Der Stadtstreicher:

Die Kolumne aus und über Bad Buchau.

Der Stradtstreicher von Bad Buchau

Gestatten, ich bin der Stadtstreicher, und schreibe hier sporadisch was mich bewegt, beeindruckt und fasziniert, gerade so wie ich eben Lust darauf habe. Als solcher habe ich Zeit zu beobachten, mir ein Bild zu machen von dem, was vorgeht in unserem Buchau, darüber nachzudenken oder auch zu sinnieren und um es in dieser neuen Internetkolumne den Buchauern zum Lesen und Schmunzeln zu präsentieren. Der Stadtstreicher hat nichts zu tun, er hat keine Interessen, schon gar keine geschäftlichen. Er und seine Gedanken sind frei, er darf sich vor allem fragen: was soll dies, was bedeutet jenes, warum so und nicht anders. Alles Fragen, die sich auch mancher Bürger immer wieder stellen mag. Fragen, gestellt mit einem humorvollen Augenzwinkern, gerne auch mal scharfsinnig, aber nie verletzend, denn der Stadtstreicher hat dem Ärger dieser Welt den Rücken gekehrt. Bis bald euer unbekannter stadtstreicher.

Stadtstreicher Nr.96

Unsere Stadtmitte im Angebot

Langsam wird sichtbar, welch eine bauliche Wunde mit dem Abbruch des Götzburg-Areals in die Stadtmitte gerissen wird. Zur Zeit sieht es wie nach einem größeren Bombenabwurf aus. Allerdings, am Bauzaun ist die neue städtebauliche Situation schön farbig aufgemalt. Alles ist wunderbar, zumindest auf dem Papier. Aber Prospekte sind, wie man weiß, recht geduldig. Man kann nur hoffen, dass wenigstens diese angedachten Pläne auch wirklich umgesetzt werden. Sind sie da sicher? Nun, man kann da immer noch seine Zweifel haben. In den letzten Tagen ist in allen Zeitungen die Verkaufswerbung für die Wohnungen angelaufen. Neben den vielen Neugierigen wird sich bald herausstellen, welche Anziehung Bad Buchau auf auswärtige Kaufinteressenten ausüben wird. Da spielt die vorhandene Infrastruktur unserer Stadt eine entscheidende Rolle.

Der Stadtstreicher wundert sich, dass diese Verkaufswerbung nicht schon vor Beginn der Abbrucharbeiten durchgeführt wurde. An und für sich ist es üblich den Markt schon vor der Planung, spätestens nach dem Baugesuch abzuklopfen. Auf jeden Fall vor Beginn des Vorhabens. Oder hat man absichtlich so lange gewartet? Warum? Nun der städtische Bebauungsplan lässt schließlich eine ziemlich große Bandbreite an Änderungen bei der Bauausführung offen. Wenn die Wohnungen über dem lukrativen Großmarkt nicht verkauft werden können, lässt man sie eben wegfallen. Baurechtlich nach dem rechtskräftigen Bebauungsplan wäre dies jederzeit möglich. Dann steht eben der Großmarkt ohne Wohnungen da. Natürlich hofft auch der Stadtstreicher, dass dies nicht geschieht, denn es wäre städtebaulich eine ernüchternde Abwertung. Bei entsprechenden Beschlüssen des Gemeinderats hätte man das schon verhindern können. Aber wäre der Investor dann überhaupt in das Vorhaben eingestiegen? Nun, liebe Bürger, lasst Euch diese Chance nicht entgehen, kauft Eigentumswohnungen in bester Lage. Bei den Banken gibt es sowieso kaum mehr eine Verzinsung des angesparten Kapitals. Näher an einen Großmarkt kommt man sicher in keiner Stadt mehr hin. Wahrscheinlich kann hier direkt an die Wohnungstür geliefert werden. Da kann man im Alter auf Nachbarschaftshilfe verzichten. Warten wir einmal ab, wie das Experiment gelingt.

