Stadtstreicher Kolumne No. 90 ist da

Stadtstreicher Nr. 90

Gedanken zum Jahreswechsel

Hoffentlich hatten die Bürger Buchaus nach dem unruhigen Heiligen Abend einen friedlichen und überaus zufriedenen Jahreswechsel. Natürlich mögen alle ihre persönlichen Wünsche an das Neue Jahr in Erfüllung gehen. Neben den Wünschen stehen aber auch Vorsätze an die kommenden Monate. Mit diesen Vorsätzen sollte man etwas vorsichtiger sein. Vor allem sollten es nicht zu viele und zu hohe sein, sonst werden die Hürden zu eng und man stolpert zu oft. Das ist dann recht peinlich und man verflucht die alten Gewohnheiten, denen man früher oder später doch wieder unterliegt. Weniger kann hier mehr sein, wenn man den Mut hat, durchzuhalten.

Unsere Bundeskanzlerin Merkel hat sich zur Neujahrsansprache wirklich sauber herausgeputzt, festlich ja fast glamourös und überaus sympathisch präsentiert Sie sich. Für das was Sie inhaltlich zu sagen hat, an und für sich viel zu aufwendig gestylt. Aber schließlich will Sie uns nicht mutlos machen sondern anspornen und dazu gehört auch das äußere Erscheinungsbild unserer Weltdame. Das macht Sie wirklich gut und überzeugend. In einem Punkt sind wir uns wohl alle einig: „Die Krise ist noch längst nicht überwunden“. Der jüngste Weltuntergang schon. Das war auch wesentlich einfacher, nur ein paar Sekunden und alles war vorbei, und alles genauso wie vorher auch. Aber so eine Krise ist fast immer gegenwärtig, sie verschiebt sich manchmal von einem Schwerpunkt zu einem anderen oder ballt sich gar zu einer Dauerweltkrise zusammen. Ob unsere Kanzlerin hier eine Wende hinbekommt? Oder ob wir Deutsche nicht doch überfordert werden? Es bleibt jedenfalls spannend, auch darüber sind wir uns wohl einig. Alles andere wird sich geben, dank unserer Tugenden.

Wie es sich für echte Oberschwaben gehört, spricht unser Bürgermeister Peter Diesch schon seit Jahren die Neujahrsbotschaft an seine Bürger in der Stiftskirche zu Bad Buchau, quasi als Nachfolger der Fürstäbtissin. Persönlich nicht so aufgeputzt wie unsere Kanzlerin dafür aber mit mehr Heiligenschein versehen. Das gibt natürlich einen ganz anderen glaubwürdigen Rückhalt, der durch den künstlerischen Hochglanz im Hintergrund der Kirche noch verstärkt wird. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob der BM sich in die Rolle eines Bettelpredigers oder Bußpredigers begibt. Schlussendlich ist dies sowieso egal, denn es wird immer eine Heilsbotschaft seines Wirkens sein, ähnlich den Posaunen und Trompeten aus Jericho. Jedenfalls ist seine Verkündigung immer gewaltiger als wir diese in der Realität unserer Stadtentwicklung wahrnehmen. Schon in Rom waren solche glanzvollen Spiele ganz wichtig und die Massen waren begeistert. Eine solche Variante einer Neujahrsbotschaft ist selbst in Oberschwaben einmalig, passt aber gut in unser Naturschutzgebiet. Denn in der Kirche herrscht die gleiche Stille, niemand diskutiert, alle hören andächtig zu und gehen geläutert nach Hause. Wer es schlichter haben will und nicht auf all die Heiligen im Umfeld angewiesen ist, liest das Federseejournal und macht sich seine Gedanken zu Hause. Aber vielleicht könnten die Gemeinderäte in Zukunft als Ministranten mit etwas Weihrauchduft auftreten? Denn selten ist etwas so gut, als dass es nicht verbessert werden könnte.

So stehen wir also im Jahr 2013. Das Stadtbild wird sich endlich tatsächlich verändern, anstatt der „Götze“ wird ein attraktiver Lebensmittelmarkt diesen Kernbereich prägend aufwerten, anstatt dem „Stocker-Eck“ ein Verkehrskreisel den Verkehr lenken. Das alles zu einem ziemlich hohen sechs-stelligen Euro Betrag aus der Stadtkasse. Der Stadt gehört außer der Straßenfläche aber nichts. Das Kinderhaus wird mit einem achtbaren sieben-stelligen Euro Betrag eröffnet werden. Das gehört der Stadt, weil damit nichts zu verdienen ist. Am Federseemuseum könnte auch noch etwas geschehen. Die Einwohnerzahl wird weiter sinken, auch wenn in Zukunft das Federseestandesamt hier anzutreffen ist. Und die Gemeinschaftsschule kommt wohl auch noch. Mit Sicherheit auch noch das eine oder andere Unerwartete.

Auf all diesen Stationen wird der Stadtstreicher die Bürger weiter begleiten. Also Arbeit in Hülle und Fülle.

Ihr Stadtstreicher

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