Der Stadtstreicher – Kolumne 18

Vor kurzem hat mir ein Nachbar prophezeit, die Buchauer würden mich sicher noch ins „Rathaustürmle“ verfrachten, wenn ich mein Maul weiter so unverschämt aufreißen würde. Das hat mich schon nachdenklich gestimmt. Weil ‘s Türmle in Buacha scho an Begriff isch. Da wäre nämlich mal schon fast einer verdurstet, weil man ihn bei seiner Ausnüchterung fast vergessen hätte. Auch sonst gibt es da unrühmliche Buchauer Geschichten und viele arg verzweifelte Stunden von Insassen. Es erinnert irgendwie fast an die Bastille in Paris oder den Tower in London. Also darüber sollte man nicht spaßen. Ich habe natürlich schon verstanden, was da mein Kollege gemeint hat: eine ernstgemeinte, spezielle Buchauer Drohung. Ob das mit dem Buchauer Weg gar etwas zu tun hat? Überhaupt das Rathaus, war immer schon sehr vielseitig…..sehr vielseitig genutzt. Vor allem das Erdgeschoß : Verwahrung von Übeltätern, Ausnüchterungszelle, Übernachtung für Obdachlose, Unterstellplatz für den Leichenwagen, Domizil der Freiwilligen Feuerwehr, Notariat und Verkehrsamt, wie meine Nachforschungen ergaben. Im Obergeschoß befand sich schon immer die mehr oder weniger frequentierte Residenz der Schultes (Bürgermeister) und der Sitzungssaal der hohen Ratsherren. Heute hat die wuchernde Bürokratie sich das ganze Gebäude unter den Nagel gerissen. Nur‘ s Rathaustürmle ist wirklich mittelalterlich konserviert mit entsprechend Respekt einflößenden Türen und Türverschlägen versehen, kleine schmideisenvergitterte Gucklöcher lassen einen erschauern. Eine visuelle Bedrohung für jeden Besucher. Fehlen nur noch die Folterwerkzeuge. Deswegen würde ich mein Maul auch nie direkt im Rathaus aufmachen. Da kann ich natürlich das Rumgedruckse der Bürger schon verstehen, auch das zaghafte Getue der Gemeinderäte. Solch enge räumliche Verbindungen dämpfen schon das Arbeitsklima, aber noch schlimmer, scheinbar auch freiheitsliebende Gedanken. Da ist manche erbitterte Reaktion des Rathauses auf angeblichen Ungehorsam der Bürger viel verständlicher. Also haben wir Nachsicht mit diesen Herren…. und Verständnis. Aber zu viel Mitleid ist vielleicht dann doch nicht angebracht, vor allem dann, wenn sich Bürger in ihrer demokratischen Respektierung eingeschränkt fühlen. Also ein gewisses Risiko hier zu landen, muss ich wohl eingehen. Mein Nachtlager werde ich aber ab sofort jeden Tag doch verlegen. Jetzt habe ich mich eingehend mit meiner Lage auseinandergesetzt. Entschuldigung. Aber meine freie Gesinnung ist mir schon was Wert.

Stadtrat Weiss wirft man immer vor, er sei destruktiv, ein notorischer Nein-Sager, bringe alles durcheinander und erkenne das Wesentliche nicht. Vor allem der Bürgermeister tut dies mit allergrößtem Energieaufwand und allen Mitteln. Dazu möchte ich einmal nur bemerken, dass nahezu fast alle Gemeinderatsbeschlüsse einstimmig verabschiedet werden (Sie sind überrascht? Aber es ist so und dokumentiert!). Nur um wenige Punkte wird zu recht (heftig) gestritten, (lange) diskutiert und (notfalls) auch gerechtet. Das hat aber dann einen ernsten, sachlich belegten Hintergrund, den andere Stadträte aus welchen Gründen auch immer nicht sehen wollen oder aus Gehörigkeit/Loyalität gegenüber dem Bürgermeister unterdrücken. Als Büttel des Bürgermeisters sind sie aber nicht gewählt worden. Die kritische Einstellung bei gewissen Punkten bringt nur Stadtrat Weiss auf. Er ist es, der den Finger in die Wunde legt. Gut, vielleicht manchmal etwas unkonventionell, nicht im Krawattenstil vorgetragen, aber ehrlich bestrebt und zielgerichtet. Duckmäuser mögen das, mangels eigener Meinung, gar nicht gern. Schlimmer ist, dass man aus Neid und Missgunst grundsätzlich nicht in der Lage ist, sich dem einen oder anderen Argument von Weiss anzuschließen. Ja, man lässt ihn jetzt nicht einmal mehr ausreden. Das ist schon Arroganz – vielleicht auch noch was Schlimmeres – in höchster Potenz. Oder pure Angst vor eigener Schwäche und Unfähigkeit? Um das zu vertuschen bzw. davon abzulenken, braucht man ein Feindbild. Weiss wird zum Pferd von Troja aufgebaut, zum Alptraum erklärt. Er ist der Ursprung allen Buchauer Übels, ein Brand- und Schadenstifter. Eine einfache Sache, die leicht zu vermitteln ist und viele allzu gerne glauben. Leider! Wirklich raffiniert eingefädelt. Aber Vorbilder gibt es da auch in der Geschichte.

Nun sind die Bürger aufgerufen, Fragen an den Bürgermeister zu stellen. Das setzt natürlich voraus, dass man sich mit der Rathauspolitik beschäftigt. Viele Bürger werden ja nur wach, wenn es um spezielle eigene Interessen geht: Rentenantrag, Baugesuch, Reisepass, Standesamt, Strafzettel oder sonst ein ganz persönliches Anliegen haben. Auch Vereine und Organisationen haben gezielte Wünsche. Die öffentliche Infrastruktur (Einrichtungen) der Stadt, die aber in der Summe das Dasein der Bürger in diesen Mauern erst lebenswert machen, sind dagegen nur sporadisch von Bedeutung, wenn man sich gerade über etwas ärgert. Aber wirklich kümmern, was da oben im Rathaus so gebastelt, beraten und beschlossen wird, tun sich leider nur wenige. Der Rest lebt vom Hören und Sagen, von der Presse und vom Federseejournal. Das gibt halt nur ein recht oberflächliches, grobes Bild, was im Rathaus nicht unwillkommen ist. Da sind die, die im Internet „amfedersee.de“ durchstöbern noch ganz gut auf dem Laufenden und wissen noch am ehesten „wie der Hase läuft“. Aber dann, wenn es zu spät ist, Gelegenheiten und Chancen vertan sind, schimpfen alle. Bin mal gespannt, was bei dieser gebotenen Fragemöglichkeit alles aufgetischt und vor allem wie dem Bürgermeister „auf den Zahn“ gefühlt wird. Ob die Bürger mit dem Wirken und Werken des Chefs des „Haus des Rates“ zufrieden sind?

Na dann, ein „Prost“ auf den Wahlkampf.

Anmerkung: So ein umtriebiger Bürgermeister wie Herr Diesch besucht natürlich auch ein Oktoberfest. Unbekannt, ob das in München oder in Bad Schussenried. In Bad Schussenried wäre es ein guter Schachzug, bei einer „Maß“, auf das Problem Progymnasium der beiden Städte anzustoßen und sich einmal in gelöster Stimmung um eine Einigung zu unterhalten. Im Münchner Bierzelt wäre es natürlich unglaublich wichtig, zu wissen, dass es einen Bad Buchauer Bürgermeister Diesch im Oberschwäbischen gibt. Ja, unser Bürgermeister kennt halt die Prioritäten seiner Amtsführung!

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