Der Stadtstreicher – Kolumne 12

Im Federseemoor geht’s zurzeit wieder lustig her. Nicht nur beim Festen, das haben wir ja erfolgreich hinter uns gebracht. Auch die Fußballweltmeisterschaft wurde gekappt. Das war weniger lustig und hat Katerstimmung gebracht. Aber was so richtige, zähe Moormenschen sind, die lassen sich nicht so schnell abschrecken. Dafür stehen nicht nur unsere Riedmäckeler und Galgenvögel aus der Fasnet. Auch die früheren Ratsherren sollen laut Geschichtsbuch nicht immer ganz enthaltsam gewesen sein. Ich meine natürlich nur, was das Schlucken anbetrifft. Da sollen ja ganz schöne Gelage stattgefunden haben. Manche glauben, dass sei nicht viel schlimmer gewesen wie heute. Dabei denken Sie allerdings nicht an die Zecherei, nein, schon eher an das Gezerre im Rathaus. Ist ja mit dem Stammtisch sehr verwandt. Manche verwechseln vielleicht auch den Beratungstisch mit dem Biertisch. Kann ja mal sein, im Eifer des Gefechtes. Bloß sollte es nicht zur Gewohnheit werden.

Als Stadtstreicher liebe ich ja Diskussionen über alles. Als Zaungast kann man da auch viel lernen, manchmal auch schmunzeln, was da für Heu und Stroh heruntergestoßen wird. Es muss sich nicht immer um Hopfen und Malz handeln, wenn’s lustig-bunt zugeht. Aber wie es halt so ist, nicht jeder findet das alles so zum Lachen. Und die haben Recht. Der Sitzungssaal ist nun mal kein Wirtshaus, auch keine verträumte Weinlaube und schon gar kein Kaffeekränzchen auf Sternfahrt. Etwas gediegener und auch ernsthafter sollte es da schon zugehen. Märchenstunden sind ebenso wenig angebracht. Fakten und Sachverstand sollten da regieren; Ordnung und Vertrauen herrschen, Recht und Gesetz befolgt werden, aufrichtig und aufgeschlossen die Beratungen sein, erkennbar die Leitlinien des Handelns und Mühens, nachvollziehbar die Entscheidungen, Klarheit im allseitigen Umgang herrschen und.. und… und….. Das habe ich mir von jemandem sagen lassen, der es aus langer Erfahrungspraxis wissen müsste, weil ich das als Zuhörer leider noch nicht mitbekommen habe. Wie auch. Schön wäre es, solche Grundlagen vorzufinden.

Die Artikel, die ich seit längerer Zeit gesammelt habe, handeln von ganz anderen Sachen Buchauer Kommunalpolitik. Schon komisch, was da alles herum spukt, sofern das Moor überhaupt etwas an die Öffentlichkeit durchlässt oder nichtöffentliche Sitzungen eine Beurteilung ermöglichen: Befangenheiten des Bürgermeisters, verlangte und nicht ausgesprochene Entschuldigungen, aus dem Verkehr gezogene Gemeinderatsausschüsse, beanstandete Protokolle, persönliche Erklärungen und Gegenerklärungen, Beschuldigungen und Anschuldigungen, usw.usw. Da spielt sich im Sitzungssaal wohl zu viel im dunkelgrauen Grenzbereich ab oder im Kalkül der Wahrscheinlichkeit: geht schon, geht schon. Rechthaberei um jeden Preis. Anstelle von Einsicht Überheblichkeit, Eitelkeiten und Kränkungen. Ja, wenn einmal der Wurm drin ist im Holz….. reichen allein Beschwörungen nicht mehr aus.

Herr Weiss wurde ja durch die Kandidatur des Bürgermeisters Diesch zum Bundestag erst ins politische Netz eingebunden. Da begrüßte man plötzlich „amfedersee.de“ als Plattform sehr, obwohl Diesch das Medium vorher schon verteufelt hatte. Die Kandidatur zum Gemeinderat als Stimmenfang war auch noch willkommen. Das wollen wir mal nicht vergessen. Aber dann war er plötzlich gewählt und er wurde aus Neid als Aussätziger und Spinner gebrandmarkt. Als heiße Kartoffel fallen gelassen. Man unterschätzte ihn völlig als selbstbewusste Person mit Stehvermögen. Dachte er sei nur ein williges Handwerkszeug, nach Gebrauch wegzuwerfen. Alteisen zum Einschmelzen. Aber es entstand ein neuer Rohling, geschliffen und gehärtet durch die üblen Machenschaften seiner ehemaligen Vorbilder und jetzigen Peiniger.

Was der Bauer aussäht, wird er auch ernten. Und ein Bumerang kommt meistens zurück. Schon der Zauberlehrling hatte seine Mühe mit dem verselbstständigten Besen und es brauchte seines Meisters: In die Ecke, Besen! Besen!Seid’s gewesen. Also am Zaubermeister bleibt es hängen, die eskalierende Situation zu bereinigen. Wie heißt der wohl?

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