Stadtstreicher- Kolumne Nr. 52 ist da.

Die verplante Freizeit – ein Gewinn?

Die Ferienzeit neigt sich dem Ende zu. Das Leben nimmt wieder Fahrt auf. Schluss mit Erholung und Faulenzen. Von wegen Faulenzen. Für viele Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche Fehlanzeige. Feste vorbereiten und veranstalten, Feiern, Hockete und Ausstellungen organisieren, Kinderprogramme gestalten, Konzertveranstaltungen besuchen und und … haben gerade auch in der Ferienzeit Hochkonjunktur. Selbst Politiker setzen sich noch auf das Fahrrad und versuchen in der gelockerten Sommerstimmung etwas mit zu mischen. Also von wegen Erholung und Erbauung für viele. Vielleicht ein wenig weniger Stress als sonst, aber wirklich entspannen, abschalten, sich inneren Freiraum verschaffen und sich aufbauen: nichts dergleichen. Wir können uns das nicht mehr leisten. Oder fürchten wir uns gar vor Momenten wirklicher Stille? Brauchen wir die Berieselung mit allen möglichen Angeboten? Ist das für viele die Ablenkung, die sie suchen, um nicht ins Leere vorzustoßen? Früher sagte man, die Seele baumeln lassen. Heute organisiert man Zerstreuung, nichts baumelt mehr. Der Tagesrhythmus muss stimmen, die Erwartungen erfüllt werden, auch in der Ferienzeit.

Wir wollen schließlich nur das Beste, dazu braucht man den Ferienterminkalender. Der Begriff Freizeit hat eine ganz andere Bedeutung und hat mit freier Zeit gar nichts mehr am Hut. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen. Dabei entstehen erst oft in der Langeweile die besten kreativen Ideen. Spontanes Handeln, aus innerem Bedürfnis heraus, unmöglich. Alles ist programmiert. Im Prinzip ist damit auch Burnout schon vorbestimmt. Die neue Zivilisationskrankheit einer überlasteten Gesellschaft mit falscher Freizeiteinstellung. Unsere Kinder ziehen wir mit hinein. Ruhe und Abschalten sind für sie schon Fremdwörter. Das beginnt bereits mit den völlig überladenen Spielzeugkisten in den Kinderzimmern. Eltern meinen es gut, wenn sie ihre Kinder alles ausprobieren lassen wollen. Die Kleinen sollen auf diesem Weg optimal gefördert und stark gemacht werden für die (berufliche) Zukunft. Und manchmal sollen sie auch das erfüllen, was in der eigenen Kindheit auf der Strecke geblieben ist. Doch das kann nach hinten losgehen. Denn der Terminstress, dem viele Kinder ausgesetzt sind, führt nicht nur vermehrt zu körperlichen Beschwerden wie Mattigkeit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen, er führt oft auch dazu, dass das Kind die Lust am übersteigerten Angebot komplett verliert. Früher konnte man zum Spielen einfach vor die Haustür. Das gesamte Wohngebiet wurde Stück für Stück erkundet und es fand sich immer jemand, der Zeit hatte, mit einem zu spielen. Das ist vorbei. Heute haben spielende Kinder auf dem Vorhof Seltenheitswert. Viele äußere Umstände schränken dies ein. Manchmal auch die übertriebene Angst der Eltern vor Unfällen und Belästigungen oder ungeduldigen Nachbarn. Herumstreunend entdecken und erlernen ist verpönt, dabei haben wir früher als Kinder daraus viel Erfahrung gesammelt.

Wir hoffen, dass Sie, ja Sie, es anders gemacht haben und gut erholt und ohne schlechtes Gewissen IHRE Freizeit ohne Ferienplaner genossen haben. Man muss nicht immer den Verlockungen folgen, das Beste kommt oft unverhofft.

Also dann, frisch auf zu weiteren Taten.

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