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Bad Buchau am Federsee

Ministerium sucht Gründe für Rückgang der Anmeldungen

Gemeinschaftsschulen weniger attraktiv – Hoffnung auf Nachmelder

Von Stefanie Järkel

Stuttgart – Das Kultusministerium will nach den Ursachen für die teilweise kleinen Anmeldezahlen an den Gemeinschaftsschulen forschen. „Wir wollen die Schulen auf Regierungsbezirksebene einladen“, sagt Norbert Zeller, Leiter der Stabsstelle Gemeinschaftsschule, der Schwäbischen Zeitung. Dabei gehe es darum, welches Potenzial die Schulen noch sähen. Das Kultusministerium hatte am Mittwoch die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr für die 129 Gemeinschaftsschulen bekanntgegeben. Dabei hatte sich gezeigt, dass fast ein Drittel der 87 neuen Gemeinschaftsschulen nach derzeitigem Stand einzügig starten werden. Als Voraussetzung für die Genehmigung einer Gemeinschaftsschule gilt allerdings die stabile Zweizügigkeit – möglichst 40 Kinder pro Jahrgang. Davon war das Ministerium bei allen Standorten ausgegangen.

Das Ministerium will in den Gesprächen mit den Schulen herausfinden, warum sie mit ihren Prognosen für die Anmeldezahlen teilweise so falsch lagen: „Wir wollen auch mehr Planungssicherheit für die Gemeinschaftsschulen haben“, sagt Zeller. Allerdings hofft das Ministerium auch auf Nachmelder. „Einige Schulen haben schon gesagt, dass sich ihre Zahlen noch erhöhen werden“, sagt Zeller. „Ich bin eher optimistisch.“ Vergangenes Jahr seien ebenfalls Schüler nachgemeldet worden.

Auch für einige Schulen im Regierungsbezirk Tübingen hofft Zeller noch auf Nachmelder. Hier liegen an sieben von zwölf Schulen die Anmeldezahlen teils deutlich niedriger als im vergangenen Jahr. In den anderen Regierungsbezirken sind die Zahlen dagegen an fast allen Schulen, die schon im vergangenen Jahr als Gemeinschaftsschule gestartet waren, gestiegen oder gleich geblieben.

Bis Ende April haben die Standorte nun noch Zeit, für sich zu werben. Dann werden die Lehrerstunden entsprechend der Klassenanzahl zugeteilt. Die Standorte dürfen nun allerdings auch einzügig als Gemeinschaftsschulen starten, nachdem sie die Genehmigung vom Kultusministerium bereits erhalten haben. In Oberkochen im Ostalbkreis und in Überlingen am Bodensee ist allerdings noch unklar, ob die Schulen die nötigen 16 Schüler für eine fünfte Klasse zusammenbekommen. In Oberkochen gibt es derzeit zehn Anmeldungen, in Überlingen acht.

Auf Realschulen zugehen

Bei den vier Realschulen, die nun Gemeinschaftsschulen werden, ist die Resonanz gemischt. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) zeigt sich trotzdem optimistisch: „Wir können anhand dieser Beispiele davon ausgehen, dass die Eltern von Realschülern die neue Schulart annehmen werden.“ Das Ministerium will nun noch stärker auf die Realschulen zugehen, wie ein Sprecher des Ministeriums versichert. Bisher ist das Interesse in dieser Schulart auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule sehr gering.

„Jetzt werden Trittsteine für die Realschulen vorbereitet“, sagt der Sprecher. So spricht der Minister mit den Kommunalen Landesverbänden auch über die Möglichkeit von Verbundschulen. Dabei könnten etwa eine Real- mit einer Hauptschule zusammengehen. Die Verwaltung würde verschmelzen, die Klassen würden aber zunächst nach Leistungsniveaus getrennt unterrichtet werden. An den Gemeinschaftsschulen werden Kinder aller Leistungsniveaus gemeinsam unterrichtet. (sz)

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Grün-rote Selbstgefälligkeit
Von Stefanie Järkel

Die Anmeldezahlen für die Gemeinschaftsschulen sind für den Kultusminister ein Warnschuss vor den Bug. Offensichtlich genießt die neue Schulart nicht das Vertrauen der Menschen, wie es die grün-rote Landesregierung gern hätte. Zwar gibt es zahlreiche Schulen, die sich über regen Zulauf freuen. Doch im Regierungsbezirk Tübingen und gerade bei den neuen Standorten ist dies nicht überall der Fall. Es zeigt sich, dass Minister Andreas Stoch (SPD) nochmals eine Werbekampagne für die Gemeinschaftsschule starten muss mit Veranstaltungen im ganzen Land.

Der Umbau des Bildungssystems verunsichert viele Eltern. Die Idee der Gemeinschaftsschule kann eine gute Antwort auf den Rückgang der Schülerzahlen sein und auf die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus. Doch dieses pädagogische Konzept braucht zum einen Ressourcen, zum anderen aber auch eine entsprechende Vermittlung, um offene Fragen früh zu klären. Doch schon der Bürgerentscheid in Bad Saulgau hat hier eine gewisse Selbstgefälligkeit von Grün-Rot offenbart. Tenor: Das klappt schon alles. Damals hat die CDU die Werbetrommel gegen die neue Schulform gerührt. SPD und Grüne auf Landesebene haben den Wahlkampf dagegen verschlafen. Die Mehrheit der Saulgauer Wähler stimmte gegen die Einführung der neuen Schulart am Ort. Auch das zeigt: Die Gemeinschaftsschule ist kein grün-roter Selbstläufer.

Als Ergänzung kann ich noch die gescheiten Funktionäre von der GEW anführen. Diese gymnasiale Oberstufe sollte zum Auslaufmodell werden und alle in die
Gemeinschaft-, pardon Gesamtschule geschickt.

Idelle Gleichmacherei oder nur Gleichschaltung auf dem Bildungssektor?

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