Der Stadtstreicher:

Die Kolumne aus und über Bad Buchau.

Der Stradtstreicher von Bad Buchau

Gestatten, ich bin der Stadtstreicher, und schreibe hier sporadisch was mich bewegt, beeindruckt und fasziniert, gerade so wie ich eben Lust darauf habe. Als solcher habe ich Zeit zu beobachten, mir ein Bild zu machen von dem, was vorgeht in unserem Buchau, darüber nachzudenken oder auch zu sinnieren und um es in dieser neuen Internetkolumne den Buchauern zum Lesen und Schmunzeln zu präsentieren. Der Stadtstreicher hat nichts zu tun, er hat keine Interessen, schon gar keine geschäftlichen. Er und seine Gedanken sind frei, er darf sich vor allem fragen: was soll dies, was bedeutet jenes, warum so und nicht anders. Alles Fragen, die sich auch mancher Bürger immer wieder stellen mag. Fragen, gestellt mit einem humorvollen Augenzwinkern, gerne auch mal scharfsinnig, aber nie verletzend, denn der Stadtstreicher hat dem Ärger dieser Welt den Rücken gekehrt. Bis bald euer unbekannter stadtstreicher.

Stadtstreicher Kolumne Nr. 67

Kindergarten Farbe und Dach

Es hat wohl nichts mit der bunten, ausgelassenen Fasnetszeit zu tun gehabt, die jüngste Gestaltungsberatung. Zunächst muss einmal herausgestellt werden, dass der Kindergarten ein zweigliedriger Bau ist. Bei der Sitzung war der flache Vorbau das Hauptthema. Manche wollten die Fassadenfarbe bunter und aufreizender andere eher dezent, schlicht in Grün, der „Symbolfarbe des Lebens“. Die Kinder würden selbst Farbe genug ins Haus bringen. Sicher hat Architekt Tress recht, mit der Feststellung, die Fassadenfarbe sei nicht nur eine Geschmacksache. Sie sollte entweder den Charakter oder die Nutzung eines Gebäudes symbolisieren und unterstreichen. Ob Altersheim oder Kindergarten, das muss schon nach „außen getragen“ werden. Wenn das mit den sägerauen Holzpanelen in verschiedenen Grüntönen gelingt, könnte der Vorbau und damit der Eingangsbereich schon Stil und Prägung bekommen. Im Kontrast dazu steht die helle Putzfarbe des Hauptbaus. Es muss allerdings klar sein, dass die rauen Holzpanelen nicht nur sehr schmutz- sondern auch wetteranfällig sind und damit höheren Unterhaltungsaufwand erfordern werden. Sonst sieht der neue Kindergarten schnell vergammelt aus.

Ähnlich aussagekräftig für den Charakter eines Gebäudes ist neben der Farbe, die Dachform. Im Gegensatz zum ausgeprägten Pultdach des Hauptbaus wurde für den Vorbau ein abgeflachtes Pultdach (3%), gewählt. Um Missverständnisse zu vermeiden, würde man hier besser von einem leicht geneigten Kiesflachdach sprechen. Das ist eine kostengünstige, sichere Lösung.

Patrizia zeigt Stuttgart die kalte Schulter (SZ-Bericht vom 16.02.12)

Damit soll nicht das Wettertief vom Wochenende angesprochen werden. Um etwas ganz anderes geht es. Das Augsburger Unternehmen Patrizia hat die 21.000 Immobilien der Landesbank Baden-Württemberg ersteigert. Nun will die Stadt Stuttgart von Patrizia 4.900 Wohnungen am Stuttgarter Nordbahnhof, einem künftigen Filetstück der Stadtgestaltung, abkaufen. Aber der Unternehmer Patrizia sagt nein und macht damit klar, dass er als Eigentümer dieses Gebietes jetzt am längeren Hebel sitzt, trotz Bebauungsplan und Stuttgarter Stadtgestaltung.

