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Bad Buchau am Federsee

Der Missbrauchs-Skandal in Deutschland nimmt immer größere Ausmaße an.

„Jeder wusste es – und alle haben geschwiegen“

Zitate, Berichte aktueller Tageszeitungen:

Ex-Domspatz: Prügel noch und noch

Der Missbrauchs-Skandal, der die katholische Kirche erschüttert, hat jetzt auch die weltberühmten Regensburger Domspatzen erreicht. Ein Sprecher des Bistums Regensburg sagte am Donnerstag, dass es in den 50er und 60er Jahren auch bei dem Knabenchor Missbrauch gegeben haben soll. „Schwere körperliche Misshandlungen, schwere seelische Misshandlungen, sexuelle Übergriffe“ – das alles hat es nach Auskunft eines ehemaligen Schülers Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre bei den Regensburger Domspatzen gegeben.

„Eine Kultur des Wegsehens“ in der katholischen Kirche: Ermittler geht von 100 Opfern im Kloster Ettal aus.

Eine systematische „Kultur des Wegschauens“ und Verschweigens habe den Tätern ihr Treiben erleichtert. Es habe sich bei den Vorfällen um Verfehlungen Einzelner gehandelt, man dürfe sich die Benediktiner-Abtei deshalb nicht als Gemeinschaft prügelnder und missbrauchender Klosterbrüder vorstellen, sagte der Sonderermittler. Der Münchner Strafverteidiger sagte, er werde mit Schreiben ehemaliger Schüler geradezu überhäuft. Diese berichten unter anderem von „absolutem Terror“, der in dem Kloster geherrscht habe. Ein anderer schreibt: „In Ettal herrschte ein Terrorregime“. Rund 100 Opfer hätten sich bisher bei ihm gemeldet, so Pfister. Er nannte die Schilderungen glaubhaft.  Kinder in Schule und Internat des bayerischen Klosters Ettal waren jahrelang teils sadistischer körperlicher Züchtigung und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Das hat der von der Benediktiner-Abtei eingesetzte Sonderermittler Thomas Pfister am Freitag in Ettal in einem erschütternden Bericht geschildert. Auf Drängen des Erzbistums München-Freising ist der Ettaler Benediktinerabt Barnabas Bögle (53) zurückgetreten. Grund ist ein bisher nicht öffentlich bekannter Missbrauchsverdacht gegen einen Ettaler Benediktiner aus dem Jahr 2005. Im Mai 2005 war Bögle zum Abt des Klosters gewählt worden. Das Erzbistum machte geltend, dass Bögle in diesem Fall seiner seit 2002 bestehenden Meldepflicht gegenüber der Erzdiözese nicht nachgekommen sei. Der Abt habe die Erzdiözese am Mittwochmorgen über den Regelverstoß informiert und sei dann der Rücktrittsbitte nachgekommen.

Weiterer Missbrauchsfall der Kirche in Hessen

In Hessen wurde am Freitag ein weiterer Verdachtsfall von sexuellem Missbrauch bekannt. 1976 seien nach Angaben eines Opfers mehrere Schüler im damaligen Heim der Stiftsschule Amöneburg von einem pädagogischen Laienmitarbeiter missbraucht worden, teilte das Bistum Fulda mit. Zuvor hatte das Bistum Fulda mitgeteilt, dass es zwei Verdachtsfälle gebe. Im Bistum Limburg werden fünf Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Im Bistum Limburg bekräftigte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst noch einmal, „rückhaltlos alles für die Aufklärung“ tun zu wollen. Fünf Priester, von denen drei gestorben sind, sollen sich an Jungen und Mädchen vergangen haben. Die Fälle reichen bis in die 40er Jahre zurück.

