“ Angst vor dem Internet.“

Massenproteste auf den Straßen in ÄgypMassenproteste auf den Straßen in Ägypten und Tunesien – innerhalb kürzester Zeit organisiert und gesteuert über Facebook, Twitter und Co. Das neue „Mitmach-Web“ befähigt Menschen ihre Unzufriedenheit einer großen Öffentlichkeit mitzuteilen und sich mit Gleichgesinnten zu verbinden. Ohne lange Kommunikationswege – alles in Echtzeit. Der Protest hat eine neue Versionsnummer erhalten.ten und Tunesien – innerhalb kürzester Zeit organisiert und gesteuert über Facebook, Twitter und Co. Das neue „Mitmach-Web“ befähigt Menschen ihre Unzufriedenheit einer großen Öffentlichkeit mitzuteilen und sich mit Gleichgesinnten zu verbinden. Ohne lange Kommunikationswege – alles in Echtzeit. Der Protest hat eine neue Versionsnummer erhalten.

Sascha Lobo – Blogger, Buchautor und Internet-Guru. © actionpress-bild   Autor: Julia Wolfer (web.de)

Autoritäre Staatsformen fürchten das Web 2.0 – doch wie ist das mit unserer Regierung?

Wir haben gerade Vorgestern erlebt, dass das auch für unsere demokratische Regierung ein Furchtfaktor darstellt. Eine Beteiligungssoftware namens „adhocracy“, die Internet on catch verankert werden sollte, wurde vom Bundestag unter total fadenscheinigen Argumenten – Kostengründen und so weiter – gekippt. Dahinter steckt in Wahrheit die Angst, einen Präzedenzfall der Bürgerbeteiligung zu schaffen. Man möchte nicht so viel Bürgerbeteiligung haben. Ich kann die Angst in Teilen nachvollziehen, allerdings ist sie unzeitgemäß und noch dazu schlecht Kommuniziert worden. Die Bevölkerung ist über die wahren Gründe, dass man keine Mitbeteiligung haben möchte, getäuscht worden. Das ist problematisch – natürlich nicht zu vergleichen mit den Vorgängen in Ägypten – aber es ist problematisch das mit Stimmen von CDU und FDP verhindert wurde, dass Bürger mitdiskutieren können.

Kann man die Macht des Internets durch Zensur überhaupt eindämmen?

Ich fürchte es ist ein Gleichgewicht des Schreckens: Die digitale Vernetzung ist zwar schwieriger zu stoppen, aber es ist noch nicht unmöglich. Man sieht das in China: Dort gibt es eine Armee von Zensoren die mit hoch ausgefeilten technischen Mitteln die Netzwelt rigide einschränkt. Zwar ist es für Machthaber schwieriger geworden, denn sie brauchen viel mehr Know-How – es reicht nicht mehr ein paar Schläger vor die Druckerpresse zu stellen – aber es ist nicht unmöglich.

Das Internet ist noch zu sehr Abhängig von verschiedenen Faktoren. Das sehen wir in Ägypten, das sehen wir in China, das sehen wir aber auch in Deutschland. Da ist noch sehr viel Platz für Autoritäten, Kontrolle auszuüben – und das wird auch getan.

Was wäre denn Ihrer Meinung nach eine Möglichkeit für unsere Politiker, vernünftig damit umzugehen?Ich glaube, dass gerade im Kommunalen Bereich erprobt werden muss, wie eine digitale Demokratie aussehen muss.

Diese Vernetzung braucht natürlich zwei Partner. Es geht nicht, die Regierung nur unter Druck zu setzen und zu sagen „Macht mal was!“, es geht auch darum dass die Menschen das Angebot nutzen und versuchen Organisationen herzustellen. Dann muss erprobt werden, was man an Mitbestimmung anbieten kann, was funktioniert, wie funktioniert es und wie könnte eine digitale Demokratie aussehen.

Was denken Sie: Wo geht die Reise hin?

Alles ist ein temporärer Trend der abnehmen wird. Es ist völlig klar, das Facebook und Twitter, die im Moment sehr erfolgreiche Firmen sind und auf einer Entwicklung beruhen, die auf keinen Fall rückgängig zu machen ist. Social Media ist eine Entwicklung die ist da und geht auch nicht wieder weg. Sie wird sich verändern, sie wird sich feinjustieren aber ob Facebook und Twitter da in fünf Jahren noch an der Spitze stehen, kann niemand so recht sagen. Aber Social Media und die digitale Vernetzung wird auch in Zukunft weiter zunehmen und weiterhin eine große und wichtige Rolle in der politischen Landschaft spielen wird.  Autor: Julia Wolfer

One Response to “ Angst vor dem Internet.“

  1. tunesien sagt:

    Das Internet als Katalysator des Protests

    Die Gedanken sind frei – vor allem im Internet. Während das tunesische Regime noch Bilder der Unruhen zensierte, verbreiteten sie sich bereits im Netz – und der Funke griff auf andere Staaten über. Welche Rolle spielt das Internet bei Protesten in Nordafrika und im Nahen Osten? ARD-Korrespondenten geben Einblicke.
    Tunesien: Ben Alis Sturz ist auch dem Internet zu verdanken

    Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkkorrespondent Rabat

    Der Sturz Ben Alis in Tunesien ist auch dem Internet zu verdanken: Mithilfe von Blogs und Netzwerken wie Twitter oder Facebook organisierten sich die Demonstranten. Im Internet erfuhr man, wo die nächste Kundgebung ist – und wo Milizen ihr Unwesen treiben. Auf der Seite von Wikileaks konnte man einen Eindruck von den mafiösen Machenschaften der Präsidentenfamilie bekommen. Das Regime von Ben Ali hatte die explosive Wirkung des Internets richtig eingeschätzt: Seiten wie Youtube oder Dailymotion blieben lange gesperrt. Sie wurden erst als Zugeständnis an die Protestbewegung zugänglich gemacht.
    Der tunesische Blogger Slim Amamou. (Foto: dpa)
    Die Maghrebstaaten sind mit einem Dilemma konfrontiert. Zum einen wollen sie sich ausländischen Investoren und Geldgebern als fortschrittliche Länder präsentieren. Da sind gute Internetverbindungen unerlässlich. Zum anderen fließen durch das Internet aber auch Informationen, die sich nur schlecht kontrollieren und zurückverfolgen lassen. Sie verbreiten sich auch dank sozialer Netzwerke wie in einem Schneeballsystem – und können so für die Machthaber zur Gefahr werden.

    Längst ist das Internet im Maghreb nicht mehr nur einer reichen und ohnehin gut informierten städtischen Elite zugänglich. Auch auf dem Land nutzen Menschen das Netz, um mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben – auch per Mobilfunk. Nicht umsonst bietet etwa die US-Botschaft in Marokko spezielle Kurse für Blogger und Onlinejournalisten an. In einer Region, in der Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehsender noch immer zensiert werden, ist das Internet für viele Menschen das Medium der Wahl.