Das alles erinnert doch etwas an die Buchauer Situation beim Götzburgareal, ebenfalls einem Filetstück unserer Stadtsanierung. Ohne jegliche vorhergehende Abmachung mit der Stadt hat man vor Jahren dem Abbruchunternehmer das Areal zum günstigen Mindestgebot von 150.000 Euro bei der Versteigerung überlassen. Jetzt wird verbissen gepokert, wie hoch sich die Stadt an den Abbruchkosten der Gebäude aus Sanierungsmitteln beteiligen soll. Die Mitsprache der Stadt beschränkt sich letztlich wohl weitgehend auf das Bezahlen dieser Unkosten. Sonst dürfte zu befürchten sein, dass trotz des weitgehenden Entgegenkommens beim Bebauungsplan auf dem Gelände nicht allzu viel passieren könnte. Das Ergebnis einer Einigung zögert sich immer länger hinaus. Der Eigentümer sitzt eben am längeren Hebel in Stuttgart wie in Bad Buchau.

Hat die Stadt den Fehler eingesehen, nachdem sie jetzt das Schmuckgebäude erworben hat? Zu welchem Preis geschah dies? Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages sind die Gründe für die Nichtöffentlichkeit entfallen. Die Zahl gehört auf den Tisch. Zu vermuten ist, es war sicher nicht billiger, wie das riesige Götzburgareal zusammengenommen.

Bundepräsident Wulff in Memoriam

Man wirft der Presse teilweise vor, sie habe Bundepräsident Wulff auf dem Gewissen. Diese Feststellung hinkt zumindest. Die Medien zeigten die Schwächen dieses Mannes auf. Daraus wurde allerdings eine Litanei. Aber die eigentlichen Fehler hat Wulff schon ganz allein selbst gemacht und zu verantworten. Das gilt für die Sache als solches wie für den Verfahrensablauf.

Der Rücktritt erfolgte viel zu spät und nur mit großem Schaden für das Amt und die demokratischen Wertgepflogenheiten. Jetzt musste Wulff es doch tun und das auch noch in der Fasnetswoche. Passt an und für sich schon ins Gesamtbild dieser mehrwöchigen, peinlichen Nabelschau. Viele werden aber trotzdem nicht mehr lachen können. Es ist nämlich schon lange keine Komödie mehr. Eher ein erneuter Trauerfall für die abgeflachten Zustände in unserem Land allgemein. Das Standbild eines modernen, strahlenden Berufspolitikers und Politmanagers im höchsten Amt dieser Republik ist gestürzt. Damit auch der „persönliche Präsident“ von Merkel. Aber wir werden darüber hinwegkommen, wenn wir nur an Griechenland denken.

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Stadtstreicher Kolumne Nr. 66 aktuelles zur Sache

Stadtstreicher Nr. 66

Die Haltung des Bürgermeisters

Da stellt doch ein Leser bei der Gemeinschaftsschule in „amfedersee.de“ an den Bürgermeister die Frage: „Vorkämpfer oder Mitläufer?“ Er vermisst „Herzblut“ in der Einstellung des Rathauses zu wichtigen Themen der Stadt. Das ist schon eine überaus interessante Sache. Je länger man darüber gründlich nachdenkt, umso mehr drängt sich diese Frage tatsächlich auf. Das Visier wird nicht immer so ganz geöffnet, sondern man hält sich bedeckt. Dies äußert sich auch bei Abstimmungen. So kann man immer wieder zweifeln, ob der Bürgermeister jetzt mit abgestimmt hat oder nicht. Da müsste man schon im Protokoll nachsehen. Aber hierzu passt auch, dass der Bürgermeister sich bei Gesprächen oder Erklärungen sehr gerne in das Schneckenhaus zurückzieht und sagt, das habe der Gemeinderat so beschlossen. Dabei versteht er es, den Eindruck zu vermitteln, dass er hinter dem Beschluss gar nicht „voll“ steht. Als hätte er nur die undankbare Aufgabe, diesen eben zu vollziehen. Er nimmt sich da selbst gerne aus dem Brennpunkt heraus und spielt den Leuten den unschuldigen Vollstrecker vor. Es ist halt immer angenehm, sich in einer Gruppe „unsichtbar“ zu machen. Warum sich da im Gemeinderat noch niemand gewundert hat, ist schon verwunderlich. Vielleicht hat’s auch noch niemand so richtig gemerkt.

