Ein SZ-Leser erlebt in der Sana Klinik Biberach eine Woche voller Pannen

Die unglaublichen Klinikerlebnisse des Thomas S.
Fremdes Gebiss in der Tasche, vertauschte Medikamente, herumspritzender Urin, ein verschlamptes Formular und eine deshalb fast abgesagte OP: Ein SZ-Leser erlebt in der Sana Klinik Biberach eine Woche voller Pannen

Baustetten sz Der Hausarzt sprach von einem „Routineeingriff“, der in zwei Tagen erledigt sein sollte. Was Thomas Socher aus Baustetten dann aber in der Woche vor Weihnachten 2014 am Sana Klinikum in Biberach erlebte, wird er so schnell nicht vergessen. Nach einer Serie von Pannen und Versäumnissen – vom fremden Gebiss in seiner Reisetasche über vertauschte Medikamente bis hin zum verschlampten Formular, an dem beinahe die Operation gescheitert wäre – hinterließ er bei der Entlassung aus der Klinik an Heiligabend eine ausführliche Beschwerde. Weil darauf über Monate keine Reaktion folgte, wandte sich der 51-Jährige mit seiner unglaublichen Geschichte an die Schwäbische Zeitung.

„Ich mache den Ärzten und Pflegern der Klinik keinen Vorwurf. Sie tun aus meiner Sicht ihr Bestmögliches. Die rein fachliche medizinische Versorgung empfand ich auch als gut“, schickt Thomas Socher seinen Schilderungen voraus. „Ich klage das System an, das zulässt, dass eine Klinik hoffnungslos unterbesetzt ist, weil die Gesellschafter einer AG satte Gewinne sehen wollen. Und unter dem Kostendruck leiden das Personal und die Patienten.“ Bei seinem Aufenthalt im Dezember habe er beim Personal „eine gewisse Hektik“ festgestellt.

Schon zwei Jahre zuvor hatte er bei einer mehrtägigen stationären Schmerztherapie negative Erfahrungen an der Biberacher Sana Klinik gemacht. Fast keine der geplanten Behandlungen sei in die Tat umgesetzt worden, aber alle im Bericht an den Hausarzt als vollzogen gemeldet worden. Der damals zuständige Arzt habe die Versäumnisse mit urlaubs- und krankheitsbedingter Personalnot begründet und den verfassten Bericht als Standard-Bericht bezeichnet. Als Socher die Krankenkasse auf die Diskrepanz zwischen den tatsächlich erbrachten und den vermutlich abgerechneten Leistungen hinweisen wollte, habe er die Antwort erhalten: „Das interessiert uns nicht.“

Mit den Erlebnissen Thomas Sochers vor Weihnachten 2014 hat die SZ nun die Leitung der Sana Klinik Biberach konfrontiert. Geschäftsführerin Beate Jörißen, Pflegedienstleiter Stefan Ries und der Chefarzt der Urologie, Dr. Jörg Bernhardt, sowie Sana-Pressesprecher Patrick Engelke räumten in einer Gegsprächsrunde mit der SZ und Socher einige Fehler ein. Diese seien aber nicht unbedingt auf Arbeitsverdichtung oder ein „prozessuales Problem“ innerhalb der Klinik zurückzuführen, sondern auf eine, so Jörißen, „Verkettung voneinander unabhängiger Fälle“.

Nachfolgend die von Thomas Socher geschilderten Vorfälle und die Stellungnahmen der Sana-Verantwortlichen:

Donnerstag, 18. Dezember:

Socher: Ich wurde in der Urologie der Sana Klinik aufgenommen, weil ein Tumor operativ entfernt werden sollte. Beim Aufnahmegespräch legte man mir dringend nahe, dem Tragen eines Patientenbändchens zuzustimmen, das den weiteren Ablauf meines Klinikaufenthalts erleichtern sollte. Ich unterschrieb – das angeblich so hilfreiche Bändchen habe ich nie gesehen.

Stefan Ries: Das Aufnahmegespräch macht in der Regel eine Pflegekraft. Das Bändchen dient in erster Linie der Patientenidentifikation, zum Beispiel für den Fall, dass sich dieser nicht äußern kann. Man braucht es nicht für den organisatorischen Ablauf. Dass es nicht angelegt wurde, war ein Versehen und tut mir Leid.