Wenn man den Abbruch des jüngsten Fabrikteils in Betonbauweise verfolgt und die Nachrichten der letzten Wochen hört, kommen einem verschiedene Gedanken. Wie froh wären die über tausend Toten in Bangladesch gewesen, wenn diese in so einem Gebäude ihrer Arbeit hätten nachgehen können. Bei uns steht so etwas am falschen Platz, dort fehlt es. So ist das mit den Gütern dieser Welt. Bloß in manchen Erdteilen, sind die Menschen schon fürchterlich beschießen dran. Diese müssen mit wirklich nichts auch noch zufrieden sein. Jetzt, im Nachhinein, werden unsere Weltmarktfirmen plötzlich wach und verwundern sich. Ja, sie unterzeichnen Verträge, wie es künftig viel besser werden kann, weil sie ein paar Cent mehr für die Herstellung zu zahlen bereit sind. Und schon sind wieder alle beruhigt und haben ein reines Gewissen. Die Toten gehören in die Vergangenheit. Vielleicht bricht es in diesem Fall sogar die Spitze des Eisberges aber ein besseres Leben für diese Menschen bleibt in weiter Ferne. Entschuldigung, aber diese Betrachtung drängte sich auf.

Insofern haben wir mit der Umgestaltung unseres Götzburg-Areals wirklich keine Sorgen, egal was am Schluss dabei herauskommt. Auf den Standpunkt und auf den Ausblick kommt es im Leben an.

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Stadtstreicher Nr. 95 zur Sperrstunde Bad Buchau

Nachbetrachtung zur Sperrstunde

Nun die Sperrstundendebatte hat die Buchauer sehr stark mitgenommen. Gut ein halbes Jahr wurde den armen (Jungen? und Älteren?) der Schlaf geraubt. Hinzu kommen noch einige direkt Betroffene vom Marktplatz. Tatsächlich haben sich über dieses Thema in „amfedersee.de“ so viele gemeldet, wie zu anderen Themen zusammengenommen das ganze Jahr über nicht. So hat man gemerkt, dass in Bad Buchau tatsächlich noch etwas unterschwelliges Leben haucht. Einige haben sich gar ereifert und mit Depp und Volldepp und anderen Ausdrücken um sich geworfen. Manche scheinen wohl ihre ganze Fortbildung nur über Stammtische zu beziehen. Denen sei verziehen. Also hochgeistige Nahrung war die Debatte gewiss nicht, von einigen Ansätzen nach Sachlichkeit und Ausgewogenheit abgesehen. Aber immerhin ist aus diesem stumpfen Eintopf doch noch etwas herausgekommen. Die Freien Wähler haben sich der durstigen Kehlen erbarmt und tatsächlich noch ein paar Lockerungen in die Sperrzeitregelung eingebaut. Bescheiden aber immerhin konzessionsbereit. Wieder einmal ein berichtigter Gemeinderatsbeschluss nach reiflicher Überlegung und umsichtiger Betrachtung. Natürlich fragt man sich, warum immer erst in mehreren Anläufen im Bad Buchauer Gemeinderat etwas Haltbares beschlossen werden kann? Aber darüber ist beim Stadtstreicher schon oft und viel nachgedacht worden. Ändern tut sich gar nichts. Immerhin hat „amfedersee.de“ doch wieder einmal gewisse öffentlichkeitswirksame Impulse ausgesendet und den Rat zum Nachdenken „gezwungen“.

Zum gründlicheren Nachdenken regt die Angelegenheit darüber hinaus noch an. Die Sperrzeitenregelung ist zwar für die Betroffenen wichtig, aber ganz sicher nicht für die Existenz der Stadt von Bedeutung. Viele andere und wichtigere Themen ziehen an den Bürgern ohne nennenswerte Überlegung, ja überhaupt ohne Beachtung und Kommentar, vorbei. Das Erwachen über Versäumtes wird schleichend kommen, dann aber zu spät. Nach dem Spruch: „Wer zu spät kommt, bestraft das Leben“. Bei Fortschritten braucht es halt etwas mehr als nur das erzwungen notwendige Alltags-Verwaltungshandeln der Verantwortlichen oder indifferente Mittelmäßigkeit. Zukunft vordenken, Visionen aufzeigen, Leidenschaft entwickeln, Innovationskraft und Engagement: Fehlanzeige. Ein Sonder-Patentamt für Buchauer Änderungs- oder Verbesserungsvorschläge braucht sicher nicht eingerichtet zu werden.

Der Stadtstreicher wünscht allen schöne, schattige und erholsame Biergartenstunden in der kommenden Sommerzeit. Schließlich hat man sich das verdient.

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Der neue aktuelle Stadtstreicher Nr. 94

Bad Buchau im Jubiläumsjahr, schlecht für. . . eine fragwürdige Politik. . .