Weiterentwicklung der Werkrealschule zur Gemeinschaftsschule (Federseejournal Nr. 3 vom 08.02.12)

Dass dieses Gebiet einen gewissen Tiefgang bei der Betrachtung aufweist ist nachvollziehbar. Bloß was hier im Federseejournal dem Leser zugemutet wird, ist wohl nicht nur dem Stadtstreicher zu „hoch“. Selbst nach wiederholtem Lesen stellen sich mehr Fragen als Antworten. Sicher kann es sein, dass mein Verstand in diesen eisigen Tagen schon etwas eingefroren und träge geworden ist. Aber selbst nach längerem Aufenthalt am glühenden Ofen und einigen Auftauversuchen mit Alkohol haben meine Gehirnströme immer noch nicht richtig funktioniert. Da soll so ein armer Stadtrat völlig nüchtern und jungfräulich noch mitkommen? Zweifel sind hier angebracht.

Ganz schlimm ist die Darstellung um die Situation am Progymnasium für einen nicht studierten Bürger. „Von dem Konzept unberührt bliebe jedoch das Progymnasium“. Soweit klar oder doch nicht? Denn schließlich „ist es empfehlenswert, bereits bei der Bearbeitung des pädagogischen Konzeptes die Interessen des Gymnasiums weitestgehend zu berücksichtigen.“ Am Schluss geht gar nichts mehr ohne das Progymnasium, da „im Konzept einer Gemeinschaftsschule ausdrücklich auch eine gymnasiale Bildung einbezogen werden muss. Ohne? vielleicht ? unbedingt? Narri, Narro.

Ein weiterer Höhepunkt folgt unvermittelt. „In dem zu erarbeitenden pädagogischen Konzept sollte als weiterer Aspekt das Thema Inklusion Berücksichtigung finden.“ Zunächst habe ich Explosion gelesen, weil sich plötzlich meine Hirnströme wieder einschalteten. Nach nochmaliger Wiederholung rieb ich meine Augen, ob eventuell das Sandmännchen mir Glückshormone eingeflößt hätte. Dann kam ich auf den Sprung, dieses Wort könnte von inklusive (einschließlich, einbeziehen) hergeleitet sein. Also auch die Förderschule muss in das pädagogische Konzept einfließen. So ganz war ich dennoch nicht zufrieden. So machte ich mich in das Internet auf. Das empfehle ich jedem Leser ebenfalls:

Inklusion http://eltern.t-online.de/inklusion-gemeinsames-lernern-von-behinderten-und-nichtbehinderten-kindern-als-regel/id_46859962/index

Jetzt können sie ermessen, um was es bei der Inklusion geht. Vielleicht sogar mitreden. Allerdings bei Aufklärung der „gebundenen“ Ganztagesschule bin ich endgültig, trotz Internet gescheitert Es wird wohl heißen, dass es sich bei der zu entwickelnden Ganztagesschule, um eine spezielle Schulform, gebunden an Bad Buchauer Sonderbedürfnisse, handeln dürfte.

An diesem Beispiel sieht man einmal mehr, wie notwendig unser amFedersee.de ist. Es unterrichtet die Bürger nicht nur kurz und bündig sondern gleichzeitig sehr aufklärend.

Auf das pädagogische „Buchauer“ Konzept nach der 5. Jahreszeit dürfen wir wirklich alle gespannt sein. Noch eine glückselige Fasnet, liebe Leser.

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Der Stadtstreicher – Kolumne No. 65

Abgesagter Besuch

Da wurde doch vor einigen Wochen in der SZ groß angekündigt, Ministerpräsident Kretschmann komme nach Bad Buchau. Jetzt landet er in der Provinz in Aßmannshardt und Burgrieden und zeigt uns die kalte Schulter. Dabei wollten doch der Vorsitzende Dr. Karl Sandmaier und unser Bürgermeister Ihm das Federseemuseum und den neuen Steg zeigen. Das Federseemuseum als Schaufenster des Weltkulturerbes braucht nämlich dringend ein neues Dach und eine Neukonzeption der Ausstellung. Auch die Erweiterung des Freigeländes beim Museum um eine Aktionsfläche ist dringend. Außerdem hätte Kretschmann hier seine enge Verbundenheit mit unserem Naturschutzgebiet aufzeigen können. Als Grüner Ministerpräsident eine einmalige Gelegenheit, sich bei uns einzuführen. Aber vielleicht hatte er Angst, er müsste erst die neue Biberburg begutachten oder gar auf dem Federsee beim Schlittschuhlaufen noch eine Pirouette hinlegen. Irgendein Grund für die Absage an Bad Buchau muss doch vorgelegen haben. Waren es schlechte Berater oder der Zeitplan? Die Parkgebühren werden es doch hoffentlich nicht gewesen sein. Da sind wir mit dem BM einer Meinung: „Das ist schon schade.“, dass unsere mit allen Titeln ausgezeichnete europäische Natur- und Kulturoase von den obersten Grünen so stiefmütterlich behandelt wird. Aber vielleicht wird dieses Versäumnis durch einen Sonderzuschuss wieder wett gemacht, auch wenn „Bad Buchau nicht auf Kretschmanns Programm steht“. Sonst wäre es vielleicht doch „ein Beinbruch“ Herr Bürgermeister.