Socher: Nach dem Aufnahmegespräch bezog ich mein Zimmer, aus dem gerade ein älterer, bettlägriger und nicht ansprechbarer Herr verlegt wurde. Ich erhielt einen Schrank zugewiesen, mit derselben farblichen Kennzeichnung wie mein Bett. In diesen Schrank stellte ich meine Sporttasche mit allen persönlichen Dingen für den Klinikaufenthalt. Ich schloss den Schrank ab, ließ den Schlüssel aber stecken und begleitete anschließend meine Freundin, die mich in die Klinik gefahren hat, zurück zum Parkplatz. Bei der Rückkehr zum Zimmer sah ich gerade noch einen Pfleger im Flur mit meiner Sporttasche um die Ecke huschen. Ich folgte dem Pfleger und sprach ihn an. Er wollte mir die Tasche nicht geben, weil ihm offensichtlich peinlich war, was ich beim Öffnen der Tasche entdecken sollte: Auf meinen eigenen, frischen Kleidern lagen die getragenen Klamotten des älteren Herrn, dessen Waschutensilien und dessen Gebiss in einer offenen Spuckschale. Ich frage mich, wo meine Tasche wohl gelandet wäre, hätte ich den Pfleger nicht gerade noch um die Ecke huschen sehen, denn der ältere Herr hätte in seiner Verfassung wohl kaum mitgeteilt, dass es sich nicht um seine Tasche handelt.

Ries: Der Pfleger hat versehentlich die falsche Schranktür aufgemacht. Die Tasche wäre aber sicher auffindbar gewesen – man wusste ja, welchen Patienten man aus dem Zimmer verlegt hat.

Freitag, 19. Dezember, der OP-Tag:

Socher: Ich wurde um 8 Uhr in den OP-Raum gebracht, die Narkoseärztin legte mir die Kanüle und die EKG-Kabel an und bereitete alles weitere für die Narkose und die OP vor. Dann fragte sie mich nach der unterschriebenen Einverständniserklärung für die OP; sie liege ihr nicht vor. Ich sagte, ich habe sie nicht, die müsste der Arzt bei der Aufnahme an sich genommen haben. So rief die Narkoseärztin auf der Station an und fragte nach dem Formular. Wenige Minuten später kam der Rückruf: Das Formular sei nicht da. Daraufhin eröffnete mir die Narkoseärztin, dass ohne das Formular die Operation nicht stattfinden könne, und sie begann mit dem Abbruch der OP-Vorbereitungen. Ich konnte es kaum glauben und sagte: „Moment, heute ist Freitag, das würde ja bedeuten, die OP kann dann erst am Montag stattfinden.“ Ich dachte kurz nach und sagte: „Vielleicht hat der Aufnahmearzt das Original der Einverständniserklärung versehentlich mit zu meinen Patientenunterlagen gesteckt. Die liegen in meinem Zimmer, lassen Sie doch bitte mal nachschauen.“ Daraufhin ließ die Narkoseärztin nachschauen – und tatsächlich, in der Patientenmappe steckte das Original. Die Operation konnte dank meiner Intervention doch noch stattfinden.

Dr. Jörg Bernhardt: Ohne Einverständniserklärung dürfen wir nicht operieren. Natürlich war es unser Fehler, dass das Formular nicht auffindbar war.

Stefan Ries: Die Vorbereitungen auf die OP und das Prüfen der Unterlagen verliefen wohl parallel. Das war etwas unglücklich.

Socher: Nach der Operation teilte mir Dr. Bernhardt mit, dass er den Tumor nicht wie geplant habe entfernen können und er am Montag nochmals operieren müsse. Eine ausführliche und nachvollziehbare Erklärung dazu lieferte er mir am Nachmittag bei der Visite. Am Abend kam ein Oberarzt zu einer weiteren Visite und ich fragte ihn noch einmal etwas wegen der Operation. Da raunte er mich an: „Was erlauben Sie sich, mir um diese Zeit so eine Frage zu stellen? Ich hätte eigentlich schon lange Dienstschluss und bin jetzt immer noch da.“ Ich antwortete: „Ich wollte nur eine Auskunft.“

Dr. Bernhardt: Ich lege Wert auf einen guten Umgang mit unseren Patienten. Ich kenne den Oberarzt gut und kann mir nicht vorstellen, dass er so reagiert hat. Wenn ihm so ein Satz rausgerutscht ist, ist das sicher nicht in Ordnung.

