Stadtstreicher Nr. 78

„Gemeinschaftsschule stößt auf Skepsis“ so lautet das Fazit der SZ vom 19.07.12 aus der jüngsten Bürgerversammlung um die Neuorientierung der Federseeschule in Bad Buchau. Die Eltern sind skeptisch, ja besorgt bis erregt, über die neuen Konzepte, die die Gemeinschaftsschule mit sich bringen wird. Bei der Versammlung hörte man viele neue Zielsetzungen des ministeriellen Vertreters, die man an diesem Abend als besorgte Eltern kaum verarbeiten konnte (die unbesorgten Eltern fehlten wohl Großteils). „Eine Schule, in der sich die Schüler freiwillig und überwiegend selbständig den Unterrichtsstoff aneignen?“ Das sprengt wirklich alle herkömmlichen Vorstellungen von Schule aus dem letzten Jahrhundert. Kein Wunder, wenn da den Eltern, aus eigener kindlicher Erfahrung heraus, das Lachen näher lag als die Zustimmung zu solch idealistisch-theoretischen Vorstellungen des Kultusministeriums. Steht da nicht die realistisch tägliche Erfahrung der Eltern entgegen, die schon jetzt mit ihren Zöglingen noch spät abends abgekämpft Hausaufgabennachlese betreiben müssen? Wie sieht es da aus, wenn der Lehrer als „Lernbegleiter“, die Schüler zum selbständigen Arbeiten nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen nur noch anregt? Wer weckt hier vor allem die Bedürfnisse der Schüler, die in diesem Alter doch normalerweise noch nicht ausgeprägt und daher auf ein Mindestmaß beschränkt sind? Sind solche Idealbilder von Kindern und auch von Lehrern nicht zu hoch angesetzt? Fragen über Fragen blieben letztlich bei der Versammlung fraglich.

Nun, man darf die Möglichkeiten, die der heutige moderne Unterricht bietet, nicht unterschätzen. Solche Chancen, Ideen und Anregungen wurden den Eltern vor 30 oder 40 Jahren im Unterricht sicher nicht geboten. Den Großeltern schon gleich gar nicht. Solche Neuerungen stärken sicher auch das „BedürfnisInteresse“ des Kindes als solches und fördern deren Fähigkeiten. Ob das allerdings über alle menschlichen Charakterschwächen (eines Kindes) hinweghilft, muss sich aber noch herausstellen. Manche Skepsis ist sicher nicht unangebracht, auch wenn die Gemeinschaftsschulen nicht gerade erst erfunden wurden und auch gewisse Teilerfolge vermelden können.

Die Verantwortlichen der Gemeinden im Federseegebiet und im Gemeindeverwaltungsverband Bad Buchau stehen geschlossen hinter der Gemeinschaftsschule. „Wir wollen den Schulstandort Bad Buchau weiterentwickeln. Wir sehen eine große Chance.“ erhofft sich Bürgermeister Diesch. Allerdings betrachtet er diese Angelegenheit von einer ganz anderen Seite als die Eltern. „Lediglich neun Schüler werden im nächsten Schuljahr die fünfte Klasse der Federseeschule besuchen. Mehr als fünf Millionen Euro hat die Sanierung der Schule verschlungen.“ Damit ist der Schulstandort Bad Buchau gefährdet. Hier streiten sich also mindestens teilweise die Interessen der Eltern mit denen des Schulträgers. Dieser Zwang heiligt zweifelsohne manche Mittel bei der Argumentation ändert aber generell nichts an der Verwirrung, die letztlich auf beiden Seiten vorhanden ist. Das geht eindeutig auch aus dem Appell von Bürgermeister Diesch hervor, wenn er ausführt: „Fakt ist, dass die Schulform Hauptschule und Werkrealschule von den Eltern zunehmend abgewählt wird. Wir als Kommune sind unter Handlungsdruck, wir müssen etwas tun.“ Man kann nur hoffen, dass dieser Druck im Laufe der Zeit sich zur Überzeugung auch für Eltern und Kinder umschichtet.

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