Hirn ist Glücksache „TÜV für Brüssel“

Geht es um der Deutschen liebstes Kind – das Auto – wird die Nation sehr sensibel: Am Tempolimit soll nicht geschraubt werden, genauso wenig soll die Pkw-Maut kommen. Und jetzt das: EU-Verkehrskommissar Siim Kallas will eine jährliche „TÜV“-Untersuchung für ältere Autos in Europa zur Pflicht machen. Kallas präsentierte am Freitag einen Richtlinienvorschlag, wonach Pkw ab einem Alter von sieben Jahren jährlich statt wie bislang in Deutschland alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung sollen.

Seehofer fordert „TÜV für Brüssel“  Sauer ist auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): „Jährliche TÜV-Prüfungen für Autos und Motorräder sind nicht notwendig, aber teuer und lästig für die Menschen“, sagte er am Freitag. Er forderte im Gegensatz einen TÜV für Brüssel: Es müsse ein Mechanismus geschaffen werden, „der die Bürger wirksam vor ausufernder EU-Bürokratie schützt“.

Kallas hält dem entgegen, dass die Gefahr von Unfällen mit höherem Auto-Alter erheblich ansteige. „Autos, von denen potenziell eine tödliche Gefahr ausgeht, wollen wir einfach nicht auf unseren Straßen haben“, erklärte er. Jährlich zum TÜV sollen deswegen auch alle Wagen mit mehr als 160.000 Kilometer auf dem Tacho – und das ab einem Alter von vier Jahren. Die Richtlinie muss nach Kallas Vorschlag nun von den Mitgliedsstaaten und dem Parlament beraten und dann beschlossen werden.

Der ACE vermutet, dass der Vorstoß vor allem dem Interesse der Prüforganisationen geschuldet ist. „Der Brüsseler Verkehrskommissar erweckt den Eindruck, er habe auf dem Schoß von TÜV-Lobbyisten Platz genommen“, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Auch nach ACE-Angaben sind technische Mängel immer seltener die Ursache von Verkehrsunfällen mit Verletzten oder Toten. Es gebe daher keinen Grund für schärfere Vorschriften.

Finanziell würden die Prüfer auf jeden Fall profitieren: Je nach Bundesland beträgt die Gebühr pro Check zwischen 50 und 90 Euro. Kommen die Halter mit ihren Autos künftig nicht mehr alle zwei Jahre, sondern alle 12 Monate vorbei, steigt dementsprechend der Verdienst. Da verwundert es nicht, dass TÜV und Dekra die Verkürzung der Prüffristen gut heißen. Quelle: dpa

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