Stadtstreicher Nr. 75

Nicht immer bin ich als Stadtstreicher gut informiert. So wusste ich gar nicht, dass Heinz Weiss so ein Öchsle Fanatiker ist. Nahezu jeder zweite oder dritte Artikel ist dieser historischen Bahn gewidmet. Er hat doch sonst für „schmale Spuren“ nicht gar so viel übrig, wenn man an seinen Porsche denkt oder an sonstiges Auftreten in der Stadt. Dafür wird über kommunales Geschehen immer weniger und in letzter Zeit fast gar nichts mehr berichtet. Keine Gemeinderatssitzung wird mehr angekündigt oder kommentiert. Entsprechend weniger Zuschriften kann man lesen und Interesse der Öffentlichkeit ist gegeben. Man könnte meinen im Gemeinderat ist alles in Butter oder im Rathaus geht alles klar. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. So eine umwälzende Umstellung kann sich so kurzfristig nicht vollzogen haben. Was ist dann los? Es wird doch kein Versagen von Herrn Weiss vorliegen oder hat er sich gar dem Trott aus lauter Verzweiflung angepasst? Natürlich ist das alles reine Nervensache und eine Frage der Ausdauer. Vor allem, wenn man mit Alternativen immer an die gleiche Wand läuft. Aber das wäre doch das erste Mal, dass ich Heinz verzagt antreffen würde. Diese Freude wird er seinen Widersachern doch nicht antun wollen auch wenn ein gewisses Verflachen seines Humors und Widerspruchgeistes schon zu beobachten ist. Wo bleibt der wache und unverbrauchte Geist?

Ehrlich zugestanden, auch als Stadtstreicher kennt man solche Gefühle. Auch mit diesen Kolumnen verändert man in Bad Buchau natürlich gar nichts. Es ist einfach ein verschwendeter- und viele werden sagen – ein unnötiger Zeitvertreib, der hier veranstaltet wird. Da braucht man schon etwas Ausdauer. Aber man sollte Schwachstellen nicht in der Versenkung verschwinden lassen. Schon allein die eine oder andere Gegebenheit, die die Handlungsweisen auf dem Rathaus manchmal recht merkwürdig erscheinen lassen, sollten die Bürger einfach mitbekommen. Vielleicht interessiert sogar der eine oder andere Widerspruch in den Gemeinderatsentscheidungen. Wenn man in Bad Buchau schon immer weniger einkaufen kann und kaum noch habbare Entwicklung stattfindet, sind solche Hinweise doch mehr als gar nichts. Schließlich sind wir nicht verwöhnt. Zurzeit kann man das ja mit der Fußballeuropameisterschaft, mit der Schlecker-Pleite oder mit den Kreiskrankenhäusern noch ausgleichen. Aber was kommt danach? Das Götzburgareal? Aber überlassen wir das getrost und demütig-geduldig der Zukunft, wie wir das immer erfolgreich machen.

Dennoch muss noch eine Sache aufgegriffen werden, über die man sich in letzter Zeit wundern konnte. Wie oft hat sich der Gemeinderat beispielsweise schon mit dem Bürgerbüro und der Eingangsgestaltung im Rathaus beschäftigt. Mindestens ein halbes Jahr und mit vielen Beratungen. Dabei geht es vielleicht um einige wenige zigtausende von Euro. Bei den jüngsten Vergaben für den Kindergartenneubau ging es um siebenstellige Zahlen in einer Sitzung und in kürzester Zeit. Nichts hat man von alternativen Überlegungen oder um ein Ringen um Qualitäts- und Gestaltungsfragen gelesen. Die ganze Ausschreibungsgestaltung hat der Gemeinderat den Fachleuten überlassen ohne auch nur die geringste Eigenkontrolle einzubringen. Mindestens hat man davon rein gar nichts vernommen. Wo bleiben da die richtigen Verhältnisse in der Gemeinderatsarbeit? Wird da überhaupt noch erkannt, um was für Entscheidungen man sich ausreichend Überlegungen machen sollte und über welche vielleicht weniger. Zufriedenstellendes Zurücklehnen wurde vernommen, der Kostenvoranschlag wurde unterschritten. Nun, er war wohl auch nicht ganz gering angesetzt, bzw. ist sogar noch mehrfach erhöht worden. So kann man sich auch zufrieden geben und sein Gewissen über wichtige Entscheidungen entlasten.

Ob es vor den großen Sommerferien in Bad Buchau noch Berichtens wertes gibt? Ich vermute schon. Jedenfalls wünsche ich ihnen noch keine gute Ferienzeit. Zunächst hoffen wir auf „unsere“ Europameisterschaft.

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