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Bad Buchau am Federsee

Der Federseesteg bekommt einen kleinen Bruder

Bad Schussenried

Ein Steg, der in eine ursprüngliche Schilflandschaft führt und den Spaziergängern ein einmaliges Naturerlebnis verspricht – das klingt doch irgendwie vertraut. Planer Fritz Kusterer verhehlte in der jüngsten Ratssitzung denn auch nicht, wer für das neue touristische Projekt in Bad Schussenried Pate gestanden hat: „Der Zellerseesteg soll in ähnlicher Form aufgebaut sein wie am Federsee.“ Denn was in Bad Buchau Vogelkundler und Erholungssuchende in Scharen anlockt, das könnte – im verkleinerten Maßstab – auch in Bad Schussenried funktionieren, waren sich die Stadträte am Donnerstagabend einig. Heftig diskutiert wurden dagegen die voraussichtlichen Mehrkosten.

Über eine Länge von 450 Metern soll der Steg entlang des nördlichen Uferbereichs verlaufen. Die gesamte Strecke verfüge über kein nennenswertes Gefälle, erläuterte Fritz Kusterer, Freier Garten- und Landschaftsarchitekt der Werkgruppe Gruen aus Stuttgart. Als barrierefreies Projekt ist der Stegbau mit Leader-Geldern förderfähig. Selbst ein 20 Meter langer Stichweg, der zu einem überdachten Aussichtspukt hin leicht ansteigt, werde für Rollstuhlfahrer geeignet sein.

Der sechs Meter lange und 1,10 Meter hohe Aussichtspunkt könne damit auch älteren oder gehbehinderten Menschen „die Möglichkeit geben, den Seebereich intensiver zu erleben“, so Kusterer. An der Seite weise das Häuschen Sehschlitze auf, „um Wildvögel beobachten zu können“. Für Erholungspausen zwischendurch sind aber auch entlang der Strecke sind immer wieder kleine Nischen mit Sitzbänken vorgesehen. Mehr über die Eigenheiten des Zellersees, seine Tier- und Pflanzenwelt sollen die Besucher auf Schautafeln erfahren können.

Mit Ausnahme des Aussichtshäuschens aus Lärchenholz soll der Zellerseesteg wie sein großer Bruder am Federsee aus massiver Eiche gefertigt werden. Allerdings habe man eine andere Tragkonstruktion mit Querbalken gewählt, berichtete Planer Kusterer. Doch auch bei dieser Bauweise werde man möglicherweise nach einem Jahr zehn bis 15 verbogene Bohlen austauschen müssen, gab Kusterer die Erfahrung des Buchauer Stegbauers Georg Rechsteiner weiter. Mögliche Folgekosten könne man daraus aber noch nicht ableiten, antwortete der Landschaftsarchitekt auf die Nachfrage UL-Stadtrats Michael Groß.

Heinz Franz (CDU) beschäftigte, genauso wie FUB-Stadtrat Ludwig Wahl, zudem noch ein anderes Problem: „Ich bin am Federsee relativ geschockt über die Vermüllung, da findet man alles, von Schuhen bis zu Zigarettenschachteln und Dosen.“ Ob denn hier noch weitere Kosten auf die Stadt zukämen? Visuelle Kontrollen seien unabdingbar, erwiderte Kusterer. „Wenn wir eine Attraktion schaffen, müssen wir auch den Müll entsorgen“, entgegnete Bürgermeister Achim Deinet. Mit einem allzu großen Problem rechnet Wolfgang Dangel (UL) allerdings nicht: „Wir kriegen nicht die vielen Personen, die am Federsee sind.“

Doch auch wenn der touristische Ansturm nicht allzu groß ausfallen dürfte: „Das Projekt an sich ist gut“, befand Alexander Eisele. Weniger gut empfand der FUB-Fraktionssprecher, in Übereinstimmung mit CDU-Fraktionssprecher Karl Ammann, dagegen die zu erwartenden Mehrkosten gegenüber dem Haushaltsansatz im vergangenen Jahr: „Ich finde es durchaus bedenklich, dass wir nicht vorher darüber gesprochen haben und heute über einen Ausschreibungsbeschluss abstimmen.“

Auch UL-Stadtrat Groß hatte zuvor die Höhe der Kosten kritisiert: „Ich bin überrascht, ich finde es schon ein bisschen viel – vor allem, weil wir immer noch keine Gesamtkonzeption für den Zellersee haben.“ Die finanzielle Seite des „touristischen Highlights“ sei hier weniger das Problem, argumentierte dagegen Frank Spähn, Fraktionssprecher der Freien Wähler: „Problematisch sehe ich, dass wir noch keinen Haushaltsplan haben und uns so keinen Überblick verschaffen können.“

Der Bau des Zellerseestegs sei aber doch schon im Haushalt 2012 veranschlagt und genehmigt worden, entgegnete Kämmerer Carsten Kubot. „Damals lag eben eine Kostenschätzung zugrunde, heute haben wir eine Kostenberechnung“, erklärte Kubot die Mehrkosten.

Ein Teil des Gremiums betrachtete die Entwicklung weiterhin kritisch, Wolfgang Dangel sprach sich nach längerer Diskussion dennoch für eine Entscheidung aus. „Jetzt haben wir schon das andere Großprojekt nicht hinbekommen und jetzt machen wir hier auch noch rum“, spielte der UL-Stadtrat etwas entnervt auf den missglückten Ratsbeschluss zu den Bauplätzen am Kurpark an: „Wenn wir das jetzt nicht hinbekommen, dann kommen wir umsonst hier in die Sitzung. Wir müssen auch mal den Mut haben.“

Allerdings mit zweifacher Deckelung: So darf die Gesamtbausumme 236000 Euro nicht überschreiten, der Anteil der Stadt muss sich innerhalb eines Rahmens von 70800 Euro bewegen. Damit könnten die vorbereitenden Maßnahmen, zu denen auch Rodungsarbeiten gehören, noch vor Ablauf der Vegetationsruhe am 28. Februar beginnen. SZ bc. grueninger

Eine Antwort auf „Der Federseesteg bekommt einen kleinen Bruder“

In Bad Buchau wurden nach Eröffnung in den ersten Monaten 80 – 120 Eichenbohlen ausgetauscht. Der vermurkste Eichenholz Handlauf steht zum kompletten Austausch an.
Eis, Schnee und Frost zerlegen das Holz in seine Bestandteile durch falsche und zu tief versenkte Schrauben. Ab Frühjahr werden wieder still und leise ganzjährig gesprungene und gerissene Bohlen an Boden und Handlauf ausgetauscht, wie jedes Jahr bis zum Winteranfang. Ein Beschäftigungsprogramm für Arbeit suchende Harz4 Schreiner ist es allemal.

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