„Man muss stur sein“ Fabian Weiss aus Bad Buchau über die Gründung eines Start-up-Unternehmens

Zusammen mit einigen Mitstudenten hat Fabian Weiss aus Bad Buchau an der Uni Ulm die Raumbrille entwickelt.

Bad Buchau sz Vom Student zum Start-up-Unternehmer: Mit der Raumbrille, die virtuelle Räume erlebbar macht, haben sich der 30-jährige Bad Buchauer Fabian Weiss und sein Geschäftspartner Simon Singler mittlerweile erfolgreich am Markt etabliert. Seit kurzem sind zwei Investoren mit Anteilen von insgesamt 360000 Euro in ihr Unternehmen „Immersight“ eingestiegen. Was es bedeutet, ein Start-up zu gründen, darüber hat SZ-Redakteurin Annette Grüninger mit Weiss gesprochen.

 SZ: Herr Weiss, ich erreiche Sie gerade auf dem Weg nach Hamburg zu einer Messe. Was führt Sie dorthin?

Weiss: Wir wurden von dem CNC-Maschinen-Hersteller Papenbroock eingeladen. Dort werden wir zusammen mit unserem Partner, der Palette CAD aus Stuttgart, zum ersten Mal unsere Raumbrille vor Tischlern, Schreinern und Betrieben aus dem Innenausbau präsentieren. Wir waren ja bisher nur im Bereich Badplanung tätig.

Man braucht auf jeden Fall viel Eigeninitiative, den Willen, muss sehr ehrgeizig sein. Am Anfang war es bei uns so: Wir hatten etwas erfunden, aber wussten nicht, wofür. Wir hatten eine Lösung – aber kein Problem dafür. Wir wussten aber, dass der Bereich virtuelle Realität eine Zukunft hat. Mit unserer Raumbrille kann man ja richtig in die virtuelle Realität eintauchen und sie erleben. Das fand zwar jeder, dem wir die Raumbrille gezeigt haben, interessant, aber das brachte uns nicht weiter. Bis wir Dr. Walter Zinser, den Gründer von Palette CAD, kennengelernt haben. Er hat sofort zu uns gesagt: Kommt mit in die Badbranche, dort kann virtuelle Realität einen großen Nutzen entfalten.

Aber wie kommt man als Student an solche Leute?

Über das Internet. Wir haben einfach per Mail Leute angeschrieben – und Dr. Walter Zinser hat zurückgeschrieben. Zwei Wochen später waren wir mit ihm auf der Weltleitmesse für Sanitär und Heizung in Frankfurt. Von dort aus ergaben sich weitere Kontakte.

(lacht) Ja, das Klischee stimmt schon. Auch wir waren an der Uni und hatten zu viel Freizeit und haben aus reinem Spieltrieb etwas erfunden. Aber wer jeden Tag eine andere Idee hat, wird keine davon umsetzen. Man muss schon alles andere beiseite schieben und sich entscheiden. Man muss stur sein und einen festen Willen haben. Denn irgendwann wird es zur richtigen Arbeit und man erleidet auch Rückschläge.

Sie haben Elektrotechnik studiert. Was ändert sich, wenn man nicht nur Entwickler, sondern auf einmal auch Unternehmer ist?

 

 

(lacht) Man wird ja nicht auf einmal Unternehmer. Wir haben erst einmal einen Förderantrag für das Bundesprogramm Exist, also „Existenzgründungen aus der Wissenschaft“ gestellt. Da bekommt man dann die Anweisung, einen Businessplan, ein Ideenpapier, zu schreiben. Solche Förderanträge sind eine richtige Tortur, das dauert Wochen. (lacht) Aber es hilft einem, sich zu strukturieren, sich mit seinem Produkt und dem Kundennutzen auseinanderzusetzen. Was mir auch geholfen hat: Mein Opa hatte auch schon eine Baufirma und mein Vater ist selbstständig. Deshalb habe ich von beiden Seiten mitbekommen, was es heißt, ein Unternehmen aufzubauen und zu leiten.

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