SZ Riedlingen vom 13. April 2013 „Schlecht für den Selbstwert, gut für den Stadtsäckel – Bad Buchau leidet unter sinkenden Einwohnerzahlen-spart sich dafür aber auch Kosten bei der Rechnungsprüfung.“ Um mit solchen Aussagen klar zu kommen, muss man erfahrene Fachleute suchen und sich mit diesen in das Gesamtthema einarbeiten. Der Stadtstreicher hat diese Möglichkeiten. Was der Buchauer Kämmerer Franz-Xaver Menz hier gegenüber der Zeitung aussagt ist alles richtig, nur viel zu einseitig dargestellt. Er hat also nicht gelogen, nur nicht die ganze Wahrheit preisgegeben.

Und diese sieht nach verschiedenen Recherchen so aus:

Mit den mehreren hundert Einwohnern, die Bad Buchau in den letzten etwa 15 Jahren verloren hat, hat man schon mehrere Hundertausende von Euros eingebüßt. Das, durch weniger Einkommensteuerbeteiligung und weniger Schlüsselzuweisungen des Landes. Beide Einnahmequellen hängen nämlich über komplizierte Berechnungen nicht unwesentlich von der Einwohnerzahl ab. Es sind jedenfalls jährlich wesentlich höhere Verluste als die 25.000 Euro, die man nunmehr bei der Rechnungsprüfung einspart. Hier wird ein Musterbeispiel präsentiert, wie man aus einem gravierenden Nachteil auch noch einen Vorteil erblicken kann. Eine fragwürdige Politik, die für das Buchauer Rathaus symptomatisch geworden ist. Die Bürger erhalten in Bad Buchau öfters nur Teile von Wahrheiten aufgetischt und zwar nur die, die man vom Rathaus gut verkaufen kann. Oder bloß solche Wahrheiten , die den Bürgern einen sanften Trost vorgaukeln. Denn es sind ja nicht nur diese finanziellen Wunden, die die geschwundene Einwohnerzahl aufreißt. Auch sind es meist Familien der mittleren Generation, die unsere Stadt verlassen. Die ganze Infrastruktur der Stadt mit zig Nachteilen wird damit schließlich wesentlich geschwächt. Das lässt sich kaum mit Zahlen belegen. Aber jeder der das Geschehen aufmerksam und kritisch verfolgt, beschleicht hier ein nachdenkliches Gefühl. Nicht nur am Ladenleerstand und den (überdurchschnittlich) sinkenden Geburtenzahlen. Es ist kein Trost zu erfahren, dass 1939, 1961 und 1970 die Bevölkerung noch niedriger war. Der Vergleich in einem solchen Zusammenhang ist sarkastisch. Wer wünscht sich schon auf diesem Zeitniveau wieder anzukommen? Die Älteren bekommen da eine Gänsehaut über den ganzen Körper.

So betrachtet büßt die Feststimmung des Jubiläumsjahres 2013 an Glanz ein. Mit den verschiedenen (auch ehrenamtlichen) Bürgerverdiensten der Vergangenheit die Gegenwart aufzupolieren, ist nicht neu, vor allem dann, wenn die kommunalpolitischen Erfolge im Rathaus nicht zu üppig ausfallen. Hier an grundlegenden und durchgängigen Verbesserungen zu arbeiten, sollte gerade über die Festtage besonders nachgedacht werden. Schließlich verpflichten diese Festtage zum Ansporn und nicht zum Ausruhen.

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Stadtstreicher Bad Buchau – Kolumne Nr. 93

Österliche Gedanken beim Eier Kochen

Der lange Winter verdirbt einem wirklich jede Laune zum Schreiben. Aber zu den Osterfeiertagen muss der Stadtstreicher doch auch noch seine Eier färben. Wenigstens ein kleines Osternest seinen Lesern bieten. Aber das gegenwärtige Wetter zeigt einmal mehr auf, wie wichtig der Golfstrom für uns ist. Ohne Ihn wären wir noch immer in der Eiszeit, ohne Federsee und Naturschutzgebiet.