Erneut Anschuldigungen erhoben

Die laut gewordenen Missbrauchs-Vorwürfe in einem ehemaligen Kinderheim in Oggelsbeuren im Kreis Biberach werden immer konkreter. Gegen den ehemaligen Pfarrer liegen inzwischen detaillierte Anschuldigungen vor. Das bestätigte der Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Thomas Broch gegenüber DONAU 3FM. Demnach soll es drei mutmaßliche Opfer geben. Sie sollen Ende der Woche vom Diözesanrichter gehört werden. Während ganz Deutschland über die Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen spricht, wollen viele Menschen vor Ort nicht glauben, was Paul Nägele aus dem ehemaligen Heim in Oggelsbeuren zu berichten hat. Sie stellen sich schützend vor die Schwestern und den Pfarrer.

Dass ehemalige Heimbewohner von Oggelsbeuren sich nach so langer Zeit zu Wort melden, kann Sofie Stöferle aus Heufelden nicht verstehen. Von 1960 bis 1962 hat sie in dem Oggelsbeurer Heim als Haushaltsgehilfin gearbeitet und die Schwestern dort hätten sich die größte Mühe gegeben. Wer nach 30 Jahren redet, „macht sich doch nur wichtig“, sagt die Frau.

Nur peinlich, genau die gleichen Aussagen  wie von einigen Bürgern aus Bad Buchau zum sexuellen Missbrauch des Jugendmusikschulleiters in Bad Buchau 2009. .. macht sich doch nur wichtig.


Missbrauchsverdacht in Kinderheim und Behinderteneinrichtung

Der Skandal um Missbrauchsfälle aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren weitet sich aus. Mindestens sechs katholische Einrichtungen sind mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Darunter zwei ehemalige Heime der Salesianer Don Boscos in Augsburg und Berlin, wo drei Geistliche und ein Mitarbeiter Minderjährige missbraucht haben sollen.

Ebenfalls betroffen sind ein ehemaliges Kinderheim der Vinzentinerinnen im oberschwäbischen Oggelsbeuren sowie das Maristen-Internat im bayerischen Mindelheim und das frühere Franziskaner-Internat in Großkrotzenburg bei Hanau.

Massive Missbrauchsvorwürfe gibt es auch gegen frühere Mitarbeiter des Franz-Sales-Hauses in Essen, einer renommierten Behinderten-Einrichtung. Der heutige Leiter der Institution erklärte dem SPIEGEL, „ohne Rücksicht auf das Image der Einrichtung“ für Aufklärung sorgen zu wollen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass sich nicht nur Männer sondern auch Frauen an jesuitischen und anderen katholischen Schuleinrichtungen an weit über 100 Kinder vergangen haben sollen.

Auch Fälle aus anderen Teilen Deutschlands wurden gestern bekannt, so im damaligen Heim der Stiftsschule Amöneburg (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und in Burghausen (Landkreis Altötting).

Auch die Berliner Anwältin Ursula Raue, die im Fall des Missbrauchs am Canisius-Kollegs als Vermittlerin zwischen Jesuiten und Opfern tätig ist, erhält immer noch Meldungen von weiteren Betroffenen aus ganz Deutschland, die in der Vergangenheit von katholischen Geistlichen missbraucht wurden. Darunter seien sowohl Berliner als auch Menschen aus anderen Städten, sagte sie der Berliner Morgenpost gestern Abend.

In Bayern und den Niederlanden sind neue Missbrauchsfälle an katholischen Internaten bekanntgeworden. Am Studienseminar der Kapuziner im bayrischen Burghausen kam es 1984- 85 zu Missbrauch von Jugendlichen, wie der Provinzial der bayerischen Kapuziner, Pater Josef Mittermaier, am Donnerstag mitteilte. Der Papst wird nächsten Freitag mit dem deutschen Erzbischof Zollitsch über die Causa sprechen.