Montag, 22. Dezember:

Socher: Die OP erfolgte vormittags. Anschließend sagte der Chefarzt, es sei alles wie gewünscht verlaufen, das entnommene Gewebe werde er umgehend zur Untersuchung ins Labor schicken. Und er werde sich bemühen, dass ich den Befund, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handle, noch vor Weihnachten erhalte. Das hat, wie sich herausstellen sollte, bei Weitem nicht geklappt.

Dr. Bernhardt: Es handelte sich um einen Tumor, der bei einem Mann selten vorzufinden ist. Unser Pathologe war sich nicht sicher, deshalb haben wir in einem externen Labor einen weiteren Befund angefordert. Dieser kam am 7. Januar. Ich war über die Feiertage im Urlaub und habe Herrn Socher, weil es mir wichtig war, gleich am 2. Januar telefonisch über die Verzögerung informiert und ihm am 7. Januar den Befund ebenfalls telefonisch mitgeteilt.

Dienstag, 23. Dezember:

Socher: Zum Frühstück wurden die Medikamente verteilt. Für mich waren eigentlich zwei Tabletten – ein Schmerzmittel und einmal Antibiotika – vorgesehen. Ich habe mein Schächtelchen erst nach etwa 20 Minuten angeschaut und dabei festgestellt, dass sieben Tabletten drin lagen. Weil mir das seltsam vorkam, schaute ich auf den Aufkleber – da stand der Name meines Bettnachbarn drauf. Diesen habe ich sofort darauf aufmerksam gemacht, aber da war es schon zu spät: Er hatte meine Tabletten erhalten und bereits eingenommen. Eine Krankenschwester hat sich umgehend um die Sache gekümmert, mir die richtigen Tabletten gebracht und wenig später erklärt, dass die falschen Tabletten für meinen Bettnachbarn zum Glück nicht schädlich seien.

Ries: Leider können in diesem Bereich immer noch Fehler passieren, obwohl im Ablauf einiges verbessert wurde. Früher gab es für die Tabletten nur Becher ohne Namen, heute gibt es Schieber mit Namen und wir haben das Vier-Augen-Prinzip vor der Verteilung eingeführt. Dass trotzdem etwas falsch gelaufen ist, möchte ich nicht auf Zeitdruck zurückführen.

Socher: Am Nachmittag wurde mir mitgeteilt, dass ich an Heiligabend entlassen werden soll und ich zuhause einen Katheter mit einem Urinbeutel tragen müsse. Wie man diesen zum Leeren ab- und wieder anmontiert, wollte mir eine Schwesternschülerin zeigen. Sie kam während des Abendessens (!) zu mir ins Zimmer und sagte, es ginge leider nur jetzt, danach habe sie keine Zeit mehr. Der Wechsel war ein unheimlicher Kraftakt, weil die Kupplung zwischen Katheter und Beutel sehr schwer zu trennen war. Die Schwester zerrte mehrmals vergeblich mit aller Kraft daran, bis die mit Urin gefüllten Schläuche plötzlich in die Höhe schossen und vom Restinhalt sowohl die Auszubildende als auch der gerade essende Bettnachbar getroffen wurden.

Ries: Die Schülerin hat hier ganz klar Fehler gemacht, sie hätte Hilfe holen müssen.

Pressesprecher Patrick Engelke: Ganz klar, das darf nicht passieren. Sie hätte jemanden holen müssen, der sich damit auskennt. Und der Wechsel hätte nicht während des Essens erfolgen durfen.

SZ: Offensichtlich war die junge Frau unter Zeitdruck.

Jörißen: Zeitdruck und Arbeitsverdichtung erleben wir in vielen Berufen. Das ist aber nicht immer der Grund für Fehler.