Manche glauben vielleicht, jetzt hat es dem die Sprache verschlagen, nachdem der Abbruch der Götze tatsächlich begonnen wurde. Nun, der größte bauliche Eingriff in die städtische Bausubstanz seit dem letzten Stadtbrand, ist wahrlich ein Ereignis besonderer Art. Auf dem Marktplatz sind alle Ruhebänke leer, weil die gelangweilten Rentner jetzt alle am Bauzaun hängen und mit Rat und Sprüchen nicht sparen. Der Bürgermeister will sogar Eintritt für dieses Schauspiel verlangen. Aber ich glaube kaum, dass er das Geld, das die Stadt hier investiert (großes Stillschweigen!!), auf diese Weise zurück bekommt. So mancher Götze-Näherin wird wohl das Herz bluten beim Anblick ihrer ehemaligen Arbeitsstelle. Aber Sie wird später beim Kaufrausch im Großmarkt wohl kaum mehr daran denken. Alle werden glücklich sein, dass hier so etwas einmalig Schönes und Erfolgreiches entstanden ist. Manche tun dies bereits im Voraus. Bad Buchau im Traumzustand. Aber so neu ist das doch gar nicht.

Der Sportverein träumt zum Beispiel schon von der Sanierung des Federseestadions. Natürlich ist die Anmahnung an die Stadt bei der Neuanlegung der großzügigen Spielflächen, Parkplätze und Grünanlagen am neuen Kinderhaus schon zu verstehen. Da wird alles im höchsten Glanz erstehen und daneben ist der verlotterte Sportplatz. Wem sollen da nicht die Haare zu Berge stehen, oder Gelüste erwachen? Nun, ganz neutral betrachtet, fragt man sich schon, warum die Sanierung des Sportgeländes mit dem neuen Kindergarten zusammen kostengünstiger sein soll? Vielleicht kann man einige Gewerke zusammen ausschreiben? Der Kindergarten wird dann eben etwas teurer (wahrscheinlich sowieso!!). Bei über 3 Millionen Baukosten kommt es auch auf die 4. Million nicht mehr an? Ein wirklich netter und sehr schlauer Impuls des Sportvereins. Und der Gemeinderat ist dem gar nicht so abgeneigt: „Sehr lobenswert“ lt. SZ vom 07.03. 13, lautet der Kommentar. „Ein solches Gesamtkonzept müsse – darüber herrschte Einigkeit- auf jeden Fall in Betracht gezogen werden …..“ Na also, was will man mehr. So hat auch der Sportverein jetzt seinen Traum und ich habe gehört angeblich auch die Feuerwehr mit einem Anbau an das Gerätehaus, der Altertumsverein beim Federseemuseum und vielleicht noch eine Festhalle oder eine Landesgartenschau für den Bürgermeister? Also doch Bad Buchau im Traumzustand? Dabei werden die Ortsstraßen immer schlechter, weil man über ein Jahrzehnt überhaupt nichts mehr daran gemacht hat und demnächst vielleicht nicht nur aus den Kandeln sondern auch noch aus den Schlaglöchern Blumen sprießen. Nur ein ganz kleines Beispiel, um die Träume nicht in den Himmel wachsen zu lassen!!

Über das Federseejournal zu schreiben lohnt sich kaum. Da liest man in der Zeitung, dass sich eine Projektgruppe unter Führung von Stadtrat Hirschle schon lange Zeit bemüht, dieses Amtsblatt für Klobesuche zu reformieren. Ganz bescheiden wird angemerkt, dass in diesem Gremium noch BM Diesch dabei ist. Aber dadurch wird es auch nicht besser. Wie nicht anders zu erwarten, ist die jüngste Ausschreibung dieses Blattes genauso in die „Hose“ gegangen. Da nutzen weder Runde noch eckige Tische, es kommt immer darauf an, wer an diesen Platz nimmt. Und das Rathaus hat seine rechtlichen Fachberater mit hohen Unkosten bald das ganze Jahr über im Einsatz. Wenn man schon so viel Geld ausgibt, wäre es vielleicht angebracht, diese Rechtsanwälte einmal einzusetzen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dann könnte man sich solche Blamagen wenigsten noch ersparen. Übrigens auf den bürgerfreundlichen Service des Rathauses mit Umgestaltung des Foyers warten wir schon das dritte Jahr. Natürlich ohne Ergebnis. Die Freundlichkeit der Damen im Einwohnermeldeamt, die kaum ein „Grüß Gott“ über die Lippen bringen, dürfte mit dieser Maßnahme kaum besser werden.