Progymnasium

War da nicht als letztes Konzept für die Aufstufung unseres Progymnasiums ein Fachgymnasium für Gesundheit und Ernährung im Gespräch? Für die Kurstadt mit unseren vielfältigen Praxisbezug durchaus denkbar. Jetzt muss man in der SZ lesen, dass ein solches Gymnasium in Biberach entsteht. Also auch dieser Zug ist abgefahren. Über das Progymnasium hört man vom Rathaus seit längerer Zeit überhaupt nichts mehr. Auch keine Anfragen der Eltern oder Äußerungen der Schule. Auch nicht bei der Einsetzung des neuen Rektors letzten Herbst oder auch jetzt bei der Bürgerversammlung. Dem Gemeinderat hat es auch die Stimme verschlagen. Man könnte glauben alles ist „in Butter“ oder allen ist die Zukunft dieser Einrichtung völlig egal. So lässt man ein heikles Thema bis zum bösen Erwachen doch nicht vor sich hin träumen.

Haushalt 2012

Das Landratsamt Biberach hat die Gesetzmäßigkeit bestätigt. Schwer verständlich, dass die Aufsichtsbehörde um die Schulden von 336.000 Euro (85,–/Einwohner) solche Krokodiltränen weint. Denn unsere Nachforschungen haben ergeben, bereits vor 35 Jahren hatte Bad Buchau das nahezu 10-fache an Schulden und Schuldverpflichtungen. Das musste bei wesentlich schwächerer Einnahmeseite und damals noch höheren Darlehenszinsen auch bewältigt werden. Da stand der Stadt das Wasser natürlich nicht bloß bis zum Hals sondern schon bis zur Mundöffnung. Aber die jetzt geplante Schuldaufnahme ohne Vorbelastung ist nicht der Rede wert. Und Stadtrat Preißing hat recht, wenn er sagt, dass damit schließlich nur Pflichtaufgaben bewältigt werden, die man den Gemeinden laufend von oben auf diktiert, ohne sich um entsprechenden finanziellen Ausgleich zu bemühen. Bad Buchau ist also der falsche Adressat dieser Mängelrüge. Vollends lächerlich wird das Gezerre wegen 2.000 Euro Schuldaufnahme beim Eigenbetrieb Wasserversorgung. Hier sollte sich das Landratsamt wirklich auf grundsätzlichere Ratschläge beschränken, sonst wird die Aufsicht zur Gängelei heruntergestuft. Um solchen Kleinkram kümmert man sich bei Bund und Land ganz sicher nicht.

Oberschwaben – Tourismus GmbH

Die Radwege und der Radfernwegeausbau allgemein über das Netz der Barockstraße und der Schwäbischen Bäderstraße hinaus sind sicher ein wichtiges Ziel, um den Tourismus weiter anzukurbeln. Dass man Oberschwaben noch weiter attraktiv bewerben und damit bekannt machen muss, versucht man schon bald 20 Jahre mit mehr oder weniger Erfolg. Die jetzige Aktion mit dem Radwege-Konzept kann nur ein Etappenziel sein. Weitere Anstrengungen müssen folgen. Als Bad Buchauer freut es einem doch, wenn Jürgen Jankowiak, der Chef der Oberschwaben – Tourismus, sagt: „Die Pfahlbauten am Federsee sind ebenfalls Weltkulturerbe und genauso sehenswert wie die am Bodensee. Zusammen mit Bad Buchau und dem Landratsamt müssen wir dies noch ein bisschen stärker rausarbeiten.“ Über diese löbliche Einsicht hinaus ist das allerdings auch eine Geldfrage und zwar die entscheidende Weichenstellung. Wie bereits oben ausgeführt, am Federseemuseum muss einiges mit Schwerpunkt auf diese Auszeichnung aufpoliert werden, sonst bringt das alles gar nichts und der Weltkulturerbe-Effekt wird hauptsächlich am Bodensee ablaufen. Dann wollen wir die Sache mal gespannt weiter verfolgen. An den Taten werdet ihr sie erkennen.