Bei den Vorwürfen gehe es um „handfesten sexuellen Missbrauch“, bestätigte Provinzial Mittermaier. Es habe damals mindestens drei Opfer gegeben. Die Vorfälle würden jetzt veröffentlicht, um möglichen weiteren Missbrauchsopfern die Gelegenheit zu geben, sich zu melden „und die schrecklichen Erlebnisse aufzuarbeiten“. Sie seien damals zunächst nur intern mit den Betroffenen, den Eltern und der Provinzleitung aufgearbeitet worden. Die Vorwürfe hätten sich erhärtet, der beschuldigte Pater sei versetzt worden. Inzwischen sei er von allen Aufgaben suspendiert, aber noch Mitglied des Ordens.

Eine Anzeige sei damals nicht erfolgt, sagte Mittermaier. Heute wäre dies Standard, versicherte er. Juristisch aufgearbeitet wurden die Vorwürfe erst im Jahr 1991 nach einer anonymen Anzeige. Damals seien die Vorwürfe aber bereits verjährt gewesen, da es sich bei den Opfern nicht um Kinder gehandelt habe.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Zollitsch, wird am Freitag, 12. März, von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen. Bei dem Treffen will Zollitsch den Papst über die Ergebnisse der Frühjahrsvollversammlung in Freiburg informieren. Dabei werde es auch um den Missbrauchsskandal gehen.

Auch in den Niederlanden wurden Dutzende neue Missbrauchs- Fälle bekannt. Auslöser sei ein Zeitungsbericht über sexuelle Gewalt in einem niederländischen Internat des Salesianer- Ordens vergangene Woche gewesen, sagte Pieter Kohnen von der niederländischen Bischofskonferenz. Seit Freitag seien rund 70 Fälle bekanntgeworden, die Jahrzehnte zurückliegen. Die meisten stammten aus den 50er und 60er Jahren. Die niederländische Bischofskonferenz will am 9. März darüber befinden, ob eine Untersuchung größeren Ausmaßes begonnen werden soll.

Drei mutmaßliche Opfer an Internat von Don-Bosco-Orden

Den Haag – Nach dem Bekanntwerden mutmaßlicher Missbrauchsfälle an einem katholischen Internat in den Niederlanden in den sechziger Jahren will die zuständige Ordensgemeinschaft eine Untersuchung einleiten. Die Opfer seien ihre „größte Sorge“ und sie hätten ein Recht darauf, dass das, was ihnen angetan worden sei, anerkannt werde, erklärte der Orden Salesianer Don Boscos am Montag. Daher habe der Orden, der das Internat in der Region Arnheim leitete, die Eröffnung einer Untersuchung der Fälle entschieden.

Am Freitag hatte eine niederländische Zeitung vom Schicksal eines früheren Internatschülers berichtet, der von Geistlichen sexuell missbraucht worden sein soll. Bisher seien drei Opfer identifiziert worden, erklärte der Orden. Die Vorfälle seien zwar verjährt, da das Internat bereits 1971 geschlossen wurde. Die Untersuchung soll nun aber Aufschluss über weitere Opfer zwischen 1958 und 1971 geben.
Oben genannte Zitate, Berichte aktueller Tageszeitungen:
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PS:
Wenn sie diese Zeilen gelesen haben wundert man sich schon wie das solange unter den Tisch gekehrt werden konnte. Zivilcourage ist das Wort das sehr vielen fehlt. Da frage ich mich schon, wie weit kann man Haltung bewahren zu dem Thema, was auch für Bad Buchau gilt, oder wie weit muss man sich verbiegen um hier noch angesehen durch Bad Buchau gehen zu können. Erstaunlich für mich ist dass  Gremien und Bürger nicht den Mut hatten sich dagegen zu stellen und laut zu protestieren nach außen hin. Im Gegenteil, gab und gibt es immer noch Bürgern die den Täter ermuntern beim herab spielen der Tat, leider. Wenn ich allerdings so zurück blicke die letzten paar Monate in Bad Buchau, kann ich manchen Bürger verstehen.
(… wer darüber redet, bringt die Stadt in Verruf und schändet sie…  Zitat R.P.  Bad Buchau )