Mittwoch, 24. Dezember:

Socher: Der Entlassungstag. Man sagte mir am Morgen, ich sollte bis 10 Uhr warten, weil man noch prüfen wolle, ob es Probleme mit dem Katheter gibt. Die Schwester sagte mir, man bringe mir den Entlassbrief vorbei, dann könne ich gehen. Gegen 11 Uhr kamen meine Bekannten, um mich abzuholen. Bis dahin hatte sich niemand um mich gekümmert. Daran änderte sich auch bis gegen 12 Uhr nichts. Daraufhin ging ich zum Stationszimmer, wo ich erfahren habe, dass der Entlassbrief längst daliege. Der „Brief“ enthielt einen simplen Mehrzeiler für den Hausarzt mit dem Hinweis „Bericht folgt“. Ich wollte gerne mit einem Arzt nochmals über den Umgang mit dem Katheter und vor allem über die weitergehende Medikation zu Hause sprechen. Es hieß, dass kein Arzt da sei, ich dürfe nach Hause gehen, was ich dann auch tat. Da klar war, dass ich an Heiligabend und auch über die Feiertage und das direkt folgende Wochenende keinen Termin bei meinem Hausarzt bekommen würde, war ich also von Mittwoch, 24. Dezember, bis Sonntag, 28. Dezember, ohne Medikamente oder sonstige ärztliche Anweisungen auf mich allein gestellt.

Dr. Bernhardt: In der Urologie findet jeden Tag mindestens eine Visite und am Ende eines Aufenthalts in aller Regel ein Entlassgespräch statt. Das wäre in Ihrem Fall im Rahmen der Visite notwendig gewesen. Weshalb es dazu nicht gekommen ist, kann ich mir nur so erklären, dass der Visitenrundgang eventuell länger als geplant gedauert hat oder eine OP dazwischen gekommen ist.

Socher: Mir kam es am Entlasstag so vor wie bei der fast ausgefallenen OP: Ich musste selbst die Initiative ergreifen, damit das gemacht wird, was mir zusteht.

Dr. Bernhardt: Eine Medikation zu Hause war aus unserer Sicht nicht notwendig. Trotzdem hätte man Sie nicht ohne Entlassgespräch nach Hause schicken dürfen.

Engelke: Wir müssen überprüfen, woran das lag.

Samstag, 27. Dezember, bis Samstag, 10. Januar 2015:

Wegen heftiger Schmerzen ließ ich mich von meiner Freundin in die Sana-Klinik nach Biberach fahren. An der Anmeldung sagte ich, dass ich mich vergangene Woche nach einer OP in der Urologie aufgehalten und jetzt Probleme hätte. Es hieß, die Urologie sei am Wochenende nicht zuständig, sondern die Notfallpraxis in der Klinik. Die Notdienstärztin stellte eine Blasenentzündung fest und verschrieb mir ein Antibiotikum. Darüber hinaus entfernte die Ärztin meinen Katheter und legte mir nahe, am Montag nochmals bei der Urologie vorbeizuschauen. Das tat ich dann auch, wobei mir der Arzt einen Anpfiff verpasste, weil die Notdienstärztin den Katheter nicht habe entfernen dürfen. Und allen Ernstes fragte der Arzt: „Warum sind Sie am Samstag nicht zu mir in die Urologie gekommen? Ich wäre ja da gewesen!“

Engelke: Den Fehler in der Notfallpraxis hat nicht die Sana Klinik zu verantworten, der Notdienst wird von den niedergelassenen Hausärzten des Landkreises organisiert.

SZ: Aber hätte man Herrn Socher nicht an der Anmeldung gleich in die Urologie statt in die Notfallpraxis schicken können, nachdem er ja erzählt hatte, dass er vor Weihnachten dort eine OP hatte?

Dr. Bernhardt: Die Anmeldung findet an der Pforte statt, dort arbeiten Verwaltungsangestellte. Diese medizinische Entscheidung kann man von ihnen nicht verlangen.

