Die Reportage. Der Friedhofsclub

25.10.2013, 21:15 Uhr im NDR Fernsehen

 Wenn Werner auf den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg einlädt, kommen seine Freunde gerne. Es gibt Kaffee und Kuchen, dazu ein Gläschen Sekt. Werner hat vor zwölf Jahren ein altes, baufälliges Mausoleum übernommen. Als „Pate“ des denkmalgeschützten Gebäudes verpflichtete er sich, für die Restaurierung und Instandhaltung aufzukommen.

Der gelernte Maurer werkelt ständig an seinem eigenen Grab und findet Gefallen daran. Sogar Urnenübertöpfe aus Keramik hat er schon anfertigen lassen, für sich und andere, die Lust haben auf eine „Wohngemeinschaft“ nach dem Tod, meint er. Zum Glück musste Werner in seiner Grabstätte noch niemanden beisetzen.

Bei Axel und Maria von der Grabstelle nebenan ist das anders. Sie suchten damals dringend ein Mausoleum, um ihrem Sohn, der mit 17 Jahren verstarb, mit der Bestattung dort einen letzten Wunsch zu erfüllen. Für sie sei der über 100 Jahre alte Grabbau fast schon ein zweites Zuhause geworden, erzählen die Eheleute. Hier könnten sie ihrem geliebten Jungen ganz nahe sein.

Während der Restaurierung der alten Gebäude lernten sich die Nachbarn näher kennen. „Mittlerweile sind wir so eine Art Club“, meint Werner. Seine Feste am Mausoleum sind längst legendär geworden. Immer dabei ist die Witwe, die auf eine besondere Art gelernt hat, mit ihrer Trauer zu leben, oder die beiden Freunde, die schon vor vielen Jahren ihr eigenes Grab erworben haben und es seither pflegen wie einen Schrebergarten. Sie alle verbindet eines: Sie sind Ohlsdorf-Fans, genießen die Ruhe auf dem größten Parkfriedhof der Welt so oft wie möglich und treffen sich gern an Werners „Mauso“.

NDR Autorin Dörte Schipper hat Werner und seine Freunde an einem warmen Sommertag auf dem Ohlsdorfer Friedhof besucht. Sie alle haben viel gelacht, und Werner ließ es sich nicht nehmen, mit seinen Gästen auf das Leben und die Verstorbenen anzustoßen. Doch dann wurde der 70-jährige Rentner auch ein bisschen wehmütig. „Was wird wohl aus meinem Mausoleum und den Feiern, wenn ich eines Tages nicht mehr bin“, fragt er in die Runde.

 

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