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Die Experten kommen schon im Morgengrauen, zum Flohmarkt Riedlingen

"Direktrecycling" nennen Siege und Joe ihre Verkaufsstrategie und bringen an den Mann, was man nicht unbedingt braucht.

Riedlingen „Wer kann, der kommt“ ist der Erfolg des Riedlinger Flohmarkts. Und wer einmal da war, kommt immer wieder. Am dritten Samstag im Mai geht außer Flohmarkt in der kleinen Donaustadt überhaupt nichts. Da interessiert den Fußballfan kein Kick, den Vereinsmeier keine Hauptversammlung und den Single kein neues Date.

Vor fünf Uhr erwacht die Donaustadt. Über 650 Flohmarkthändler bauen im Morgengrauen ihre Stände auf. Der Antiquitätenhändler auf der Wiese hinter der Jugendmusikschule ebenso wie der Gruscht-und-Krempel-Verkäufer in der Innenstadt. Emsiges Treiben bei den Standnachbarn rechts. Man kennt sich, es gibt ein großes „Hallo“. Alle Jahre wieder. Und dann kommen sie – frühmorgens – die Experten mit den Taschenlampen auf der Jagd nach Schnäppchen. Mitten im Aufbau durchwühlen sie Kartons und Tüten – suchen Schmuck, Antiquitäten und Wertvolles, das der Laienverkäufer als solches nicht erkennt. „Weg ist weg“, denkt sich der Verkäufer, reicht dem Profi Tante Annas Stickbild, schiebt die paar Euro in die Hosentasche und baut weiter auf – Sammeltassen, Kerzenständer, Messingleuchten.

Wenn die Sonne aufgeht, wechselt das Publikum. Familien mit Kinderwagen quetschen sich auf der Suche nach günstigem Spielzeug durch die Gassen. Bald gibt es kein Durchkommen mehr. Wer fündig wird, schleppt sein Zeug zum Auto, um anschließend die Atmosphäre in Riedlingens Altstadt zu genießen. Tausende Besucher kommen aus diesem Grund. Gezählt hat sie niemand.

Über 10000 Besucher sollen es sein und sie kommen von überall her. Aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland. Belgier kaufen alte schwäbische Getreidesäcke, Österreicher einen Spätzleshobel. Dieses Jahr zum 39. Mal. „Angefangen hat es mit 30 Ständen“, erzählt Helmut Steigerwald, Geschäftsmann in Riedlingen und einer der Geburtshelfer des Riedlinger Hochfestes. Den Händlern zahlte die Riedlinger Gemeinschaftswerbung (RGW) damals noch das Spritgeld, nur damit sie nach Riedlingen kamen. Die Zeiten sind lange vorbei. Heute sind die Plätze heiß begehrt, sie werden an die nächste Generation weitervererbt. Zwischen all dem Krempel spielt Musik – Jazz, Oldies und Rock’n’Roll. Das macht den Flohmarkt zu etwas Besonderem. „Die Mischung macht’s“, weiß Ingbert Raff von den Eisenbahnfreunden Ulm. Er und Uli Pysik waren schon als Zwölfjährige mit ihren Vätern auf dem Markt. Länger als die beiden ist nur die Riedlinger Narrenzunft dabei. Die Väter der beiden Eisenbahnfreunde bleiben mittlerweile zu Hause. Die „Buben“, gestandene Männer im mittleren Alter, stehen am Samstag zum 38. Mal in der Fußgängerzone. Im Angebot haben sie „von allem etwas“. Und außerdem Dinge, die es schon lange nicht mehr zu kaufen gibt. Etwa die Unterwegspackung Toilettenpapier oder das stärkste Arsenwasser Deutschlands. Raff schätzt die Größe, die Stimmung und die Atmosphäre in der Stadt. „Das ist fast schon ein Volksfest.“ Und er will wieder kommen. „Ich hab noch einen ganzen Keller voll. Das reicht noch ein paar Jahre.“ Allerdings wollten die Leute heute kaum noch Geld für Flohmarktartikel zahlen, bedauert er.

Woodstock im Kleinen – Das hat auch Tobias Kopp gemerkt. An seinen Stand gilt das Motto „alles muss weg“. Bücher für einen Euro wechseln den Besitzer, für den getrockneten Blumenstrauß reichen auch 50 Cent. Wer kauft, bekommt von ihm auf der Blockflöte ein Ständchen gespielt. „Alle meine Entchen“ gefolgt von „O du fröhliche …“. Ein bisschen schief, sein Repertoire ist arg begrenzt – den Leuten gefällt es trotzdem. Gute Geschäfte macht der, der redet wie ein Wasserfall. Da wechselt auch das schrillste Teil über den Tapeziertisch. Als Käufer schleppt man Zeug nach Hause über das man am nächsten Tag den Kopf schüttelt. Dafür trifft man alte Freunde und lernt neue kennen. Wer müde ist, legt sich ins Gras auf der Donauinsel und lauscht der Musik der Bands auf dem Inselfestival des Jugendforums – ein bisschen wie Woodstock im Kleinen.

( Fotos: Thomas Warnack) Von Marion Buck SZ Ried.

Eine Antwort auf „Die Experten kommen schon im Morgengrauen, zum Flohmarkt Riedlingen“

10000 Besucher für einen Floh- und Gerümpelmarktan einem Tag. Junge Junge, da müssen sich andere Gemeinden doch wohl mehr anstrengen. Selbst durch den Einsatz öffentlicher Steuer- Gelder und Einrichtungen werden sie solche Besucherzahlen nicht erreichen. Beifall!

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