5 Antworten auf „Der Missbrauchs-Skandal in Deutschland nimmt immer größere Ausmaße an.“

R.P. kenne ich nicht. spricht mir aber aus der seele. O-ton einer „angesehenen“ bad buchauerin ( im gespräch mit einer bekannten in einem buchauer supermarkt) :

„das ist nicht in ordnung daß immer noch weiter über diese sache gesprochen wird. so schlimm wir des nicht gewesen sein. vermutlich hat es den mädle noch gefallen, sonst hätten sie ja früher schon was gesagt.“

erste reaktion von mir : sprachlosigkeit.
zweite reaktion : ich habe diese dame gefragt ob sie wohl auch so reden würde wären ihre (inzwischen erwachsenen) kinder oder enkel betroffen gewesen. mit den wünschen daß sie doch hoffentlich nie mit „so einer sache“ konfrontiert werden möge habe ich mich verabschiedet und sprachlosigkeit auf der anderen seite erlebt.

peinlich und dürfte eigentlich nicht wahr sein.

wie in kirchlichen Einrichtungen, werden bald mehr Missbrauchsfälle von Leuten in weltlichen Behörden ans Licht kommen. Da spielt es keine Rolle, ob die Vorfälle schon verjährt sind.
Aber es ist ja alles anders, wenn man den „angesehenen Missbraucher“ kennt. Da wird beschönigt und heruntergespielt.
Ganz schlimm finde ich, wenn, wie beim mitangehörtem Gespräch,
Frauen ! so daher reden. Sie müssten doch gerade mehr Feinfühligkeit bei dem Thema haben. Darüber bin ich doppelt entsetzt.
Mag sein, dass sich die angesehenen Damen im Supermarkt gerne von anderen Männern begrapschen lassen und es ihnen gefällt. Nur so könnte ich ihre Meinung nachvollziehen.

korrektur :
nachgedacht,….
R.P. = SR in bad buchau? wie kann man sich so äußern?
übrigens mein erster satz :“spricht mir aus der seele“ bezog sich auf das zitat “ nur peinlich und dürfte eigentlich nicht wahr sein“ – um mißverständnisse zu vermeiden.
tut mir schrecklich leid, immer wieder stößt man auf dieses thema und mit jeder weiteren konfrontation stellt sich ein gefühl des unverständnisses, entsetzens und auch wut ein wie seitens des BM und der mehrheit der stadträte reagiert wurde. stellt sich automatisch die frage was da wohl noch alles im verborgenen, sprich verschwiegenem liegt.
auf jeden fall hat ein grosser vertrauensbruch vorgelegen und liegt immer noch vor. ich denke nicht nur, sondern hoffe, daß sich diese „verlogenheit“ auf die nächsten bm-wahlen auswirkt. und daß ebenso die „mündigen“ bürger sehr wohl abwägen wen sie als stadtrat haben wollen.
rücktritt von dem amt des sr würde ich da einem „ach so geachteten wie profilsüchtigen R.P. anraten. wer so reagiert vertritt die bürger nicht.

ob bei der heutigen gemeinderatssitzung wohl wiederholt eine entschuldigung R.P. @ Weiss gefordert wird?
ob es eventuell eine überraschung gibt und SR preißing und OB Diesch bringen eine entschuldigung an?
wir alle sind gespannt ob aufrichtigkeit, zur wahrheit stehen, fairness, objektivität und vernunft wieder im rathaus einkehren wird.
wäre wünschenswert aber vermutlich nur eine vision.

Lieber Paul,
melde Dich Bitte dringend bei mir, habe deinen Artikel gelesen, endlich mal einer der den Mund aufgemacht hat – war mit Dir zur gleichen Zeit im Heim,
bei Schwester Reginalda ( „Aufstehen Matrazen drehn wer geschift hat zum Duschen Gehn“).

Hoffendlich bis bald,
Hans-Peter

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