Der Stadtstreicher – Kolumne Nr. 41

Kolumne Nr. 41

Jetzt ist sie ausgebrochen, die Goldgräberstimmung in Buchau. Nun, ob die Abzocke am Federsee sich langfristig als gute Werbestrategie bewährt, wird sich erst in der kommenden Zeit zeigen, wenn sich die Methode herumgesprochen hat.  Aber wir haben einen erfahrenen Tourismusmanager als Bürgermeister, der wird das schon richtig einschätzen. Wer sonst sollte das besser beurteilen können? Trotzdem fände ich es schade, wenn vielleicht im Laufe der Zeit nur noch Halb so viele Besucher es sich leisten könnten, unsere Attraktionen zu bewundern oder auch nur verärgert oder enttäuscht unsere Stadt verlassen würden. Jeder Tourist war schließlich in der Vergangenheit auch eine Werbung für unser Gebiet. Viele haben den Aufenthalt wirklich geschätzt und genossen, ja und sind sogar wieder gekommen. Ob das mit Blick auf den Geldbeutel so bleibt? Man kann dies natürlich dann auch auf die laufend steigenden Benzinkosten abwälzen. Nichts sei wirksamer, als die Mund zu Mund Werbung, hat mir ein Fachmann gesagt. Aber vielleicht ist meine Skepsis tatsächlich unangebracht. Dann könnte man der Stadt zu diesem Beschluss wirklich gratulieren.

Sicher nicht nur als gewöhnlich gebildeter Stadtstreicher ärgert man sich einfach, dass man Sachverhalte und Zahlenangaben sowie Zusammenhänge immer erst selbst mühsam und zeitaufwendig recherchieren muss. Keine diesbezüglich klaren Aussagen oder Hinweise kommen vom Rathaus. Ignoranz des mündigen Bürgers, nennt man das. Dabei würde mit offensiver Unterrichtung, das Verständnis und Interesse unheimlich bereichert, auch unnötige Diskussionen oder Mutmaßungen könnten eingespart werden. Der Bürger hat Anspruch auf vollständige Aufklärung (ohne Bittstellung einzunehmen oder einen Kniefall zu machen!!), dazu gehören auch Hintergrundinformationen. Bei den heutigen modernen Veröffentlichungsmöglichkeiten wirklich kein Problem mehr, wie zahlreiche andere Gemeinden dies auch beweisen (Internetprogramme).Natürlich ist dadurch auch der Erwartungsdruck gegenüber der Verwaltung gestiegen. Wie man es vorbildlich anders machen kann, zeigt Bad Waldsee mit dem Städtebaulichen Rahmenplan auf (siehe Artikel „amfedersee.de“ Bürger können bei Stadtentwicklung mitreden-aber eben nur in Bad Waldsee). Anstelle von Klausurtagen des Gemeinderats werden hier fachlich begleitete öffentliche Werkstätten mit den Bürgern abgehalten.

Die Stadt ist gesetzlich zur Bringschuld an Information und Unterlagen verpflichtet. Es ist an der Zeit, das Geheimkartell des Rathauses zu beenden und sich der gesetzlich angemahnten „Förderung des Bürgerinteresses“ endlich zu stellen. Die Förderung des Bürgerintereses erreicht man allerdings nicht durch Beklatschen und Beweihräucherung von festgeschriebenen oder abgeschlossenen Ergebnissen, sondern nur durch Mitgestaltungsmöglichkeiten. Alles andere ist ein gewöhnlicher Informationsabend oder ein besseres Kaffeekränzchen. Eine Bürgerversammlung ist auch kein Strammstehen zum Befehlsempfang. Das meint der Gesetzgeber natürlich nicht. Mit einer möglichst frühzeitigen Unterrichtung ist an eine aktive Beteiligung des Bürgers gedacht. Man kann sich an diesen meinen Aussagen reiben – einfach abtun kann man sie nicht, dafür stehen zu eindeutig die nicht eingehaltenen gesetzlichen Forderungen. Denen wird man sich irgendwann einmal stellen müssen.

Nicht umsonst haben wir bei Wahlen eine solch schlechte Beteiligung. Der Bürger fühlt sich bei uns scheinbar besonders „ungebraucht“, „abgeschoben“ und „ausgesperrt“. Wie soll er da bei Wahlen plötzlich Interesse zeigen? Diese deutliche Aussage ist einmal angebracht. Der Bürger ist halt mehr als eine Abstimmungsmaschine … und mehr als ein Kinderspielzeug abgehobener Bürgervertreter.

Auch wenn mich die meisten nicht ganz so ernst nehmen, ändert das nichts an diesen fatalen Gegebenheiten. Der Informationsbereich in Bad Buchau ist gleich wie bei der Wahlbeteiligung: rückständig und weit unter dem Durchschnitt. Bürger eines Naturschutzgebietes, deren politische Bewegungsfreiheit vom Rathaus eigenwillig gesteuert wird.

Ich hoffe, dass sie persönlich im Osternest keine ungelegten Eier vorfinden. Ein frohes, sonniges Osterfest. Ihr Stadtstreicher.

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