Spur von geplantem Genfer IS-Inferno führt in „normale“ Moschee

Genf – Ist der Islam am Ende doch keine friedliche Religion? Auch die normalen Moscheen, die von Staatskirchenvertretern als Partner im interreligiösen Dialog heftig umworben werden, können sich bei Bedarf als Radikalisierungsplattformen für gewaltbereite Muslime herausstellen. So planten Schweizer IS-Mitglieder die riesige Tankanlage in Vernier, nahe des Genfer Flughafens, in die Luft zu sprengen. Die Tatverdächtigen trafen sich regelmäßig in der Genfer Moschee im Stadtteil Le Petit-Saconnex. Eine Moschee, die vom saudischen König höchstpersönlich eingeweiht wurde.

Die ellenlange Räuberpistole, die die Baseler Zeitung ihren Lesern auftischt, beruht auf einem Artikel der „Le Temps“, eine französischsprachige Tageszeitung in der Schweiz, die in Lausanne erscheint. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) plante, die riesige Tankanlage in Vernier nahe des Genfer in die Luft zu jagen. Wie Le Temps berichtet, konnte der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) den Angriff im Vorfeld vereiteln. Viel interessanter als der verhinderte Anschlag ist die Geschichte der Radikalisierung des Trios, bestehend aus einem „Bioschweizer“, einem junger Mann unbekannter Herkunft namens „P.F.“ und dem jungen arabischen Einwanderer „Ramzi“. Alle drei sollen, angeblich von Arbeitslosigkeit, Schulversagen und Integrationsproblemen gebeutelt, die Moschee im Stadtteil Le Petit-Saconnex besucht und sich dort „radikalisiert“ haben. Als 2014 die ersten Videos von Enthauptungen des IS an die Öffentlichkeit kamen und der IS große Geländegewinne zu verzeichnen hatte, waren die drei nicht mehr zu halten.

Ende 2014 reisten Daniel D. und P. F. mit rund weiteren zehn Moscheegängern nach Mekka. Dort wuchs ihre Gewaltbereitschaft weiter. Danach stand der Plan fest, sich in Syrien der Terrormiliz IS anzuschließen. „Daniel D. und Ramzi werden vom Geheimdienst Amniyat aufgenommen und trainiert. Sie sind insbesondere für Operationen im Ausland – vor allem in Europa – zuständig“, schreibt «Le Temps» weiter. 2016 werden konkrete Terrorziele in der Schweiz ins Auge gefasst. Der mysteriöse dritte Konvertit P.F. bleibt die ganze Zeit in der Schweiz und soll dort als Schläfer vor Ort die Stellung halten. Am Ende kommt es zwischen PF und dem IS-Karrieristen Daniel zum Streit. Nach langem Hin und Her will Daniel seine Anschlagspläne mit drei anderen muslimischen Schweizern umsetzen.

Ende August 2018 ist der IS bereits am Ende und die Geheimdienste sind den Dschihadisten längst auf den Fersen. Die US-Geheimdienste leiten laut Baseler Zeitung dem Schweizer Nachrichtendienst NBD ein in Syrien beschlagnahmtes Dossier weiter, in dem die Pläne zur Sprengung des Tanklagers Vernier offengelegt werden. Als Drahtzieher steht Daniel D. im Visier. Ausführen sollen das Inferno zwei Albaner. Sie werden auf dem Weg nach Genf in der Schweiz festgenommen. Nach weiteren Informationen der Behörden war das Attentat für Ende April oder Anfang Mai 2019 geplant.

Saudische Moschee in Genf Ort der Radikalisierung

Daniel D. wurde nach Medienangaben im Juni vergangenen Jahres in Syrien verhaftet und befindet sich seither in einem Gefängnis in Nordsyrien. Dort ist er sicherlich am besten aufgehoben, wenn er nicht von „Gesinnungsgenossen“ befreit wird.

Die Genfer Moschee wurde laut Wikipedia 1978 vom saudi-arabischen König Chalid ibn Abd al-Aziz und vom Schweizer Bundesrat Pierre Aubert eingeweiht und ist die größte Moschee in der Schweiz. Sie bietet Platz für rund 1500 Gläubige und steht momentan unter der Führung von Imam Yahya Basalamah.

Wie die Neue Züricher Zeitung schreibt, ist „die große Moschee in Genf immer wieder im Zusammenhang mit Islamismus und Jihadismus in die Schlagzeilen geraten.“ So sah sich 2017 die Leitung der Moschee gezwungen, vier Mitarbeiter zu entlassen, die der französische Geheimdienst als islamistische Gefährder einstuft hatte. In die Schlagzeilen geriet die Moschee auch durch den Genfer Konvertit Kevin Z., der sich in der Moschee radikalisiert hatte. Er war maßgeblich in den Mord an zwei skandinavischen Rucksacktouristinnen verstrickt und daher im letzten Sommer in Marokko zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt worden. (KL)

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