Missbrauchsskandal: Sensible Handhabung oberstes Gebot.

Montag, 1. Februar 2010 von Heinz Weiss

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Berlin (dpa) – Nach dem jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsskandal am jesuitischen Canisius-Gymnasium in Berlin gibt es immer mehr Vorwürfe gegen die damalige Schulleitung.

In verschiedenen Medien berichten frühere Opfer und weitere ehemalige Schüler von Gerüchten und Berichten in den 70er und 80er Jahren, die auch damaligen Lehrern und dem Jesuiten-Orden bekannt gewesen seien. Schon 1981 schrieben frühere Schüler nach eigenen Angaben gemeinsam einen Brief an die Schule und die katholische Kirche. An dem Kolleg in der Hauptstadt sollen zwischen 1975 und 1982 mindestens 22 Kinder und Jugendliche missbraucht worden sein. Bis Mitte Februar soll dazu ein Untersuchungsbericht erstellt werden.

Der jetzige Rektor Klaus Mertes spricht in einer persönlichen Erklärung vom “tiefen Entsetzen über die Untaten von zwei ehemaligen Patres”, dem “Versagen der Ordensleitung” und dem “Wegschauen der Verantwortlichen”.

Wegen des Missbrauchsskandals am jesuitischen Canisius-Kolleg in Berlin wird heute der deutsche Ordenschef in dem katholischen Elitegymnasium erwartet. Provinzial Stefan Dartmann will dort für Fragen in Zusammenhang mit diesen Fällen zur Verfügung stehen.

Dartmann hatte am Sonntag eine “vollständige Aufklärung im Interesse der Opfer” angekündigt. Der Orden hat Ursula Raue, lange Jahre Vorsitzende der Kinderschutzorganisation “Innocence in Danger”, mit Ermittlungen beauftragt.

Der Skandal weitete sich unterdessen aus. Auch an einer Hamburger Schule gibt es jetzt Opfer. “Das, was viele befürchtet haben, hat sich bewahrheitet”, sagte Bistums-Sprecher Manfred Nielen am Montag der Deutschen Presse- Agentur dpa. Es hätten sich zwei ehemalige Schüler der Sankt-Ansgar-Schule gemeldet, die Opfer eines Jesuitenpaters wurden. Dieser hatte bereits eingeräumt, Schüler des katholischen Canisius-Kollegs in Berlin missbraucht zu haben. Der Pater hatte laut Bistum von 1979 bis 1982 an der ehemaligen Jesuiten-Schule in Hamburg unterrichtet. Er trat 1991 aus dem Orden aus und lebt jetzt in Südamerika.

Möglicherweise ist auch das Jesuiten-Kolleg in St. Blasien in Baden-Württemberg betroffen. Ein früherer Pater, der in Berlin Taten gestanden hat, unterrichtete in den 80er Jahren dort. “Ich muss davon ausgehen und gehe davon aus, dass es durch ihn auch am Kolleg St. Blasien Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben hat”, sagte Direktor Pater Johannes Siebner der dpa. Von 1979 bis 1982 hatte der damalige Lehrer zudem an der Hamburger Sankt-Ansgar-Schule unterrichtet, wie das Erzbistum bestätigte. Bislang gebe es aber keine Hinweise, dass es dort ebenfalls zu sexuellen Übergriffen gekommen sei, sagte ein Sprecher.

Die Vorgänge werfen auch ein Schlaglicht auf den Umgang der Kirche mit solchen Fällen. Jesuitenpater Breulmann sagte, 2002 erlassene “Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch” seien zwar wichtig. Sie müssten aber konsequenter angewandt werden, sagte er im “Tagesspiegel”. Die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich “tief betroffen”. Die Richtlinien von 2002 seien “unmissverständlich und nach wie vor die Grundlage unseres Handelns”, sagte ein Sprecher.