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Stadtstreicher Nr. 64

Leerstand

Unter dem jüngsten Werbeangebot Ruetz in „amfedersee.de“ vom 11. Januar 2012 ist eine interessante Leserzuschrift: „Dann waren’s nur noch zwei.“ Gemeint sind die noch vorhandenen selbständigen Bäckereien in Bad Buchau. Das hat uns angeregt, einmal ein paar Nachforschungen über den Zerfall der Handwerksbetriebe in Bad Buchau anzustellen.

1831 waren in Buchau und Kappel sage und schreibe 175 Handwerksmeister tätig. Man sprach zu recht von einem besonders regen und lebendigen Zunftwesen. Damals hatten wir eine weit überdurchschnittlich hohe Betriebsdichte beim Handwerk im Vergleich zur Bevölkerung. Das rührt daher, dass Buchau geschichtlich schon immer Versorgungsaufgaben auch für das Federseeumland mit wahrgenommen hat. 1985 wurden noch 52 Handwerksbetriebe gezählt und 1995 noch 48. Wie viele sind es heute? Vielleicht noch 35? Ähnliches Schrumpfen ist auch bei den Geschäften zu beobachten. Nun muss man ehrlicherweise schon konstatieren, dass der moderne Wettbewerb der Märkte die größeren Einheiten begünstigt und dass unter dem Schwund ländliche Bereiche besonders zu leiden haben. Aber Bad Buchau ist damit schon wirklich knallhart konfrontiert.

Was hat die Ladenleerstandsuntersuchung der WGB daran verändert? Gar nichts, oder? Nur bedrucktes Papier. Von der Konsequenz der Untersuchung, nämlich darauf aufbauend ein Ladenleerstandsmanagement (vielleicht zusammen mit der Stadt) zu etablieren, keine Spur. Ob da die allgemein gehaltenen Worthülsen unseres BM Diesch beim jüngsten Interview vom 14.01.12 mit dem Rat an die Geschäfte zur Qualitätsverbesserung und zum offensiven Umgang mit den Problemen wesentlich weiterhelfen? Wird der Rewe-Markt mit seiner Verlagerung wirklich so ein Anziehungsmagnet auch für die bestehenden Betriebe und wird er darüber hinaus gar noch den Leerstand auffüllen? Kaum vorstellbar. Hier könnte wohl der Wunsch, der Vater des Gedankens bleiben. Das heißt aber, dieser wichtige Teil der Infrastruktur in unserer Stadtmitte harrt nach wie vor einer grundlegend angepassten Neuausrichtung. Da reichen Vorschriften über Warensortimente in einem Bebauungsplan so wenig, wie die mehr als bescheidenen Hinweise auf den Wirtschaftsstandort unter „BadBuchau.de“. Wenn wir bloß auf das „Wunder“ Rewe-Markt starren, verlieren wir nur weitere kostbare Reaktionszeit. Zeit, die nicht mehr zurückgeholt werden kann. Dabei wäre es höchste Zeit und eine intensive Anstrengung.

