Stadtstreicher Kolumne Nr. 76

Adelindisfest

Mit Petrus, dem Wettermacher, haben die Organisatoren des Adelindisfestes wirklich keine guten Verbindungen. Da helfen auch kein Wettersegen beim Festgottesdienst oder andere Vermittlungsversuche etwa der Freiwilligen Feuerwehr als Festwirt mit ihrem Schutzheiligen Florian nicht weiter. Aber in diesem Jahr kam es schon knüppeldick. Alle Register hat da Petrus innerhalb weniger Stunden durchgespielt. Von 35 Grad bis 15 Grad, von Regengüssen mit Hagel bis zu Orkanböen, Blitz und Donnerschlag in aller Vielfalt. Das himmlische Orchester war so gewaltig, dass man am Samstagabend sogar auf die beste bayerische Schauband „Barfuss“ verzichten konnte. Dafür musste man barfuß und trotzdem total durchnässt in die benachbarte Turnhalle flüchten, weil man befürchtete, das Zelt würde Flügel bekommen und zum Himmel aufsteigen. Also auch ohne musikalische Untermauerung wurde an diesem Abend durchaus ein vielfältiges Programm der besonderen Art geboten. Gott sei Dank ist niemand verletzt worden und alles ist „nur“ mit tief sitzendem Schreck in den Knochen abgelaufen. Deshalb kann man auch im Nachhinein das ganze Geschehen noch mit erzwungenem Galgenhumor ertragen.

Am Höhepunkt des Festes, dem Festumzug, hatte man gerade noch ein ganz klein wenig Glück. Wäre das Gewitter mit Hagelschlag eine Stunde später nieder gegangen, hätte es den Festumzug gesprengt. Das Gefahrenpotential durch die Pferde wäre sicher gleich groß gewesen, wie am Abend zuvor mit dem Festzelt. Unbemerkt von den später eintreffenden Festteilnehmern und Zuschauern mussten so die Gespannfahrer alles allein auf sich nehmen, was da an Eis und Wasser herunter prasselte. Sie hätten auch gleich ins Wasser springen können. Tropfnass haben sie die Verschiebung des Festzuges hingenommen und tapfer durchgehalten. Alle Achtung für so viel Zuverlässigkeit.

So hatte das Adelindisfest 2012 wirklich einmalige Höhepunkte, auf die man gerne verzichtet hätte. Und es wären Helfer und Teilnehmer zu nennen, die unter diesen widrigen Umständen noch mehr geleistet haben oder Erschwernisse in Kauf genommen haben, als sonst üblich. Daran muss man schon auch denken. Besonders herauszuheben sind dabei sicher alle beteiligten Rettungskräfte. Aber Unmenschliches geleistet hat die Feuerwehr: Festzelt, Festwirt, Evakuierung und Betreuung unter gleichzeitig pausenlosen Einsätzen im Stadtgebiet und das nächtliche Instandsetzen des beschädigten Festzeltes. Das alles in meisterhafter Disziplin, mit Übersicht und Können. Das kann man mit einem Dank allein wohl kaum zum Ausdruck bringen.

Landesstrassen

Weit weniger vom Wetter beeinflusst als vielmehr von fehlender Beharrlichkeit und Standfestigkeit der örtlich Verantwortlichen zeigt sich der Landesstraßenbau. Und hier speziell die Ostumfahrung Bad Buchaus mit dem generellen Ausbau der Landstraße bis Oggelshausen. In der SZ – Wir in Kreis und Region – vom 30.06.2012 unter dem Titel: „Ministerium legt Maßnahmenplan für Landesstraßen vor – Vorhaben sollen innerhalb von 10 Jahren umgesetzt werden.“ fehlt eben gerade die Realisierung dieses dringenden Vorhabens. Zwar können bis zum 30. September noch Ergänzungsvorschläge eingereicht werden. Dafür wären aber wohl klare Planvorstellungen die Voraussetzung. Diese sind weder in Bad Buchgau noch in Oggelshausen weit und breit aufzufinden. Dabei würde das die Gemeinden gar nichts kosten. Man hat die letzten 10 Jahre hier aber auch rein gar nichts Konkretes unternommen. Nur bei der letzten Bürgermeisterwahl in Bad Buchau hat man ein leises Anstandszwitschern vernehmen können. Damit dürfte der Straßenbau in den nächsten 10 Jahre wohl ohne uns laufen, wie das eine oder andere auch. Aber diese Schüttelstrecke bewahrt uns wenigstens vor dem “Sekundenschlaf“. Hat doch auch sein Gutes.

Weiterer Leerstand

Jetzt zählt auch der Schlecker-Markt zur Vergangenheit. Mal sehen, ob sich ein anderer Drogeriemarkt nach Bad Buchau verirrt oder ob die Lebensmittelmärkte sich dieser Lücke annehmen und ihr Angebot entsprechend ausweiten. Sonst könnte es sein, dass Bad Buchau noch einen Hygiene-Notstand ausrufen muss. Unsere Frauen können sich nicht mehr richtig schön machen und die Kurgäste sich nicht mehr für ihren Kurschatten aufrüsten. Auch an die armen Babys sollte man denken. Und an weitere leere Schaufenster in der Stadtmitte bei der Bushaltestelle. Das würde die Leute gleich beim Aussteigen schockieren.

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