Stadtstreicher Nr. 121 Bilanz vor dem Adelindisfest.

Bilanz

Was haben das Rathaus in Bad Buchau und der Vatikan in Rom gemeinsam? Zwei Dinge sind nur schwer zu bekommen: Ehrlichkeit und eine Tasse starken Kaffee zum Wach werden.

Der bisherige Gemeinderat ist verabschiedet. Die Amtszeit gehört in das Archiv der Stadt. Sie bereichert die Ortsgeschichte.

Natürlich ist das ein Ereignis, über das der Stadtstreicher nicht ohne Kommentar hinweggehen kann. Dafür waren die Jahre zu intensiv in politischer wie menschlicher Hinsicht geprägt. Die örtliche Demokratiepraxis hat einen Schatten hinterlassen. Das dürfte ganz im Hintergrund auch den nahezu völligen Rücktritt der bisherigen Gemeinderäte teilweise erklären. Man hat sich in einigen Punkten verrannt und den Ausstieg nicht mehr gefunden. Das Gezeter nagte an den Nerven und an der Moral so manches Vertreters. Ob tatsächlich nur die guten Erinnerungen im Gedächtnis bleiben? Wer zwischen den Zeilen den Zeitungsartikel aufmerksam liest, kann da berechtigte Zweifel hegen. Immerhin gedachte man des Konfliktes „Missbrauchsvorwurf“, der das Klima aufheizte und das Miteinander belastete (man beachte die Wortwahl!).Nach wie vor vermisst man die Einsichten aus den Fehlern dieses Falles. Der Bürgermeister verlor damit die letzte Chance, sich dafür mitverantwortlich zu zeichnen und zu entschuldigen. Das wird also so stehen bleiben.

Anders das Verhalten von Herrn Rolf Preißing, der als Stellvertretender Bürgermeister und Konrektor der GHWRS in dieser Sache in eine Situation geschlittert ist, die er nun zu erklären versucht hat. Ihm ging es darum, die Bedeutung des Gemeinderats in der Öffentlichkeit zu schützen und dessen Arbeit nicht in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber genau das hat er getan! Auf den Fehler des Bürgermeisters setzte er noch den Fehler des Stellvertreters hinzu, nämlich: Fehlende Kontrolle des Gemeinderats gegenüber der Verwaltung. Einer Demokratie ist es immer abträglich, einen Fehler durch einen anderen Fehler verbessern zu wollen. Wir kennen diese Salamitaktik. Immerhin hat er gewisse Einsicht kundgetan und sich wenigstens für die Wortwahl entschuldigt. Das ist Ihm hoch anzurechnen.

Wegen Urlaub fehlt Altstadtrat Dr. Karl Sandmaier auf dem Abschiedsfoto der SZ. Auffallend ist, dass er in der Bildunterschrift gar nicht erwähnt wurde. Lediglich bei den Ehrungen steht er schmucklos in der Reihe der Ausgeschiedenen. Das sind 20 Jahre Gemeinderat.

Ansonsten sind die Maßnahmen der Stadt aufgezählt, die in dieser Amtszeit gelungen sind. Das ist gerechtfertigt und unbestritten. Nicht alles war schlecht, was gemacht wurde. Das gehört auch zu einer gerechten Beurteilung. Aber das eine und andere hätte mit mehr Nachdruck und Anstrengung auch noch besser laufen können. Bei Verbesserungen waren Unsicherheiten bemerkbar. Auch bei so mancher Korrektur der Beschlüsse wurden Ungereimtheiten aufgedeckt.

Nun gilt es auch seitens des Stadtstreichers für das Opfer an Freizeit für die Allgemeinheit insgesamt einen herzlichen Dank auszusprechen. Die Belastungen sind nicht zu unterschätzen, wie jeder Gemeinderat sicher ganz persönlich gemerkt hat. Das muss bei aller Kritik im Einzelfall generell herausgestellt werden.

Ob der neue Gemeinderat die Aufgaben und Angelegenheiten der Stadt etwas kritischer begleiten und vielleicht sogar gegenüber dem Bürger aufgeschlossener gestalten wird? Fragen, Erwartungen, Hoffnungen – bei einem fundamentalen Gemeinderatswechsel sind sie erlaubt.

Aber jetzt feiern wir erst einmal das Adelindisfest. Viel Spaß!

 

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