Von Annette Grüninger
Bad Buchau Die Vorbehalte gegenüber dem Modell Gemeinschaftsschule sind groß im Bad Buchauer Gemeinderat. Und dennoch hat sich das Gremium am Dienstagabend dazu entschlossen, diesen Weg zu gehen. Die Federseeschule soll Gemeinschaftsschule werden – um den Schulstandort Bad Buchau zu sichern.
Eigentlich steht die Federseeschule ausgezeichnet da. In den vergangenen Jahren hat der Gemeinderat kräftig in die Schule investiert und auch für ihre inhaltliche Arbeit ist die Federseeschule mehrfach, etwa mit dem Berufswahlsiegel „Boris“, ausgezeichnet worden.
Doch die Zukunftsaussichten sind düster, blickte Schulleiter Siegfried Blatter in der jüngsten Gemeinderatssitzung voraus. Zwar besuchen derzeit insgesamt 40 Schüler die beiden neunten Klassen, die Klassenstufe fünf dagegen kommt lediglich auf 23 Schüler. Tendenz sinkend – denn neben den ohnehin rückläufigen Kinderzahlen fällt nun auch noch die verbindliche Grundschulempfehlung weg. „Und die Eltern werden die Hauptschule meiden, das ist keine beliebte Schulart“, ist sich Blatter bewusst. Vieles deute auf einen Schülerrückgang von bis zu 20 Prozent hin. Künftig, befürchtet der Rektor, werden wohl weniger als zehn Grundschüler auf die Federseeschule wechseln: „Der Einbruch wird kommen, das ist Fakt.“
Beim Kampf um den Erhalt des Schulstandorts sehen Schulleitung und Verwaltung nur einen Weg: die Umwandlung der Federseeschule zur Gemeinschaftsschule. „Wenn wir nichts tun, sind wir weg“, betont Blatter den Ernst der Lage: „Wirmüssen etwas tun und im Moment bleibt uns nichts anderes übrig, als auf den Zug Gemeinschaftsschule zu springen.“
Die ersten, tastenden Schritte in diese Richtung hat die Stadtverwaltung bereits unternommen. Nach Absprache mit Schule und Gemeinderat habe man bereits mit Kultusministerium und Staatlichem Schulamt Biberach erste Gespräche geführt, berichtete Bürgermeister Peter Diesch. Das Ergebnis: Grundsätzlich würde sich Bad Buchau als Standort einer Gemeinschaftsschule anbieten, die frühestens zum Schuljahr 2013/2014 ihren Betrieb aufnehmen könnte. Voraussetzung für einen Antrag beim Ministerium sei aber ein pädagogisches Konzept, bevor notwendige bauliche Schritte folgten: Denn die Gemeinschaftsschule sei zwingend als Ganztagesbetrieb mit Schulmensa und entsprechender räumlicher Ausstattung zu führen.
Franz Hirschle (Freie Wähler) betrachtete es denn auch als „Ironie des Schicksals“ gerade zu dem Zeitpunkt mit einer Neuausrichtung der Schule konfrontiert zu werden, an dem der letzte Bauabschnitt vor dem Abschluss stehe. Eine Alternative sah aber auch der Stadtrat nicht: „Wir müssen nochmal Geld in die Hand nehmen, nochmal investieren.“
Sandmaier: „Ein Verbrechen“
Dr. Karl Sandmaier betrachtet die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems schlichtweg als „ein Verbrechen“. Überhaupt sei die ganze Diskussion „völlig ideologiebefrachtet“, wetterte der CDU-Stadtrat: „Jetzt sind wir gezwungen, etwas zu tun, was wir nicht wollen.“ Mehr Pragmatismus mahnte dagegen Stefan Konrad an: „Wir werden die Regierung nicht ändern – für uns in Buchau ist es wichtig, dass es weiter geht.“ Ähnlich sahen das auch Markus Fechter (CDU) und Jost Einstein (FWV), die sich dafür aussprachen, bei den Überlegungen das Progymnasium mit einzubeziehen, das von der Schulreform nicht unmittelbar betroffen sei. Für Rolf Preißing (FWV) ist die „Abwahl einer Schulart“, der Hauptschule, längst Realität. Die neue Schulart diene vor allem der Standortsicherung: „Die Gemeinschaftsschule wird auch nicht übergestülpt, sondern nachwachsen.“
Mit der Enthaltung Sandmaiers erteilte der Rat der Schule den Auftrag, ein pädagogisches Konzept für die Gemeinschaftsschule zu entwickeln. SZ BC
.
Hier die Antwort aus dem Kultusministerium an die Stadtverwaltung von Bad Buchau. Hoffen ist angesagt, mehr Antwort gibt es zur Zeit leider nicht. Üben wir uns also in Geduld.





























