Kategorien
Bad Buchau am Federsee

Stadtstreicher Kolumne Nr. 110 Bad Buchau im Verteilungskampf

Aus WLZ- Lagerhaus wird 2014 ein neuer NETTO- Supermarkt

Wunderbar je zwei Märkte der Edeka-Gruppe und der REWE-Gruppe sind zukünftig in Bad Buchau vertreten. Eine glänzende Einkaufszukunft steht den Buchauern bevor. Vielleicht gibt es sogar mal was umsonst. Um das geht es doch letztlich in unserer verrückten Welt. Dann wundern wir uns scheinheilig, wenn irgendwo in der Dritten Welt oder auch bei uns in Europa untragbare Zustände aufgedeckt werden, die an Sklavenarbeit erinnern, ja sogar Menschenleben geopfert werden. Dabei wäre so manche Entwicklungshilfe oder Strukturförderung nicht nötig, wenn die Märkte halbwegs vernünftig geordnet wären. An der Entwicklungshilfe verdienen die korrupten Bürokraten in den Ländern am meisten und die arbeitende Bevölkerung am wenigsten. Aber damit beruhigen wir unser abgestumpft gieriges Gewissen. Solche Überlegungen passen gar nicht schlecht zu einem Jahresabschlussgedanken. Aber im neuen Jahr wird es gerade so weitergehen. Verdrängung regiert die Welt und unser Leben. Und immer sind die Schwächeren auf der Verliererseite.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere liegt uns näher. Wir Buchauer hören wieder einmal von dritter Seite, wie sich unser Ort verändert. Nein, nicht vom Rathaus, unserer Bürgervertretung. Hier herrschen selbst gestrickte Verhaltensweisen, die tief im Federseemoor verborgen sind. Geheimniskrämerei und weitgehendstes (ausdauerndes) Schweigen sind die Säulen unserer Buchauer Demokratie. Bloß nichts herauslassen, was zu einem kritischen Meinungsaustausch mit der Bevölkerung führen könnte. Am langen Seil laufen lassen und warten, was sich zufällig ergibt. Nein, kaum eine Eigeninitiative der Gestaltung und des Lenkens. Aber warum auch? Solange man mit der Praxis einverstanden ist, braucht man die Gesetze nicht zu bemühen. Unsere Kommunalverwaltung ist weitgehend auf Selbstkräfte ausgerichtet. Wo kein Widerspruch, da keine Korrektur. Wo keine Eigeninitiative nur reines Verwalten des Vorhandenen. Kreativwerkstätten mit der Bevölkerung, noch nie etwas davon gehört? Innerhalb des gesetzlichen Rahmens leistet sich jede Gemeinde, die Demokratie, die sie selbst praktiziert. In dieser ausladenden Vielfalt liegen Stärken und Schwächen verborgen. An welcher Stelle dieser Skala sich Bad Buchau findet, möge jeder selbst beurteilen. Und wenn er nicht zufrieden ist, eben handeln. Die nächsten Wahlen stehen an. Demokratie ist kein Selbstläufer. Man muss schon etwas dafür tun.

Wie heißt es? „Wie man sich bettet, so liegt man.“ In diesem Sinne ein zufriedenstellendes Neues Jahr der Gemeinde wie jedem Einzelnen.

Als Stadtstreicher haben wir da ganz eigene Erfahrungen.