Transparenz

In demselben Interview wird auch die Transparenz der Stadtverwaltung angesprochen. Ein überaus interessanter Abschnitt. Bis vor zwei Jahren war mangelnde Transparenz kein Thema, aber der BM denkt, dass sich einiges verbessert hat. Also liegt hier doch ein Mangel vor? Er vergisst total, dass die Schwäbische Zeitung früher wesentlich mehr und vor allem gründlichere, bis ins Detail gehende, Zeitungsartikel verfasst hat. Früher gab es den Veranstaltungskalender und später „Kur aktuell“. Das heutige Mitteilungsblatt ist so viel mehr auch nicht. Dafür unübersichtlicher aber eben 14-tägig. Heute hätte man mit der EDV noch ganz andere und günstigere Informationsmöglichkeiten, wie andere Gemeinden das vielfältig unter Beweis stellen. Also ein Vergleich der Medienlandschaft mit der Vergangenheit scheitert schon allein aus diesem Grund total. Aber der BM hat recht, wenn er sagt, es hätte sich einiges verbessert. Gerade die offene Diskussion in den letzten Jahren über das Internet mit „amfedersee.de“ hat da „zwangsweise“ Reaktionen hervorgebracht. Ferner wurde das Interesse an öffentlichen Gemeinderatssitzungen durch bekannte Aktionen von Stadtrat Weiss und Fehler der Verwaltung gesteigert. Wenn der BM dieses gewachsene Informationsbedürfnis der Bürger jetzt sehr lobend begrüßt und dem mit weiterer Offenheit/Aufgeschlossenheit entgegenkommen will, freuen wir uns aufrichtig. Wer hätte jemals gedacht, dass der BM dem Stadtstreicher bei der Öffentlichkeitsarbeit Konkurrenz machen will. Seine positiven Erfahrungen mit der jüngsten Bürgerversammlung haben ihn gar so beeindruckt, dass er sich diesem Glücksgefühl öfters aussetzen will. Löblich, löblich. Wie oft haben wir in der Vergangenheit auf die Einhaltung dieser gesetzlich verankerten Vorschrift hingewiesen. Wie viel Freude und erfüllende Resonanz hat da der BM schon verschenkt. Mehr als bedauerlich. Manchmal muss man Menschen eben zum Glück „hinführen“! Nach diesem Interview glaubt selbst der Stadtstreicher schon ganz vorsichtig, „dass wir da auf einen guten Weg sind“, Herr Bürgermeister. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, vielleicht aber Hoffnung darauf?

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Stadtstreicher Nr. 63

Ohnmacht allenthalben?

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel gehören schon wieder der Vergangenheit an. Die meisten Christbäume werden wohl schon entsorgt sein. Die Sternsinger, oder wie man bei uns sagt, die Heiligen Drei Könige brachten frischen Weihrauchduft in unsere Wohnungen. Voll gewappnet stehen wir in der Zukunft des Jahres 2012. Die Tage werden länger und der Winter lässt auf sich warten. Allerdings hat das Jahr ziemlich stürmisch angefangen, vom Wetter her und auch für unseren Bundespräsidenten. Es muss ja nicht so weitergehen. Obwohl, die Bundeskanzlerin hat uns prophezeit, dass das Jahr 2012 schwerer werden wird als 2011. Also aufgepasst und auf der Hut bleiben, nicht ganz entspannen. Allerdings hat Frau Merkel sich schon öfters geirrt oder ihre Meinung schnell über Bord geworfen. Das wäre in diesem Fall sogar tröstlich. Aber komisch, die Beurteilung für 2012 (und sogar für die weitere Zukunft) glaube ich ihr sogar. Zu groß sind die Lastenberge, die wir überall in der Vergangenheit aufgetürmt haben. Die Politik hat vieles längst nicht mehr im Griff und es fehlt auch die Entschlossenheit zum langfristigen Handeln. Das ist nicht nur bei uns so. Das gilt für Europa und darüber hinaus. Ebenfalls eine Erscheinung der Globalisierung. Die Märkte und das Kapital sind nicht nur schneller sondern letztlich auch mächtiger als die Politik. Dieser Ohnmacht müssen wir uns wohl unterwerfen. Ebenso wie dem unabwendbaren Klimawandel. Beschränken wir uns daher auf das kurze, persönliche Glück eines Jahres.

Unter solchen Rahmenbedingungen sind die Ratschläge von Wilhelm Busch

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
doch vor allen Dingen
Das, worum du dich bemühst
möge dir gelingen.

für jeden Einzelnen von uns doch recht gut gemeint. Mehr sollten wir nicht erwarten. Vor allem nicht im Jahr 2012, in dem die Welt untergeht. Für was sollen wir denn Probleme lösen? In diesem Fall lösen diese sich alle von allein. So denkt wohl auch unser Bundespräsident: „In einem Jahr ist alles vergessen.“

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Stadtstreicher Nr. 62

Bilanzen

Am Jahresende werden überall die berühmten Bilanzen zusammengestellt. Meist fallen diese recht erfolgreich aus. Niemand will diese schließlich mit Pannen, Fehlpässen oder dringenden Handlungsbedarf garnieren. Solche Eingeständnisse fallen schwer. Dies nicht nur bei unseren höhergestellten Politikern, sondern auch weiter unten, selbst bis zu den Vereinen. Eine Statistik über die Armutsgrenzen und deren Ursachen gehört da schon zu den Ausnahmen solcher Überblicke.