Berlin (dpa)

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9 Kommentare zu „Missbrauchsskandal: Sensible Handhabung oberstes Gebot.“

  1. Maria Maria sagt:

    Missbrauch von Kindern geschieht überall auf dieser Welt. Und das ist schlimm – egal wo – ob Kirche, Familie, Schule oder das Zeltlager etc.. Kaum vorstellbar ist wohl für alle was im Anschluss an den Missbrauch in den Kindern und späteren Erwachsenen vorgeht, wenn die Kindheit und das Erlebte sie wieder einholt.
    Grundsätzlich dreht sich mir der Magen um beim Thema Kindesmissbrauch und die Strafen sind viel zu lasch. Die Kirche setzt dem ganzen jedoch leider mit Verschleierung und Untätigkeit eine perverse Krone auf. Warum wird nicht sofort der Personenkreis in die Verantwortung genommen, der dazu schweigt und lediglich mit Versetzungen/Suspendierungen reagiert?

    • erwarte auch mehr erwarte auch mehr sagt:

      erwarte in buchau auch mehr zum missbrauchsfall: Entschuldigungen und vor allem eine kehrtwende aller bisherigen verschleierungsbefürworter, die doch so gerne den fall herunterspielten, damit der musikschulleiter sein ansehen nicht verliert.

      • mrw mrw sagt:

        Da gebe ich dir voll und ganz Recht! Aber ich glaube auch, dass wir darauf lange warten können! Der Trend geht da klar zum “wir sitzen die Sache aus bis Gras darüber gewachsen ist!” Und man muss leider Gottes sagen mit dieser Einstellung liegt Buchau voll im Trend! Denn wer sich mit Missbrauch von Kindern mal näher befasst muss feststellen, dass am häufigsten Missbrauchfälle in der ländlichen Gegend passieren. Es sind die lieben Nachbarn, der Onkel, Opa, der Lehrer, der Trainer und und und. Man geht davon aus, dass jedes zweite Mädchen irgendwann in der Kindheit oder der Jugend Situationen erlebt, an denen es von einem Erwachsenen mal unsittlich berührt wurde oder schlimmeres. Und überall wird geschwiegen, angefangen in den Familien selbst bis hin eben zu Verwaltungsebenen.
        Deshalb wehrt euch alle gegen das Schweigen! Lasst es nicht mehr zu, dass solche Fälle verharmlost werden oder unter den Teppich gekehrt werden! Das sind wir alle den Opfern schuldig. Wer schweigt macht sich zum Mittäter!

      • buchauer buchauer sagt:

        Ich finde es auch typisch und sehr schwach von unserem Bürgermeister, dass er diesen Missbrauch von Anfang an unter den Teppich kehren wollte, was ihm Gott sei Dank nicht gelang. Anstatt die Opfer zu schützen schützt man lieber den Täter, obwohl hier im Forum schon einige Opfer berichtet haben. Wie viel Beweise werden noch gebraucht? Ich hoffe nur, dass bis zur nächsten Bürgermeisterwahl in der Sache Musikschulleiter Rechnung getragen wird und von den Buchauern bis dahin nicht in Vergessenheit gerät und der Vetterleswirtschaft endlich ein Ende bereitet wird.

  2. andrea andrea sagt:

    Das sind immer die gleichen Scheinheiligen. Sonntags ganz vorne in der Kirche und Montags Missbrauchsfälle vertuschen. In Buchau haben wir genau die gleichen Symptome!

  3. Vater Vater sagt:

    Außerdem sollte man sich vor Augen führen, dass nur einer aus dem Stadtrat von Buchau den Schritt an die Öffentlichkeit verantwortet und gemacht hat. Es zeichnet denjenigen aus, unsere Kinder und Mütter zu warnen vor weiterer sexueller Mißbrauchsgefahr in der Stadt.