Jetzt ist doch noch ein buntes Osternest des Stadtstreichers entstanden. Vorsicht beim Aufschlagen der Eier, manche sind vom Rathaus noch nicht hart genug gekocht worden.

Trotzdem allen Lesern ein weis(s)es, erholsames Osterfest.

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der neue Stadtstreicher Kolumne Nr. 92

Stadtstreicher Nr. 92

Kappel droht Ungemach. Nach Fertigstellung des neuen Kinderhauses will man angeblich das prächtige (denkmalgeschützte?) ehemalige Rathaus verkaufen und damit die Identität der Kappler vollends verhökern. Dabei wäre das doch auch für die Moorochsen eine schöne Unterkunft geworden, wenn, ja wenn man längerfristig planen würde. Vielleicht würde auch Frau Mayenberger mit dem Jüdischen Museum darin noch einmal einziehen wollen. Vor 30 Jahren gab es fast einen kleinen Aufstand in Kappel, als man die Molke abbrechen wollte. Aber die alten Krieger von damals sind nicht mehr aktionsfähig. Soweit sie gestorben sind, drehen die sich noch im Grab um. Die letzte Erinnerung an die selbständige Gemeinde und das stolze Dorf des Damenstiftes wäre damit einer ungewissen Zukunft ausgeliefert.

Und wenn wir schon bei den Moorochsen sind, dann sei zum Jubiläum herzlich gratuliert. Es ist eine Vereins-Erfolgsgeschichte der hiesigen Narren. Nicht nur der historisch begründete Aufbau des Vereins ist herauszustellen, sondern auch das soziale Engagement über die Fasnet hinaus, gilt es zu würdigen. Auch der Stadtstreicher wünscht solchen Wirken, weiterhin viel Erfolg. Die Moorochsen dürfen über den Ablauf der Jubiläumsfasnet recht zufrieden sein. Die öffentliche Berichterstattung jedenfalls war besser, als sonst über das ganze Jahr hindurch. Der Elferrat mit seinem Programm scheint für die Schwäbische Zeitung wesentlich interessanter zu sein als das unrühmliche Geschehen auf dem Rathaus. Wen wundert das? Die Narren versuchen wenigstens das Volk mitzunehmen und freuen sich über die Beteiligung der Bürger bei den Auftritten. In diesen wenigen Tagen funktioniert die Glückseligkeit sogar in Bad Buchau und man kann wieder herzlich lachen.

Die Riedlinger Narrenzunft hat einen gewaltigen Fürsprecher in ihren Reihen. Nicht weniger als der Landesvater Kretschmann selbst ist doch jedes Jahr ein respektables Aushängeschild. Da kommt der Moorochs gegen den Gole nicht an. Auch wenn wir etwas abschätzend auf die Riedlinger Verhältnisse blicken, hier haben sie einen riesigen Vorteil auf ihrer Seite. Aber nur nicht neidisch werden.

Bad Buchaus grüne Lunge, das Naturschutzgebiet, bekommt Konkurrenz durch das neue Kinderhaus am Bahndamm. Dieses Gebäude wird nicht nur weitgehend mit Holz verkleidet, sondern erhält auch einen grünen Anstrich. Jetzt hat der Gemeinderat noch beschlossen, den Boden mit grünem Linoleum auszustatten. Die Kindergärtnerinnen träumen von der grünen Wiese im Kindergarten und die Kinder sind dann die bunten Blümchen auf dieser Wiese, wird argumentiert. Es grünt so grün in Bad Buchau. Na ja, irgendwo muss doch die Hoffnung oder wenigstens die Farbe der Hoffnung bei uns eine Heimat finden. Da ist sie bei den Kleinsten, den Unschuldigen, noch am besten aufgehoben. Die Älteren lassen sich da nicht mehr blenden, die Meisten wenigstens.

Noch ein nachträglicher Fasnetsscherz. Der Bürgermeister versprach auf Ende Januar den Abbruchbeginn des Götzburgareals. Wohl unterrichte Kreise wollen jedoch von einer kleinen Verzögerung bis der Winter vorbei ist, gehört haben. Die Abbruchfirma hofft nämlich, dass Väterchen Frost noch einige Vorarbeiten billig erledigt. Ob da allerdings dieser Winter allein ausreicht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Schau’n wir mal. Bei den zahlreichen Jubiläumsfesten, die dieses Jahr vom Rathaus proklamiert wurden, vergisst man vielleicht den Abbruch ganz.