Dabei ist das Jahr 2011 mehr als bewegend gewesen, einschließlich zahlreicher Horrornachrichten. Im Prinzip ist, ganz nüchtern betrachtet, eigentlich gar nicht so viel Positives zu berichten, wie wir überall lesen können. Mit Ausnahme der guten Konjunkturlage in Deutschland müssen da schon kleinere Einzelheiten herhalten, um das Gesamtbild etwas aufzuheitern. Oder man muss schon tief graben, um einige der wenigen wirklich erfolgreichen politischen Ereignisse ins Scheinwerferlicht zu stellen. Aber es hätte ja noch schlimmer kommen können. Das zumindest ist uns (vorerst) erspart geblieben. Und die große Masse ist damit zufrieden. Ganz wenige sogar sehr zufrieden. Aber mehr zu tun oder gar auf mehr zu verzichten bleibt damit der Zukunft vorbehalten.

Da finde ich einige wenige Milliardäre in den USA, die dem Staat angeboten haben, freiwillig mehr zu geben, als dieser von ihnen verlangt, schon als ein besonderes Hoffnungszeichen. Solche Einsichten mit Anstand brauchen wir. Das tut unser „Geldadel“ höchstens bei glanzvollen Galaabenden und Parteizuwendungen gegen Spendenquittung. Die meisten bringen aber ihr Vermögen gleich irgendwo im Ausland ins Trockene und verzichten dafür auf die Spendenquittung. Solche Sorgen hat der normale, gläserne oder Video überwachte Bürger mit Lohnsteuerkarte natürlich nicht. Der kleine Sparer bekommt auf seine Anlage dafür nicht einmal mehr den Zins, um die Verteuerung ausgleichen zu können. Ein paar Dumme braucht halt unser System. Leider sind das immer dieselben. Kein Wunder, wenn die Leute auf die Straße gehen. Sie haben auch meine Sympathien.

Wie sagte vor kurzem der ehemalige Ministerpräsident unseres Landes, Erwin Teufel, CDU: „ Der Kapitalismus hat versagt. Die reine Willkür und die Geldgier haben sich durchgesetzt.“ Auweh! So eine Ohrfeige. Dieser Mann orientiert sich tatsächlich noch an Werten. Diese und andere vernünftige Einsichten teilen übrigens einige der ehemaligen führenden Politiker. Alle einsame Rufer in der Wüste. Zu sagen haben diese Pensionäre allerdings nichts mehr; sind also im Boden vergrabene Dinosaurier. Mit der Globalisierung hat sich alles verändert. Damit kann man alles glaubwürdig rechtfertigen, was schief läuft. Schön einfach!

Aber verlassen wir die höheren Etagen unseres Frustes und kehren wir in die Federseeniederung zurück. In unserem Naturschutzgebiet ist die Welt noch ein Paradies, zumindest im Vergleich mit der großen Politik. Da nagt der Biber noch nicht an den letzten Reserven unseres Nervenkostüms. Schon eher verdreht der unflätige Stadtstreicher mit seiner spitzen Feder das Geschehen. Entschuldigung, wenn’s manchmal hart war. Aber wehret den Anfängen. Denn auch bei uns neigt man dazu, die Rosen immer wieder ohne Dornen vorzustellen. Oder den komplizierten demokratischen Weg etwas abzukürzen. Oder blauäugig zu wandeln. Oder zu einseitig zu argumentieren. Oder der Bürgermeister oder der Gemeinderat tritt in ein Fettnäpfchen. Bloß sollte so etwas halt nicht an den Gesetzesgrenzen vorbeigehen. Ein wenig breitere oder kritische Information kann da nicht schaden. Wir stellen fest, dass diese Hoffnung durchaus gewisse Früchte tragen kann. So ist z.B. der Jahresrückblick unseres Bürgermeisters im Laufe der Jahre immer informativer ausgefallen. Wenn auch nicht alles angesprochen wird, wie das Problem des Progymnasiums oder das Feuerwehrgerätehaus oder die östliche Umgehung mit Oggelshauser Strasse oder die nachlassende Attraktivität unserer Stadt (Schließungen, Bevölkerungsrückgang). So manches ist auch bei uns ein schleichender Vorgang, kein Paukenschlag des Erfolges oder Misserfolges.

Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen, für 2012 im privaten Bereich die Übersicht zu behalten, damit sie ihren vorgefassten Wunschzettel unter noch zufriedenstellenden Umständen auch wieder einlösen können.

Wir hören wieder voneinander.

P.S. Auch unseren Bundespräsidenten Wulff müssen wir unbedingt bedauern. Man wird da so von Mitleid geschüttelt. Er braucht für sein „Häusle“ Kredite von wahren Freunden oder „netten“ Banken. Vielleicht sollten wir dem verarmten Mitbürger als treu sorgende Untertanen auch noch ein verspätetes Weihnachtsgeschenk zukommen lassen? Dafür eine Spende weniger für die Hungerleidenden, Straßenkinder oder Katastrophenopfer!

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Stadtstreicher Nr. 61

Stadtstreicher Nr. 61

Der Haushalt für 2012 mit einigen Milliönchen Euro ist in kurzer Zeit von knapp eineinhalb Stunden am 13. Dezember verabschiedet worden. Sicher eine einzige Vorberatung hat auch noch stattgefunden. Allerdings von der Öffentlichkeit kaum beachtet. Aber damit ein städtisches Jahresprogramm und einen Investitionsplan bis 2015 gründlich abzustecken, ist schon echt „bürgermeisterlich“. Über rasches, zeitsparendes Arbeiten im Gemeinderat kann man da nicht klagen. Über wirklich erkannte Probleme oder gar Sorgen wohl auch nicht. Kein Wunder, wenn dann Sätze fallen, wie: „das erfordert einen finanziellen Kraftakt, wie wir ihn in den vergangenen Jahren nicht gedacht hätten“. Aha! Deshalb ist der SZ Bericht schon etwas überraschend, vielleicht auch nur eine unnötige Sturmwarnung?

„Bad Buchau muss sich in Verzicht üben“ heißt es in der SZ am 16.12.2011. In Verzicht üben tut sich das Buchauer Rathaus schon seit Jahrhunderten. Die Stadt war noch nie mit irdischen Gütern oder Erträgen besonders gesegnet. Eine kurze Entspannung in diesen Verzichtsübungen ist nur in den vergangenen 10 Jahren aufgetreten. Da konnte man fast immer aus dem Vollen schöpfen. Eine überschaubare finanzielle Erholungsphase in unserer langen Reichstagsgeschichte geht wieder zu Ende. Die Realität und damit der normale Buchauer Alltag kehren in den nächsten Jahren langsam zurück. Für Bürgermeister Diesch wohl eine noch unerprobte Zukunft. Dafür für seinen langjährigen Kämmerer umso bekannter. Deshalb „flötet“ Menz weihnachtlich aber mit deutlicher Engelszunge bereits jetzt seinem Chef und dem Gemeinderat die Melodie von kargeren Zeiten. Dieser rechtzeige Warngesang ist angebracht. Wurde er auch vernommen? Es sind nicht die teuren Investitionen des Kindergartens allein, sondern vor allem die Folgekosten auf diesem Gebiet, welche die jährliche Verfügungsmasse des Haushalts empfindlich schrumpfen lassen. Aber der Kindergarten muss sein, ebenso wie die nahezu abgeschlossene Sanierung der Federseeschule. Ob allerdings Bürgermeisterwünsche, wie die einer neuen Festhalle (Bürgermeisterwahl) in den kommenden Jahren verwirklicht werden können, ist mehr als fraglich. Dieses Vorhaben wird in der Traumtänzerzeit wohl sachte entschlafen. Aber das ist ja noch kein Verzicht. Da werden noch andere Dinge folgen.

Jetzt packen wir erst einmal das Weihnachtsgeschenk der nächsten zwei Jahre aus, den Kindergarten und vielleicht…. auch noch das Federseemuseum? Das ist doch was. Oder? Und dann kommen demnächst noch die versprochenen Privatinvestitionen im Götzburga Areal. Also gesegnete Weihnachtszeit 2011. Erleben und genießen sie nochmals Bad Buchau ohne Finanzsorgen, so wie unsere Volksvertreter auch.

Frohe Weihnachten allen Bürgerinnen und Bürgern.

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