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Biberach, 4. Dezember 2010 SPD-Landtagskandidat Franz Lemli im Dialog Die Eltern mitnehmen beim Kampf gegen Alkoholmissbrauch

BIBERACH (hein) – Die Jungsozialdemokraten (Jusos) hatten eingeladen; und vor allem junge Menschen waren denn auch unter den drei Dutzend, die sich im Biberacher „Café Woodpecker“ mit Fachleuten über „Wie besteht Bildung gegen Alkohol?“ austauschten und Wünsche ans SPD-Landesregierungsprogramm formulierten. In fünf Gruppen wurde das Thema angeregt diskutiert; Franz Lemli, Biberacher SPD-Landtagskandidat und polizeilicher Fachmann für Gewalt- und Drogenvorbeugung, hörte abwechselnd zu und war vom Diskussionsniveau sehr angetan: „So wünsche ich mir politische Arbeit – im Dialog!“

Zu Veranstaltungsbeginn hatte der Langenenslinger Juso Robin Mesarosch kurz die Diskussionsgrundlagen dargelegt: Im Landkreis Biberach ist steigender Alkoholmissbrauch festzustellen. Vergangenes Jahr kamen insgesamt 367 alkoholvergiftete Menschen in eins der vier Kreiskrankenhäuser, davon 73 Jugendliche. Im Landkreis wie im gesamten Bundesgebiet steigt der Anteil hochprozentiger Getränke am Alkoholverbrauch; während die Mehrheit (60 Prozent) weniger trinkt, nehmen die anderen in kürzerer Zeit härteren Stoff als früher üblich zu sich. Auffälligste Gruppe sind neben den 41- bis 50- die 13- bis 18-Jährigen. Bemerkenswert für Franz Lemli: „Heutzutage trinken fast so viele Mädchen wie Jungs, und das in der wichtigen Phase zwischen 14 und 17.“ Mithin eine Phase, in der die Eltern noch Einfluss haben, sollte man meinen. Dies ist jedoch oft nicht der Fall, lautete eins der Ergebnisse der Diskussionsgruppe von Thorsten Meinhardt, Taekwondo-Abteilungsleiter bei der TG Biberach: „Auch intakte Familien brauchen Informationen über die Gefahren des Alkohols, weil viele Eltern nicht wissen, was ihre Kinder in der Freizeit tun.“

Damit sprach er einen gemeinsamen Aspekt aller Gruppenergebnisse an: Es ist nötig, den Eltern mehr Fähigkeiten zur Verantwortung für ihre Kinder zu vermitteln. Roland Schönbucher, Erlebnispädagoge aus Sigmaringen: „Fürs Autofahren braucht man einen Führerschein, aber Kinder kriegen kann jeder.“ Deshalb brauche es mehr persönliche Beratung für Familien, möglicherweise auch von geschulten Ehrenamtlichen. Suchtberater Klaus Größler von der Caritas Biberach sieht einen Grund für Alkoholmissbrauch in der wachsenden Konsum- und Leistungsfixiertheit und plädierte für mehr soziales Lernen an den Schulen: „Wir brauchen eine Pädagogik für den Menschen, nicht für Leistung.“ Im Kreis Biberach gebe es einen Suchtberater auf gut 40.000 Einwohner, laut Psychiatrie-Enquête des Bundestags brauche es aber viermal so viele. Norbert Zeller, Vorsitzender des Landtagsschulausschusses, sieht längeres gemeinsames Lernen in der Ganztagsschule mit ihren größeren Betreuungsmöglichkeiten als Möglichkeit, „viel mehr Sinnvolles erfahrbar zu machen; dort gibt’s laut der Studie STEP des Bundesfamilienministeriums weniger Aggressionen und bessere Leistungen“. Zugleich betonte er, dass Eltern sich ihrer Vorbildfunktion für ihre Kinder wieder mehr bewusst sein müssten. Der Biberacher Hauptschullehrer Roland Luschkowski steuerte dazu auch eigene Erfahrungen bei: „Warum machen sich manche Eltern keine Sorgen, wenn ihre zwölfjährigen Kinder um Mitternacht betrunken über den Biberacher Marktplatz torkeln?“ Über die engagierte Diskussion begeistert zeigte sich Franz Lemli in seinem Schlusswort: „Ich nehme mit, dass auf die Politik eine große Aufgabe zukommt.“ Man müsse Geld in die Hand nehmen, dass Kinder mehr soziale Kompetenz erlernen könnten. „Auch Hebammen, die zurzeit für bessere Bezahlung auf die Straße gehen, leisten mit ihrer Familienbegleitung Vorbeugungsarbeit. Geld, das wir in die Prävention stecken, bekommen wir nachher mehrfach wieder raus.“

SPD Baden-Württemberg
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FRANZ LEMLI, GEORG-SCHINBAIN-STR. 174, 88400 BIBERACH