Socher: Der Urologe schickte mich danach mit der Empfehlung, mich beim Hausarzt zu melden, nach Hause, die Antibiotika-Tabletten der Notdienstärztin seien soweit in Ordnung. Die folgenden Tage war mein Zustand ein ständiges Auf und Ab, mit Fieber und Schmerzen. Am Freitagabend, 9. Januar, erlitt ich einen schweren Rückfall, sodass ich mich am Samstag, 10. Januar, in die Notaufnahme bringen ließ – ins Bundeswehrkrankenhaus in Ulm! Es war ein weiser Entschluss. Am BWK bin ich in allen Belangen besser und gewissenhafter behandelt worden als in der Sana-Klinik in Biberach. Ich wurde top versorgt, es blieben keine Wünsche offen. Es war, als ob ich von einem Krankenhaus im afrikanischen Busch in eine moderne Klinik gewechselt wäre. Man hat gemerkt, dass das mit öffentlichen Mitteln mitfinanzierte BWK deutlich besser ausgestattet ist als die privatisierte Klinik in Biberach.

Jörißen: Wir halten die Strukturen vor, die wir für erforderlich halten, um eine adäquate Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Wenn wir feststellen, dass wir in bestimmten Bereichen nachbessern müssen, tun wir das auch.

Engelke: Wir machen ja auch Umfragen und bekommen Rückmeldungen von sehr, sehr vielen zufriedenen Patienten. Natürlich gibt es auch Fälle, bei denen es Probleme gibt. Aber die kann man nicht ohne Weiteres auf das System schieben.

Socher: Bei der Entlassung habe ich eine Hochglanzbroschüre der Sana Klinik mit einem Bewertungsformular erhalten. Ich habe darin eine umfangreiche Beschwerde verfasst und Kontaktdaten hinterlassen. Es gab keine Reaktion von Seiten der Klinik.

Jörißen: Die Beschwerde liegt uns vor, leider ist sie bei uns unbearbeitet liegen geblieben. Das ist unser Fehler und wir sind sehr unglücklich darüber. Grundsätzlich nehmen wir Beschwerden sehr ernst und haben daher auch ein Verbesserungs- und Beschwerdemanagement mit hoher Priorität eingerichtet. Für all die Fehler, die bei Ihrem Aufenthalt passiert sind, können wir uns nur entschuldigen. Dass wir uns nun zu einem Gespräch getroffen haben, zeigt, dass wir an einer Aufklärung interessiert sind und wir auch daraus lernen möchten.

Artikel erschienen in der Schwäbischen Zeitung Biberach am 23.5. 2015

3 Responses to Ein SZ-Leser erlebt in der Sana Klinik Biberach eine Woche voller Pannen

  1. Heinz Weiss sagt:

    Das kenne ich zu Genüge , allerdings von der Hygienischen Seite her.
    Durch einen Sehproblem im linken Auge musste ich am 26.9.2014 kurzfristig für 5 Tage in die Sana -Klinik Biberach zur Behandlung und Beobachtung. Von der medizinischen Seite mehr als gut, aufmerksam und Patientenfreundlich, jedoch die Sauberkeit der Krankenzimmer ein unhaltbarer Zustand. Linoliumfußböden dreckig, rissig und schmierig. Maximal an 4 Tagen die Woche wird das Krankenzimmer feucht gewischt und gekehrt. Samstag und Sonntag gar nicht. Auf die Frage an die Raumpflegerin gab es zur Antwort: Jeden Tag wischen nicht machbar, ich alleine bekomme das sowieso aus zeitlichen Gründen nicht geschafft. Früher waren wir 2 Personen auf der Station heute nur noch ich alleine, leider Zeit zu knapp.
    Ok, das kann ich verstehen dass allerdings Samstag und Sonntag reichlich Strassenschmutz von Besuchern liegen blieb ist gewöhnungsbedürftig. Montag früh konnte man den zusammen gefegten Schmutzhaufen mit blosem Auge erkennen, und das war nicht nur Staub.
    Ein Gammel die Sanitären Zimmer-Anlagen. Ein Waschbecken das nicht abläuft, Abwasserrohre unter dem Waschbecken die tropfen, mit Kalkrändern versehen, einfach ekelig.
    Ein Waschbecken für 2 Personen und ein Holzregal wie zu Komiszeiten nur ärmlicher. Auch hier das gleiche Pflegeproblem jeden morgen knapp 2 Minuten reine machen und fertig ist die Dusche und Toilette.
    Sauber geht anders- auf meine Frage dass das zügig geht wieder die gewohnte Antwort, früher zu zweit jetzt alleine und wenig Zeit.
    Montagmittag der Hammer. Eine Pflegerin fragt ob man in meinem Zimmer das für 2 Personen ausgelegt ist ein fremde Patientin duschen könnte denn nur unser Bad war so groß dass es Rollstuhl geeignet ist. Ja klar sagte ich warum nicht wenn so eine große Klinik nur ein Bad hat – und schon wurde eine mir unbekannte ältere Dame im Rollstuhl herein gerollt und verschwand mit der Pflegerin im Bad. Warum nicht, jedem soll geholfen werden. Nach 10 Minuten war duschen im Rollstuhl erledigt und das Bad wieder leer. Leer- aber nicht sauber denn eine Raumpflegerin kam an diesem Tage nicht mehr aufs Zimmer- dies geschah erst wieder am nächsten morgen.
    Mein einziger Ausweg aus dem Feuchtbiotop mit mangelnder Reinlichkeit war dass ich alle meine Duschsachen zu mir in den Schrank stellte und das Bad nur noch unter Vorbehalt betrat in Hausschuhen auch unter der Dusche.

