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Bad Buchau am Federsee

Biberacher Steuergeldverschwendung im Schwarzbuch 2013

IMGP0284bild: dpaw

Biberach, Kreis Biberach. An der neuen Nordwestumfahrung Biberach im gleichnamigen Landkreis können sich Spaziergänger und Radfahrer an zwei neuen Brückenbauwerken erfreuen, deren Bau bundesweit Interesse weckt. Denn diese Brücken sind Fledermausbrücken. Fledermausbrücken? Fliegen Fledermäuse nicht üblicherweise? Stimmt. Und dennoch wurden die Brücken gebaut. Die Brücken sind Teil der Gesamtmaßnahme „K 7532 neu Nordwestumfahrung Biberach“. Durch die neue Umfahrung werden zwei Waldkomplexe durchschnitten, die als Jagdreviere von zahlreichen Fledermausarten genutzt werden. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass Fledermäuse nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten sind, die nicht getötet werden dürfen. Sollte ein bauliches Vorhaben dagegen verstoßen bzw. wie die Juristen sagen „das Tötungsverbot verwirklichen“, darf das Vorhaben nicht genehmigt werden. Untersuchungen zum Flugverhalten von Fledermäusen haben ergeben, dass manche Arten sich an Strukturen wie Bepflanzungen, Hangkanten oder Böschungen orientieren und entlanghangeln. Werden diese Strukturen nun verändert oder fallen weg, haben die Fledermäuse ein Problem. Also entschied man sich, zwei Fledermausbrücken zu bauen, „um die Verbundkorridore wieder herzustellen und den Fledermäusen eine gefahrlose Querung der Straße zu ermöglichen“, wie das Landratsamt mitteilt. Der Vorschlag dazu kam übrigens von der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Tübingen. Der Haken an der Idee: Da die strengen Schutzvorschriften relativ neu sind, fehlen Erfahrungswerte. Es gibt zwar solche Brücken in Polen und Wales, allerdings ohne Blendschutz, wie das Landratsamt anmerkt, welcher für ein effektives Querungsangebot sehr wichtig sei. Weiter hat der Landkreis als „ergänzende Leitstrukturen“ Hecken und Einzelbäume gepflanzt, die die Fledermäuse zu den Brücken leiten sollen. Und bis die Bäume eine Höhe haben, die auch Fledermäuse interessiert, sollen vier Meter hohe Zäune ihr hilfreiches „Leit“-Werk tun. Summa summarum kostet die Maßnahme allein für die beiden Brückenbauwerke rund 435.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Eine Frage bleibt allerdings offen, nämlich ob die Fledermäuse mit den ihnen zugedachten Brücken überhaupt etwas anfangen können. Bis diese beantwortet wird, geht allerdings noch einige Zeit ins Land. Zur Überprüfung der Tauglichkeit der Brücken sollen Detektoren und Infrarotkameras ab dem nächsten Jahr die Nutzung kontrollieren. Hoffentlich fangen die Kameras auch Bilder von freudig fliegenden Fledermäusen ein, denn sonst sind nicht nur die Baukosten in den Sand gesetzt, sondern auch noch zusätzliche 35.000 Euro für die Überwachungsmaßnahmen, deren Kosten der Landkreis trägt. Übrigens: Wenn die Fledermäuse nichts mit der Brücke anfangen können, dann kann es niemand. Denn für Fußgänger sind die Brücken nicht freigegeben.

 

 

 

6 Antworten auf „Biberacher Steuergeldverschwendung im Schwarzbuch 2013“

Hallo…
Also als Verschwendung sehe ich das nun nicht ! Wo anders werden „Millarden“ in den Sand gesetzt, für nix und wieder nix !
Gruß

Solche Fehlinvestitionen sollten von den Planern getragen werden.
Aber wieder werden im kleinen Rahmen Steuergelder verschwendet.
Siehe Flughafen Berlin , Flughafen Kassel, usw.

nun, dabei ist der Hauptbahnhof S 21, welcher nicht als S 21 plus wie es der Schlichter Heiner Geißler verschlug weitergebaut wird, aber sicherlich die Krönung….

Was die für einen Aufstand machen wegen ein paar €’s Biberach ist eine der reichsten Städte Deutschlands. In diesem Jahr sind die Gewerbesteuereinnahmen wieder um einen ordentlichen 2-stelligen Millionenbetrag höher als geplant. Da darf man das Geld auch mal für zwei Fledermausbrücken raushauen auch wenn keiner weiß ob sie wirklich funktionieren.
Gebaut wurden die beiden Fledermausbrücken übrigens von einem örtlichen Mittelständler, somit bleibt das Geld sogar in der Region.

Die Planer sind für diesen Irrsinn sicher nicht verantwortlich. Die Fledermaüse sollten uns die Euros schon wert sein . Grün ist das Ländle

Wenn es mit der Fledermausführung tatsächlich mit den Brücken hinhaut wäre das eine feine Sache. Dann wären wir der Fledermauslandkreis in Deutschland, eine wunderbare Werbung für den Tourismus mit nächtlichen Sonderführungen an diesen Objekten.
Wenn nicht blamieren wir uns halt auch einmal. Aber die Straße ist gebaut, was sonst nicht möglich gewesen wäre. Schwarzbuch hin oder her.

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