  4. Entsetzter Entsetzter sagt:

    Adresse öffnen und lesen, unglaublich dieser sexuelle Mißbrauch. Bin dran aus der Kirche und der CDU aus zu treten, mir reicht es.Durchgängig die gleichen Lügen und Ausreden der Pädophilen aber auch jener die durch weg schauen sich mitschuldig machen…

    http://www.spreeblick.com/2010/01/28/sexueller-missbrauch-am-canisius-kolleg-berlin/

  5. mit beispiel voran mit beispiel voran sagt:

    heute gelesen.. so ists richtig, eine Entschuldigung von höchster Stelle.
    Im Bistum Hildesheim gab es am Sonntag in jeder katholischen Kirche eine außergewöhnliche Predigt: Eine Entschuldigung von der Kanzel herab! Die Worte von Bischof Norbert Trelle wurden verlesen – er spricht in seinem Brief von „Scham und Empörung“, von „tief empfundenem Mitgefühl“ und der Verpflichtung der Kirche, solche Taten zu verhindern.
    BISCHOF TRELLE SIEHT DIE GANZE KIRCHE IN DER VERANTWORTUNG!
    Bischof Trelle: „Aus heutiger Sicht haben wir die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklung eindeutig unterschätzt. Ich bedaure dies zutiefst.“
    „Die ganze Institution hat Schuld, weil sie für eine Mentalität gesorgt hat,

    ,bitte nicht darüber reden’“,

    ergänzt Regionaldechant Martin Tenge in einer Predigt, die weit über den Brief des Bischofs hinausgeht.
    Von etlichen Amtskollegen aber zeichnet er ein erschütterndes Bild. „Teilweise kenne ich die Kombination des Priesters als Täter und Opfer.“ Mit langem Schweigen ist für Tenge in diesem Gottesdienst Schluss: „Es gilt sich zutiefst bei den Opfern zu entschuldigen.“
    Das Bistum werde alles daran setzen, für Aufklärung zu sorgen, verspricht Bischof Trelle in seinem Brief. Er fordert eventuell weitere Geschädigte auf, sich zu melden. Nur so könne es zu einer ehrlichen Aufarbeitung kommen.

    Auch ein Bürgermeister ist ein Vorgesetzter des Musikschulleiters und müsste sich meiner Meinung nach offiziell für seinen Musikschulleiter, der ja einen Arbeitsvertrag mit der Stadt Buchau hatte, entschuldigen.
    Viele warten drauf!

  6. Heinz Weiss Heinz Weiss sagt:

    +++aktuell+++

    Die Bundesregierung habe die deutschen Bischöfe zum Handeln aufgefordert, schreibt das Magazin. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger sagte dem “Spiegel”: “Ich erwarte von der katholischen Kirche konkrete Festlegungen, welche Maßnahmen für eine lückenlose Aufklärung ergriffen werden.” Die FDP-Politikerin schlug Ombudsleute und einen Runden Tisch aus Staats-, Kirchen- und Opfervertretern vor.

    Ein solches Gremium sei “ein guter Weg, um die zahlreichen Missbrauchsfälle aufzuklären und der katholischen Kirche Gelegenheit zu bieten, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen ins Gespräch zu kommen”, sagte die Ministerin. Gleichzeitig übte Leutheusser-Schnarrenberger scharfe Kritik am Augsburger Bischof Walter Mixa, der die sogenannte sexuelle Revolution mit verantwortlich für den Missbrauch gemacht hatte.

    Es sei “wenig hilfreich, wenn sich einige Verantwortliche wie Bischof Mixa hinter polemischen Ausflüchten verstecken, statt zur Sachaufklärung beizutragen”, sagte die Politikerin.

    Unterdessen weitet sich der Skandal um Missbrauchsfälle aus den 60er, 70er und 80er Jahren immer weiter aus. Mit Vorwürfen konfrontiert sind laut “Spiegel” nun auch zwei ehemalige Heime der Salesianer Don Boscos in Augsburg und Berlin, wo drei Geistliche und ein Mitarbeiter Minderjährige missbraucht haben sollen.

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