    Sonntag- oder Montagabend großes Problem, eine türkische Patientin mit ähnlichem Befund wurde eingeliefert und da es nur ein Zimmer mit 2 Diagnosebildschirmen gibt direkt zu mir ins Nachbarbett eingewiesen. Der russische ältere Zimmernachbar wurde kurzerhand verlegt. Ach ja wie man dem ein paar Tage zuvor erklären wollte dass er in die Röhre zum durchleuchten mitkommen sollte (Kernspintomographie / Magnet-Resonanz-Tomographie(MRT), das wäre eine extra Seite wert. Immerhin schaffte es das Pflegepersonal nicht einen russischen Dolmetscher in Form eines Mitarbeiters heran zu bringen. Nach dem das Gerede immer absurdere Formen annahm zwischen halbdeutsch, russisch und Händefuchteln konnte ich mich nicht mehr zurück halten. Kurzerhand nahm ich ein Blatt Papier, einen Stift und malte mit kurzen Strichen eine Röhre aufs Papier und eine liegende Person dazu. So konnte der Patient erkennen dass es zum röntgen ging und er willigte ein. Soviel zum Kulturellen Bild mit ausländischen Patienten und deren Umgang mit dem Personal in der Sana- Klinik Biberach.

    Und weiter, nun hatte ich eine Türkische Patientin neben mir liegen und uns trennte nur ein Stoffparavan der zum hin und herschieben war. Ich sagte der Krankenschwester dass das den Angehörigen und Besuchern gesagt werden muss immerhin sind das Muslime die manchmal anders darüber denken. Aber es ging dann doch ohne Stress ab.
    Gegen 22.00 Uhr ich war bereits am einschlafen denn Fernsehen und Radio gab es nicht in dem Zimmer , die Patienten sollen Ruhe genießen was eigentlich die 5 Tage nicht unangenehm war, da wurde die Türe aufgerissen und der Einzug der Türken nahm seinen Lauf. Sohn Opa, Enkel, Ehemann und der ganze Rest der Verwandtschaft besuchte die Patientin und ich kam mir vor wie auf dem Bazar halt im Krankenhaus. Dass hier eine Gastronomenfamilie Einzug hielt wurde durch würzige und gebackene Gerüche herzhaft untermalt. Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen einen Gyros zu bestellen denn das Essen war nicht immer erste Sahne, aber verhungern musste man auch nicht, ja am ersten zweiten Tag vielleicht aber das konnte geklärt werden.
    Das Theater mit dem Abendbesuch ging bis 23.15 Uhr und dann jeden weiteren Tag so.

    Zwischenzeitlich wurde dem Personal bekannt dass ich eigentlich Privatpatient bin der Einzelzimmer bekommen sollte und es wurde eifrig daran herum gedoktert dass das hier nicht möglich wäre da nur ein Zimmer für 2 Patienten vorhanden sei.
    Ich selber legte im Moment keinen Wert darauf, wollte nur meine Ruhe und halbwegs gesund werden, darum erwähnte ich das Einbett-Zimmerproblem auch eingangs nicht. Dass ich der Betreiber von http://www.amfedersee.de bin erkannte zum Schluss eine Schwester und das hatte sicherlich einiges dazu beigetragen in der Rückantwort von der Sana-Klinik.
    Heute ist der letzte Tag und ich musste noch die Visite abwarten vor der Entlassung. Meine Hausschuhe warf ich in den Krankenhaus-Papierkorb um den Keimen bei meiner Heimreise kein weiteres Gedeihen zu ermöglichen . Dass ich ebenso 2-3 Stunden auf ein paar Zeilen wartete war zum aushalten ich hatte eh keinen direkten Abholtermin vereinbart, also Zeit genug. Meinen Bewertungsbogen gab ich dem Ärzteteam zum vorab lesen und sie fanden: ganz schön mutig Herr Weiss.