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Stadtstreicher Nr. 91 zum Sperrzeitentheater in Bad Buchau

Stadtstreicher Nr. 91

Die Gedanken sind frei….

Aber was hat sich denn da in den letzten Wochen in Bad Buchau verändert? Unsere Jugend ist aus dem Schatten ihres Daseins herausgetreten und artikuliert ihre Interessen. Nun kann man sich natürlich fragen, ist die Sperrstunde der richtige Anlass hierfür? Wären da nicht andere, wichtigere Themen auch noch da? Andererseits muss man irgendwann anfangen, wenn das Fass überläuft. Und die Freizeitgestaltung endet eben nicht mit den Trainingsstunden und den Proben der vielfältigen Vereinsangebote. Man hat auch sonst noch Interessen und will unbeschwertes Zusammensitzen untereinander. Verständlich. Dass dies heutzutage erst nach 12 Uhr Mitternachts stattfindet, ist für Ältere zwar ungewöhnlich, aber hat sich eben eingebürgert, wie viele andere (Un)Sitten auch. Übrigens gilt das nicht nur für die Jugend sondern für die ganze Gesellschaft. Darauf einzugehen, würde zu weit führen.

Nun die Jugend Bad Buchaus wehrt sich gegen die Beschneidung Ihrer Entfaltungsmöglichkeiten in der Stadt. Gleichzeitig wehrt sie sich aber auch dagegen, dass man recht herrschaftlich ihre Interessen unterbuttert oder nicht ernst nimmt. Sie hat es satt, wenn immer nur der Finger erhoben wird und sie das Opfer einer (teils recht eigensinnigen) Interessengesellschaft werden. Es liegt also an der Würde und Achtung im gegenseitigen Umgang. Dieses Gespür scheint im Buchauer Rathaus nicht besonders ausgeprägt zu sein. Aber nicht nur bei der Jugend, sondern in anderen Fällen ebenso. Notfalls verschanzt man sich hinter einseitig ausgelegten Gesetzesbestimmungen. Es stimmt eben nicht, dass der Bürgermeister 6 Monate warten muss, um einen Gemeinderatsbeschluss erneut zu verhandeln. Diese Bestimmung gilt nur, wenn Teile des Gemeinderats von sich aus aktiv tätig werden wollen. Der Bürgermeister ist der Herr der Tagesordnung ohne diesbezügliche Beschränkungen. Er hätte neben der Fragestunde auch einen gesonderten Tagesordnungspunkt aus dieser Angelegenheit machen können. (Auskunft des Landratsamtes).

Natürlich kann man der Jugend bzw. den jungen Einwohnern vorwerfen, sie hätten sich bereits im Oktober besser rühren sollen. Man müsse sich eben um Gemeindeangelegenheiten auch etwas kümmern. An dieser Stelle ist aber auch schon wiederholt angemahnt worden, dass die Informationspflicht des Rathauses nicht gerade mustergültig ist, um wesentliche Aspekte einer Gemeinderatssitzung voll erfassen zu können. Ob eine kurzfristige, dürre Information mit den knappen Worten einer Tagesordnung ausreichen, ist demnach genau so kritisch zu hinterfragen.

Das Aufbegehren der Jugend wirft über diesen speziellen Fall hinaus durchaus Fragen nach einem generellen, verständnisvollen Verhalten zwischen Rathaus und Bürgern auf.

Daraus zu lernen, fällt den Verantwortlichen nicht leicht, wie die Vergangenheit immer wieder zeigt. Nach wie vor ist eine gewisse Art der Geheimdiplomatie und der Ausreden angesagt.

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Stadtstreicher Kolumne No. 90 ist da

Stadtstreicher Nr. 90

Gedanken zum Jahreswechsel

Hoffentlich hatten die Bürger Buchaus nach dem unruhigen Heiligen Abend einen friedlichen und überaus zufriedenen Jahreswechsel. Natürlich mögen alle ihre persönlichen Wünsche an das Neue Jahr in Erfüllung gehen. Neben den Wünschen stehen aber auch Vorsätze an die kommenden Monate. Mit diesen Vorsätzen sollte man etwas vorsichtiger sein. Vor allem sollten es nicht zu viele und zu hohe sein, sonst werden die Hürden zu eng und man stolpert zu oft. Das ist dann recht peinlich und man verflucht die alten Gewohnheiten, denen man früher oder später doch wieder unterliegt. Weniger kann hier mehr sein, wenn man den Mut hat, durchzuhalten.

