„Der AfD nicht voreilig Mitschuld für Hanau geben“

Deutschland Boris Palmer

Der Grünen-Politiker will außerdem nicht auf politisch korrekte Sprache bestehen.

Stand: 26.02.2020 | Lesedauer: 2 Minuten

Eine Stadt ringt um Fassung. Auch drei Tage nach dem Anschlag ist die Trauer in Hanau groß. Konnte wirklich keiner etwas im Vorfeld merken? Der Chef des Schützenvereins äußert sich.

Quelle: WELT/Nadine Mierdorf Autoplay Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer findet, es sei gefährlich, der AfD allzu schnell eine Mitschuld an den Morden in Hanau zu geben. Der Grünen-Politiker will außerdem nicht auf politisch korrekte Sprache bestehen. 93

Boris Palmer, Grünen-Politiker und Oberbürgermeister von Tübingen, hat davor gewarnt, der AfD „voreilig“ eine Mitschuld an den mutmaßlich rassistisch motivierten Morden in Hanau zu geben.

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schrieb Palmer, man spiele der AfD in die Hände, wenn man die Partei ausgrenze und stigmatisiere. „Die Gewissheit, die AfD müsse sich eine Mitschuld an dem Attentat anrechnen lassen, weil sie ein geistiges Klima geschaffen habe, das solche Taten erst ermögliche, war 24 Stunden nach den Morden zumindest voreilig.“

Zudem zweifelt Palmer die These an, ein als politisch inkorrekt wahrgenommener Sprachgebrauch könne helfen, Weltbilder entstehen zu lassen, die letztlich zu schweren Gewalttaten wie in Hanau führten. Lesen Sie auch

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Er warnte, „dass der inflationäre Gebrauch des Rassismus-Vorwurfs gegenüber einer Kopftuchkritikerin wie Alice Schwarzer oder einer Kulturkritikerin wie Anja Rützel es den gefährlichen Rassisten erlaubt, sich hinter ehrenhaften Menschen in Deckung zu bringen“.

Wer Menschen mit grundlegend anderen Meinungen sprachlich erreichen wolle, müsse vielmehr „seine Argumente streng überprüfen und alles weglassen, was in erster Linie dazu dient, die eigene Weltsicht zu stützen“.

„Er hatte einen Plan. Und er war klar genug im Kopf, diesen zu verwirklichen“

Zudem forderte Palmer, sich in die Angst von Menschen mit Migrationshintergrund vor rassistisch motivierter Gewalt hineinzuversetzen. Die Morde in Hanau sollten „genügen, um jedem vernunftbegabten und mitfühlenden Menschen klarzumachen, dass wir alle aufgerufen sind, die Ausbreitung solcher Gedanken so einzuschränken wie die des Coronavirus.“

Zum Täter von Hanau, über dessen mentalen Zustand nach der Tat vielerorts spekuliert wurde, schrieb Palmer, dieser sei zumindest nicht zu verwirrt gewesen, um den verheerenden Angriff begehen zu können. „Egal wer ihn beeinflusst hat, egal woher seine Ideen kamen, egal welchen Geisteszustandes er war: Er hatte einen Plan. Und er war klar genug im Kopf, diesen zu verwirklichen.“ https://www.welt.de/politik/deutschland/article206163113/Boris-Palmer-AfD-nicht-voreilig-Mitschuld-fuer-Hanau-geben.html

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