MdB Martin Gerster besucht Integrationskurs

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„Es wird zu sehr auf den Namen von Bewerbern geschaut“

Kennenlernrunde beim Integrationskurs der Volkshochschule Biberach: Nachdem sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster vorgestellt hat, nimmt die Frage nach der Herkunft der Flüchtlinge die Besucher mit auf eine Weltreise.

 

Ilena stammt aus Russland, sie ist gelernte Restaurantfachfrau und schon seit einem Jahr mit ihrem Sohn in Deutschland. Ihre Nebensitzerin kommt aus Thailand und ist 32 Jahre alt; auch sie ist mit ihren Kindern hier. Der Iraner Amir lebt bereits seit 4 Jahren in Deutschland: „Ich suche eine deutsche Frau.“ Gelächter schallt durch den Raum –auch Amir lacht. Der Rest der Teilnehmer kommt aus Afghanistan, Syrien, Rumänien und Südkorea. Die meisten der Flüchtlinge erzählen nicht, warum sie hier sind. Bei einigen lässt das Herkunftsland die Beweggründe der Flucht allerdings erahnen. Andere wiederum hoffen, in der Bundesrepublik wieder in ihrem alten Beruf arbeiten zu können.

Pünktlich wie die Teilnehmer zu Kursbeginn um 8 Uhr waren auch Martin Gerster und VHS-Fachbereichsleitung Claudia Stern sowie Deutschlehrerin Andrea Andrade Alt da. Letztere leitet bereits seit über zehn Jahren Deutsch- und Integrationslehrgänge.

„Viele der Schüler des Integrationskurses nehmen morgens eine weite Strecke auf sich nur, um hier teilnehmen zu können“, erzählt sie. Dabei müssten einige der Schüler unter Umständen drei mal mit dem Bus umsteigen und knapp zwei Stunden Fahrtzeit miteinplanen.

Dies scheint jedoch die kleinste Sorge der Deutschschüler zu sein. Kasim aus Afghanistan will arbeiten. Er verschickte zahlreiche Bewerbungen an Firmen aus der Umgebung und bekam nie eine Antwort. „Wie kann es sein, Herr Gerster, dass mir niemand antwortet?“ Eine Frage, die auch der SPD-Bundestagsabgeordnete nicht beantworten kann: „In Deutschland haben wir teilweise immer noch das Problem, dass zu sehr auf den Namen der Bewerber geschaut wird. Das gilt nicht nur in der Job-, sondern auch in der Wohnungssuche.“

Auch Sea aus Südkorea versteht nicht, wieso es für ihre beiden Söhne nur eine Nachmittagsbetreuung bis zur vierten Klasse gibt. „Das Zusammensein meiner Söhne mit anderen deutschen Kindern ist für die kulturelle Integration meiner Meinung nach sehr wichtig.“ Wichtig wie der Integrationskurs für die Teilnehmer, von der Kursleiterin mit Herzblut betrieben.

Die aktuelle Übung besteht aus der Verwandlung von Verben in Adjektive. Etwa 15 Teilnehmer mit Migrationshintergrund lauschen gebannt den Worten ihrer Lehrerin. „Lernen, wie man mit Situationen umgeht, in denen man auch nur mal 50 Prozent der Unterhaltung versteht, ist sehr wichtig.“ Befinde man sich in einer solchen Situation, sei es zunächst wichtig die Worte herauszufiltern, die man verstehe.

Wie essentiell der Kurs ist, zeigt sich auch in der gemeinsamen Frühstückspause, in der im Foyer Kaffee gekocht und gemeinsam Probleme und Sorgen geteilt werden. „Apropos, ein gutes Small-Talk-Thema für Deutschland ist übrigens das schlechte Wetter. Da kann wirklich jeder mitreden“ sagt Andrade Alt lachend und in diesem Punkt sind sich alle Kursteilnehmer einig.

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