Unsere Bundeskanzlerin Merkel hat sich zur Neujahrsansprache wirklich sauber herausgeputzt, festlich ja fast glamourös und überaus sympathisch präsentiert Sie sich. Für das was Sie inhaltlich zu sagen hat, an und für sich viel zu aufwendig gestylt. Aber schließlich will Sie uns nicht mutlos machen sondern anspornen und dazu gehört auch das äußere Erscheinungsbild unserer Weltdame. Das macht Sie wirklich gut und überzeugend. In einem Punkt sind wir uns wohl alle einig: „Die Krise ist noch längst nicht überwunden“. Der jüngste Weltuntergang schon. Das war auch wesentlich einfacher, nur ein paar Sekunden und alles war vorbei, und alles genauso wie vorher auch. Aber so eine Krise ist fast immer gegenwärtig, sie verschiebt sich manchmal von einem Schwerpunkt zu einem anderen oder ballt sich gar zu einer Dauerweltkrise zusammen. Ob unsere Kanzlerin hier eine Wende hinbekommt? Oder ob wir Deutsche nicht doch überfordert werden? Es bleibt jedenfalls spannend, auch darüber sind wir uns wohl einig. Alles andere wird sich geben, dank unserer Tugenden.

Wie es sich für echte Oberschwaben gehört, spricht unser Bürgermeister Peter Diesch schon seit Jahren die Neujahrsbotschaft an seine Bürger in der Stiftskirche zu Bad Buchau, quasi als Nachfolger der Fürstäbtissin. Persönlich nicht so aufgeputzt wie unsere Kanzlerin dafür aber mit mehr Heiligenschein versehen. Das gibt natürlich einen ganz anderen glaubwürdigen Rückhalt, der durch den künstlerischen Hochglanz im Hintergrund der Kirche noch verstärkt wird. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob der BM sich in die Rolle eines Bettelpredigers oder Bußpredigers begibt. Schlussendlich ist dies sowieso egal, denn es wird immer eine Heilsbotschaft seines Wirkens sein, ähnlich den Posaunen und Trompeten aus Jericho. Jedenfalls ist seine Verkündigung immer gewaltiger als wir diese in der Realität unserer Stadtentwicklung wahrnehmen. Schon in Rom waren solche glanzvollen Spiele ganz wichtig und die Massen waren begeistert. Eine solche Variante einer Neujahrsbotschaft ist selbst in Oberschwaben einmalig, passt aber gut in unser Naturschutzgebiet. Denn in der Kirche herrscht die gleiche Stille, niemand diskutiert, alle hören andächtig zu und gehen geläutert nach Hause. Wer es schlichter haben will und nicht auf all die Heiligen im Umfeld angewiesen ist, liest das Federseejournal und macht sich seine Gedanken zu Hause. Aber vielleicht könnten die Gemeinderäte in Zukunft als Ministranten mit etwas Weihrauchduft auftreten? Denn selten ist etwas so gut, als dass es nicht verbessert werden könnte.

So stehen wir also im Jahr 2013. Das Stadtbild wird sich endlich tatsächlich verändern, anstatt der „Götze“ wird ein attraktiver Lebensmittelmarkt diesen Kernbereich prägend aufwerten, anstatt dem „Stocker-Eck“ ein Verkehrskreisel den Verkehr lenken. Das alles zu einem ziemlich hohen sechs-stelligen Euro Betrag aus der Stadtkasse. Der Stadt gehört außer der Straßenfläche aber nichts. Das Kinderhaus wird mit einem achtbaren sieben-stelligen Euro Betrag eröffnet werden. Das gehört der Stadt, weil damit nichts zu verdienen ist. Am Federseemuseum könnte auch noch etwas geschehen. Die Einwohnerzahl wird weiter sinken, auch wenn in Zukunft das Federseestandesamt hier anzutreffen ist. Und die Gemeinschaftsschule kommt wohl auch noch. Mit Sicherheit auch noch das eine oder andere Unerwartete.

Auf all diesen Stationen wird der Stadtstreicher die Bürger weiter begleiten. Also Arbeit in Hülle und Fülle.

Ihr Stadtstreicher

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