Stadtstreicher Nr. 69

Stadtstreicher Nr. 69

Wulff zum Letzten

Nun als Stadtstreicher, so jeden Tag auf der Straße und auf der Pirsch nach Informationen bekommt man schon einiges mit. Auch Sachen, die man am besten bei sich behält. Aber so ein Wulff –Auftritt wird nicht so oft präsentiert. Da hört’s wirklich auf. Je nach Einstellung könnte man diese Vorführung als Schauspiel, Tragödie oder Zirkusnummer betiteln. Ein Schwank ist es jedenfalls nicht. Zwischenzeitlich ist selbst vielen CDU-Leuten doch das Lachen vergangen. Die Bürger sind sowieso am Boden zerstört. Über das ärmliche Trostpflaster des Ehrensolds von 200.000 Euro hinaus, noch ein Büro, Dienstwagen, Chauffeur und Sekretärin. Ich behaupte, da haben die Väter dieser Regelung auf jeden Fall noch Zahnpasta und Klopapier vergessen. Aber da geht es nur um Kleinbeträge, weil so viel Zähneputzen und Toilettenbenutzung kann man gar nicht hinter sich bringen, dass so etwas ins Gewicht fällt. Soll bloß einer sagen, die Politiker würden nicht weitblickend vorsorgen. Natürlich ist der Bundespräsident – speziell Wulff- verglichen mit den Managern in der Wirtschafts- und Bankenwelt immer noch ein kleines Würstchen. Aber die haben die moralische Beurteilungsskala sowieso schon längst gesprengt. Mit dem muss man sich trösten, um wieder gesunden Schlaf zu finden. Was aber ein ehrenamtlicher Bürger denkt, der sich für die Mitmenschen und den Staat, um der verpflichtenden Gemeinschaftmoral willen, für ein Dankeschön einsetzt, soll hier nicht weiter behandelt werden. Auch die anderen „Opfer“ in vielen Bereichen unserer praktizierten Gleichheit, sollte man besser nicht befragen. An den enttäuschten Nichtwählern oder der voranschreitenden Zersplitterung der politischen Parteienlandschaft, werdet ihr sie erkennen. Solche Vorkommnisse sind dafür bestens geeignet. Irgendwie haben es Wulff und Co schließlich geschafft, unsere Politiker allgemein mit weiteren Zweifeln zu behaften. Das ist traurig und bedenklich.

Einsichten

Na also, über das kostenpflichtige Parken am Federseemuseum wird wieder im Gemeinderat verhandelt. Das war vorauszusehen und der Stadtstreicher hat das angekündigt (Nrn. 40,41,44). Zunächst ist es lobenswert , hervorzuheben, dass man Fehler erkennt und berichtigt. Vor allem bei der Kategorie von Fehlern, von denen man sagt: „Fehler sind da, um gemacht zu werden“. Das trifft hier wieder einmal eindeutig zu. So unbedarft und schlecht vorbereitet die Verwaltung hier den Gemeinderat zum Beschluss geführt hat, war dies nicht zu vermeiden. Natürlich hat der Gemeinderat selbst genau so blauäugig und unkritisch die Sache entgegengenommen. Aber zum Lernen ist es bekanntlich nie zu spät. Eines ist jedenfalls sicher, mehr Fehler kann man hier kaum mehr machen. So ist beim zweiten Anlauf wohl zwangsläufig ein besseres Ergebnis garantiert. Bedauerlich, dass die Stadt völlig unnötig einige treue Besucher schon schwer verprellt hat. Sie wurden halt Opfer der Buchauer Risikobewertung. Andere würden vielleicht von Zick-Zack-Kurs sprechen.

Vor kurzem hat das Land wieder Stadtsanierungsmittel im Landkreis verteilt. Bad Buchau fehlte. Nun im Moment sind die letzten Mittel noch nicht verbraucht. Aber es könnte ja sein, am Schluss fehlt doch noch Geld. Überhaupt bei privaten Sanierungsmaßnahmen der Hauseigentümer innerhalb des Sanierungsgebietes läuft gar nichts. Dabei wären auch dies wichtige Begleitmaßnahmen um die Stadtbildgestaltung abzurunden sowie strukturelle Bauanreize zu fördern. Die Aufwertung der alten Bausubstanz ergäbe nicht nur modernen, behindertengerechten Wohnraum. Es könnte auch junge Familien reizen. Die Erneuerung von Straßen und Plätzen allein ist keine „inhaltliche, lebendige“ Aufwertung des Stadtgebiets dem Grunde nach. Aber gerade das wäre das Ziel, was leider die letzten 10 Jahre so gut wie kaum mehr verfolgt wurde. Die Stadt schaut nur wie gebannt auf das Götzburgareal. Das ist viel zu einseitig und zu kurz angelegt. Wenn dieser Schwerpunkt nicht zum gewünschten Ziel führt, ist alles gescheitert. Auch an den angrenzenden Gebieten mit wirklich schlechter Bausubstanz ist nichts, aber auch gar nichts geschehen. Die Grundstückseigentümer im Sanierungsgebiet werden völlig ignoriert, allein sich selbst überlassen.

Beim Parkplatz am Federseemuseum kann man Beschlüsse verbessern, bei der Stadtsanierung nicht mehr. Wenn hier das Programm demnächst gelaufen ist, ist es vorbei und einmalige Chancen mit breiter Auslegung sind verspielt.

Es gibt die kurzlebige Tagespolitik, die ausgewogene Politik und die weitsichtige Politik. Beurteilen sie selbst, welche Politikform in Bad Buchau bevorzugt wird.

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