    Nach 2 Wochen kommt das Ergebnis meiner Beschwerde in Form einer E-mail von der Sana-Klinik Biberach. Eine Frau Gutekunst bestätigt mir großzügig dass es doch mehr von diesen Patient wie mich geben sollte. Leute die den Mut haben in einer Klinik auf Misstände hinzu weisen da die Verwaltung das ja alles gar nicht wissen kann, woher auch. Also nochmals vielen Dank Herr Weiss und wir werden ihre Beschwerden umgehen prüfen und zur vollsten Zufriedenheit für weitere Patienten erledigen.Hurra das hat gepasst dachte ich mit . Da werden sich weitere Kranke in dem Zimmer aber freuen, klasse.

    Die Beschwerde war im September 2014 – die Antwort von der Sana-Klink am 1.10.2014 .
    Zitat:
    Die Nasszelle wurde sofort nach Eingang durch das VM visitiert. Daraufhin wurde ebenfalls zeitnah die Nasszelle einer Grundreinigung unterzogen. Die Reinigungsintervalle Nasszelle wurden neu bearbeitet.

    Durch die Mitarbeiter des technischen Bereiches wurden Reparaturarbeiten an den Wandfliesen sowie am Fußboden durchgeführt. Auch wurde die Lüftungsanlage in diesem Bereich überprüft und korrigiert.
    Abschließend möchten wir uns nochmals für Ihre Offenheit und das uns entgegen gebrachte Vertrauen bedanken.

    Anfang März 2015 besuchte ich einen Freund in der Sana-Klinik und erkundigte mich bei der Gelegenheit nach dem Vorgang welcher durch mich im September 2014 ausgelöst und behoben sein sollte: In das Zimmer konnte ich nicht rein schauen mir wurde aber direkt auf der Station bestätigt dass keinerlei Renovierungsarbeiten seitdem auf dieser Station erfolgt seien. Was nun. . . ?
    Auch ich möchte mich abschließend für die Offenheit und das uns entgegen gebrachte Vertrauen bedanken. Heinz Weiss

  2. Auch eineErfahrung sagt:

    All die beschriebenen Vorfälle kann man auch in einer Uni-Klinik erleben. Da werden zuerst Gummihandschuhe zum Wechseln eines künstl. Darmausganges an einer Mitpatientin angezogen, mit diesen werden dann wieder Türen geöffnet. Ich habe danach immer alles desinfiziert, alles in allem sehr unappetitlich – vor allem wenn man frisch operiert daliegt. Dann werden einem Tabletten gegeben, um den Blutdruck zu senken bei 120/80 mmHg. es wird einem dann beim Aufstehen schwindlig usw. usw.. Aber man solle sie ruhig weiter nehmen, der Arzt hätte das ja so festgelegt. Diese wirft man natürlich in den Papierkorb, so der Verstand noch in Ordnung ist. Dann wiederum bekommt man Brokkoli-Suppe. da man ja Zucker hätte. An die OP im Bauchbereich wird nicht gedacht. Es ließe sich endlos fortsetzen, es liegt also einiges im Argen.
    Und wenn man dann evtl. noch an falschen Tabletten oder zu großen Mengen sterben würde – kein Mensch würde das merken. Wo kein Kläger, da kein Richter. Und sie hatte ja so eine schwere Operation…
    Ob es Hektik ist, Gedankenlosigkeit oder Dummheit, ich bin nie ganz dahintergekommen.

  3. patient sagt:

    Jeder, der schon mal sein Krankenzimmer mit Türken teilen mußte, weiß, was dann los ist. Man wird allermindestens von Besuchern zerquetscht. Nix wie weg! Gleich verlegen lassen!