Rewe überwacht Mitarbeiter per Kamera

Markt kündigt Buchauer Verkäufern – Angeblich haben sie einen Joghurt und Wurst geklaut
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Rewe überwacht Mitarbeiter per Kamera

Rewe überwacht Mitarbeiter per Kamera

Von Annette Grüninger

Bad Buchau Wohl wegen einigen Scheiben Wurst und einem Joghurt sind zwei Angestellte der Bad Buchauer Rewe-Filiale auf die Straße gesetzt worden – das behauptet zumindest deren Anwalt. Nach Aussagen des Konzerns selbst sollen dagegen schwerwiegendere Gründe dazu geführt haben. Um sie nachzuweisen, wurde die Belegschaft per Videokamera überwacht. Beide Mitarbeiter bestreiten die Vorwürfe. Gewissheit soll nun das Arbeitsgericht schaffen.  Im ersten Moment habe er gar nicht erkannt, was es mit dem Kabel am Ventilator auf sich hat, erinnert sich der 59-jährige Rewe-Mitarbeiter an den Vorfall im Juli. Kurz zuvor sei er aus dem Sommerurlaub zurückgekommen. Vielleicht ist ihm deshalb die Veränderung an seinem gewohnten Arbeitsplatz überhaupt aufgefallen. „Ich hab’ dann a bissle an dem Kabel gezogen – und dann hab’ ich die Videokamera in der Hand gehabt.“

Doch dann begeht der Angestellte einen folgenreichen Fehler: „Ich habe die Kamera mit heimgenommen – als Beweismittel. Dann habe ich sie dem Rechtsanwalt ausgehändigt.“ Rewe wird den langjährigen Mitarbeiter deshalb später des Diebstahls beschuldigen. Er habe die Überwachungskamera mit Absicht eingesteckt und beschädigt, „um Beweismittel verschwinden zu lassen“, sagt ein Rewe-Sprecher. Auch wenn der Anwalt die Kamera später aushändigt, steht auch dieser Vorwurf bis heute im Raum.

Angestellte wurden beobachtet . Dass in der Filiale eine Kamera über einen bestimmten Zeitraum installiert wurde, wird auch von dem Konzern nicht bestritten. „Es gibt aber klare Regeln, wenn man Videoüberwachung einsetzt“, so der Sprecher: „Immer dann, wann der Verdacht des fortgesetzten Diebstahls besteht.“ Die Überwachung sei zudem mit dem Betriebsrat abgesprochen worden.

Der Bad Buchauer Mitarbeiter ist mittlerweile fristlos entlassen worden. Und auch eine Kollegin. Abgesehen von dem angeblichen Diebstahl der Kamera wird beiden vorgeworfen, Lebensmittel aus dem Markt gestohlen zu haben. Laut Rechtsanwalt Klaus Habrik, der beide Angestellte vertritt, beschränke sich der Vorwurf des Konzerns jedoch nur darauf, dass der Mitarbeiter einige Rädle Wurst aus der Theke probiert und die Verkäuferin einen Joghurt aus dem Warenbestand gegessen habe. „Sie sagt aber, dass sie den Joghurt von zuhause mitgebracht hat“, berichtet der Biberacher Anwalt.

Auch der Rewe-Mitarbeiter bestreitet die Tat. Hinter seiner Entlassung, vermutet der 59-Jährige, steckten in Wahrheit ganz andere Gründe: „So versucht man, ältere und unliebsame Mitarbeiter loszuwerden – ohne Abfindung, auf die billigste Art und Weise.“

Rewe: „Kein Fall Emmely“

Rewe dagegen bestreitet eine solche Absicht. Zwar werden „zu laufenden Verfahren“ generell keine Stellungnahmen abgegeben, so der Sprecher. In diesem Fall stünden jedoch noch weitere, schwerwiegende Vorwürfe im Raum: „Nur wegen einer Scheibe Wurst, einem Bon oder anderen Marginalien wird bei uns keine Videoüberwachung auslösen.“ Und allein die gestohlene Videokamera zeige doch schon, „dass dies kein Fall Emmely ist.“

Das Verfahren wegen des Diebstahls der Kamera hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile eingestellt. Und auch bei den für Januar angesetzten Arbeitsgerichtsprozessen rechnet Anwalt Habrik, der sich auf Arbeitsrecht spezialisiert hat, mit einem positiven Ausgang für die Mitarbeiter. Auch deshalb, weil der Kameraeinsatz rechtlich fragwürdig sei: „Es geht einfach nicht, so in das Persönlichkeitsrecht einzugreifen.“

Auch der Mitarbeiter erhofft sich ein Urteil, dass seinem Rechtsempfinden entspricht: „Ich mache das auch für die Kollegen. Von uns älteren Mitarbeitern sind nämlich schon einige einfach so ,verschwunden‘.“

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