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Heinz Weiss – In Fernost hui, in Deutschland pfui: Die „Zeit“ feiert Hongkonger Corona-Demos

Wenn etwa in Deutschland Menschen trotz Pandemie für Demokratie und Grundrechte auf die Straße gehen, sind es Irre, Asoziale, Nazis.

Wenn aber in Hongkong – ebenfalls trotz Pandemie – für Demokratie und Grundrechte demonstriert wird, ist es löbliche Zivilcourage.

Hamburg – Journalistische Schizophrenie ist in der deutschen Medienlandschaft ein verbreitetes Phänomen: Wenn etwa in Deutschland Menschen trotz Pandemie für Demokratie und Grundrechte auf die Straße gehen, sind es Irre, Asoziale, Nazis. Wenn aber in Hongkong – ebenfalls trotz Pandemie – für Demokratie und Grundrechte demonstriert wird, ist es löbliche Zivilcourage. Diesen famosen Spagat vollzieht bravourös – und ohne Anflug von Selbstzweifel oder -kritik – die Hamburger „Zeit„. In ihrem Onlineangebot feierte sie die Hongkonger Demonstranten, die sich „trotz des Versammlungsverbotes“ auf die Straße gewagt hatten.

Dass dort hunderte Menschen in mehreren Shopping-Malls aufsehenerregende Aktionen gegen die chinafreundliche Regierung gewagt hatten, was unter anderem zur Festnahme von 11 Menschen führte (darunter soll sogar ein zwölfjähriges Mädchen gewesen sein), berichtet die „Zeit“ ohne jede Wertung oder Kritik. Dass gegen Dutzende Menschen Geldbußen verhängt wurden, weil sie „die Abstandsregeln zur Eindämmung des Coronavirus nicht eingehalten hätten“, liest sich hier fast so, als handele es sich um Willkürmaßnahmen des chinesischen Regimes.

Dort Helden, hier Verrückte

In Hongkong gilt übrigens für Gruppen von mehr als acht Personen ein öffentliches Versammlungsverbot; wer dort dagegen verstößt, ist ein Held – hierzulande ein Irrer und Extremist.