlich. irgendwelche freundschaftsdienste haben heute keinen bestand mehr. ich hoffe dass diese ganze sache bei der schwäbischen ein grundsätzlichen sinneswandel ausgelöst hat. egal welcher partei man angehört, egal wen man kennt: journalismus ist journalilsmus und der muss neutral bleiben. ansonsten wird es blogs und andere medien geben die das besser machen.

Herbert von Hensgen

Die Reaktion des Verlages ist empörend. Anstatt den Regionalchef zu belobigen, wird er kaltgestellt. Als ich zunächst von der Freistellung hörte, dachte ich, es sei ein totaler Verriss erfolgt mit einseitiger Darstellung und nebulösen Quellen. Als ich dann besagten Artikel zum ersten Mal gelesen hatte, konnte ich die Welt nicht mehr verstehen. Der Bericht zeichnet sich durch klare journalistische Distanz und eine Aneinanderreihung von Fakten und Zitaten aus. Was daran kritikwürdig, geschweige denn presserechtlich relevant sein soll, verstehe wer mag. Schade nur, dass der DJV als größte gewerkschaftliche Interessenvertretung der Journalisten leider nur reichlich halbherzig reagierte und „Aufklärung“ verlangte. Anstatt sofort sofort eine Demonstration vor dem Verlag zu organisieren. Ehrlich gemeinter Protest, der hier zweifellos angebracht gewesen wäre, sieht anders aus. Gerade die Kollegen im Lokalen dürfen nicht im Regen stehen gelassen werden.

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Wie unabhängig ist die Schwäbische Zeitung?
Journalist nach kritischem Bericht freigestellt

Die Schwäbische Zeitung aus Leutkirch im Allgäu hat einen lokalen Skandal aufgedeckt – und jetzt selbst einen kleinen Medien-Skandal an der Backe. In einem Artikel einer Lokalausgabe deckte sie eine Vertuschungsaktion eines Bürgermeisters zu einem Missbrauchsfall auf. Kurz darauf wurde der zuständige Regionalchef der Zeitung, Ulrich Mäule, von der Arbeit freigestellt. Laut Verlag, um “eine Versachlichung des Binnenklimas” in der betroffenen Gemeinde zu erzeugen.

Wenn stimmt, was die Süddeutsche Zeitung am vergangenen Samstag dazu aufschrieb (nur Print), dann wirft der Vorfall ein betrübliches Licht auf den Zustand des Journalismus bei der Schwäbischen Zeitung. Statt Anerkennung für kritische Berichterstattung gerade auch im Lokalen zu ernten, gibt es eine Freistellung eines langjährigen Mitarbeiters und verschwurbelte Erklärungsversuche. In einem am vergangenen Freitag verschickten Fax versuchte die Schwäbische Zeitung, die Freistellung Mäules zu rechtfertigen.

Durch die Veröffentlichung des Artikels (der nach wie vor auf der Website der Schwäbischen Zeitung online ist) geriet die Zeitung selbst in die Diskussion in dem Ort Bad Buchau. Am Donnerstag veranstaltete das Blatt dann ein Forum, auf dem Bürger über die Berichterstattung und den Missbrauchs-Fall diskutieren konnten. Statt Regionalchef Ulrich Mäule moderierte Ralf Geisenhanslüke, der Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung, damit, wie es im Fax hieß, “die Diskussion emotional nicht an Ulrich Mäule, dem verantwortlichen Regionalleiter, festgemacht werden kann”.

Weiter hieß es: “Um einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion und des Bad Buchauer Binnenklimas zu leisten, hat der Schwäbische Verlag Ulrich Mäule aus der Kritik genommen und vorübergehend freigestellt.” Eine Freistellung als Maßnahme der Mitarbeiterfürsorge? Das erscheint weit hergeholt. Der Inhalt des Faxes des Schwäbischen Verlags, wie er von der Süddeutschen wiedergegeben wird, und vor allem die Formulierung, man sei mit dem “früheren Regionalchef Mäule und über dessen Zukunft im Gespräch” erwecken viel eher den Eindruck, dass da einer kaltgestellt werden sollte.

Die Süddeutsche fragt: “Gab es politischen Druck? Wurde der Geschäftsführer vielleicht sogar von Anteilseignern des Verlags bedrängt – um des lokalen Friedens willen?” Die Erfahrung lehrt, dass es auf solche Fragen selten eindeutige Antworten gibt. Wer selbst schon im Lokaljournalismus unterwegs war weiß aber, dass dort ein Hang zur kritischen Berichterstattung nicht unbedingt zu den erwünschten Fähigkeiten des handelnden Personals zählt. So wirkt der kritische Artikel vom 16. Oktober fast wie ein Betriebsunfall im ansonsten geräuschlos, geschmeidigen Räderwerk des Lokaljournalismus bei der Schwäbischen. So wie die Schwäbische Zeitung mit dem Fall umgeht, stellt sie zumindest sicher, dass ihre Mitarbeiter es sich künftig sehr gut überlegen werden, ob sie etwas schreiben, was Ärger geben könnte. Das mag gut sein für das “Bad Buchauer Binnenklima”. Für den Lokaljournalismus ist es ganz schlecht.

Irgendwie gings doch um einen Menschen, der sexuellen Missbrauch begangen hat und mit einem Bürgermeister verwandt ist. Das hat ein Journalist in die Öffentlichkeit gebracht und jetzt hacken alle auf ihm rum. Wieso drehen da die Geschäftslesmacher der Schwäbischen Zeitung so durch? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Position und das Selbstverständnis von Ulrich Mäule zu beschädigt ist, um diesen Job noch weiter zu machen nach dieser negativen Machtdemonstration. Naja, dem Bürgermeister und seinem sexuell fehlorientierten Verwandten wirds hoffentlich viel schlechter gehen.

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