Bad Buchau, der Stadtstreicher Kolumne No.31 ist da.

Auf die vom Rathaus selbst verfassten Berichte in der SZ und im Federseejournal zur Wiedervereidigung unseres Bürgermeisters muss ich etwas eingehen. Obwohl hier kaum öffentliches Interesse entgegen gebracht wurde, waren doch einige bezeichnende Abläufe des Aktes recht bemerkenswert.

Einmal die Verpflichtungsformel als solches. Der Bürgermeister gelobt Treue der Verfassung und Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten. Müsste er da nicht, wenn er an die Vergangenheit denkt, rote Ohren bekommen? Da legte er die Gesetze doch teilweise sehr eigenwillig, einseitig aus und verstrickte sich wiederholt in Widersprüche. Dies nicht aus Versehen, nein, bewusst und auch gewollt, ohne irgendwelche Einsicht zu erwecken. Taktik und Gemauschel ? Gerade das ist es eben. Ich erinnere an seine mehrfach unrühmliche Rolle bei der Befangenheit im Falle des Musikschulleiters M. Diesch, bei der Aufhebung der Gemeinderatsausschüsse, an seine wiederholten Fehler und Schwächen bei der Leitung und Führung der Gemeinderatssitzungen, an Protokollverstöße und Nichteinhaltung von Ordnungsvorschriften. Bei der Verpflichtung hätte er den Zusatz hinzufügen müssen: Ich schwöre die Gesetze GEWISSENHAFTER UND TREUER zu beachten als in der Vergangenheit und damit Zweifel an der Rechtschaffenheit der Buchauer Verwaltung fern zu halten. Aber vielleicht hat er trotz Uneinsichtigkeit doch etwas gelernt. Und der Gemeinderat als Kontrollorgan auch. Ich hoffe nicht, dass der Ausspruch von Hermann Bahr:“ Ein Fehler, den man mit anderen Menschen teilt, verbindet tiefer als ein gemeinsamer Vorzug.“ in der neuen Amtsperiode weiter zur gängigen Praxis gehört.

Normalerweise gibt der Bürgermeister zu Beginn einer neuen Amtsperiode eine „Regierungserklärung“ über seine zukünftigen Ziele und Absichten bekannt und stellt diese zur Diskussion und Beratung. Anders in Bad Buchau: hier zeigt der Bürgermeisterstellvertreter den Zukunftsweg auf und erinnert damit quasi den Bürgermeister daran, sich den dringend anstehenden Aufgaben endlich zu stellen. Nun ja, überall macht man es anders. Trotzdem gibt das zum Nachdenken Anlass. Schließlich sollte der Bürgermeister doch ein gewisser Motor, Initiator, Kämpfer sein…. und nicht nur geschobener Vollzieher. Aber vielleicht liege auch ich hier mal wieder schief und habe keine Ahnung vom erfolgreichen „Buchauer Weg“, der meines Erachtens allerdings nun schon einige Zeit zurückliegt. Mit der Beschwörung der Vergangenheit allein wird dieser Weg allerdings nicht neu aufgelegt oder gar intensiviert. Ein Schelm, der daran zweifelt?

Der Bürgermeister dankt und freut sich auf die Aufgaben und die Arbeit mit dem Gemeinderat. Okay. Vergessen hat er wohl die Bevölkerung, die Wirtschaft, den Steuerzahler, die vielen ehrenamtlichen Kräfte, die Hilfen von Land, Bund und EU und so manch anderes. „Mit wenigen Ausnahmen hätten ihm (BM) die vergangenen acht Jahre Freude bereitet.“ Diese Ausnahmen hat er wohl doch selbst verschuldet oder nicht? Wenn ihm seine Fehler keine Freude bereitet haben, könnte man dies gar als ein vorsichtiges, indirektes Eingeständnis werten. Immerhin etwas. „Für ihn (BM) sei wichtig, dass man zu getroffenen Mehrheitsentscheidungen stehe, selbst wenn man persönlich anderer Meinung sei. Ein guter Demokrat würde sich so verhalten.“ Richtig, wenn diese Mehrheitsentscheidungen rechtens sowie fachlich durchdacht und fundiert sind, ist gegen diese Feststellung nichts einzuwenden. .Aber darüber zu diskutieren und gerade diese Kriterien zu bewerten, ist trotzdem wohl nicht verboten. Ich gebe zu, vor einem Beschluss wäre das noch wirkungsvoller, wenn, ja wenn, einem dazu Gelegenheit eröffnet würde. Da ist sie wieder, die Selbstherrlichkeit unseres Bürgermeisters, der keinerlei Zweifel an seiner Allmacht und Vollkommenheit zulässt. Dabei gäbe es sicherlich auch Alternativen auf dem richtigen Weg. Ein guter Vorschlag sollte einem besseren nicht im Wege stehen. Mit der Bevölkerung wird in Bad Buchau schon lange nicht mehr diskutiert. Rückblick, und Ausschau fehlen. Keine nach der Gemeindeordnung vorgesehene Bürgerversammlung, mangelhafte Aufklärung, Begründung, Orientierung. Nur kritiklos vollzogene Beschlüsse. Die Scheu vor der Öffentlichkeit ist bei uns besonders stark ausgeprägt. Man fürchtet Offenheit und Transparenz wie der Teufel das Weihwasser. Nur schlechtes Gewissen? Oder fehlt es am Vertrauen oder Zutrauen gegenüber dem Bürger? Der Bürger ist nur bei Wahlen umworben. Ansonsten hat man das Gefühl, er wird als lästig empfunden. Das hinterlegt natürlich eine Internetplattform wie „amfedersee.de“.

Selbst bis zum Bundespräsidenten hat es sich durchgesetzt: Wulff will mehr Bürger hören. Der Präsident ist sich sicher, dass es richtig ist, wenn Bürger nicht nur am Wahltag mitwirken. Dass es gelingen muß, aus Betroffenen Beteiligte zu machen. Diese Kultur der Offenheit ist generell zu fördern. Zukunft braucht Zusammenhalt. Vielfalt schafft Chancen. Bis ins Federseemoor haben sich diese Erkenntnisse leider noch nicht durchgesetzt, ja diesbezügliche Forderungen werden mit allen Mittel abgewürgt.

Trotz aller von mir geäußerten Kritik wünsche ich im Interesse der Stadt und von uns allen, in der Amtszeit Teil II des Bürgermeisters möge ihm Gelingen und Erfolg nicht versagt bleiben. Ob dabei Freude aufkommt, wird sich zeigen.

Ja, da wäre noch das „Schinken & Ei – Vertrauensessen“ der CDU, Landfrauen und des Bauernverbandes in Kanzach zu erwähnen. (Ob da unser Bürgermeister auch dabei war?) Vertrauen geht durch den Magen. Bis jetzt galt das Sprichwort nur für die Liebe. So ein Blödsinn, welch eine Wortschöpfung. Unsere Interessenvertreter wissen wirklich nicht mehr wie sie sich verbiegen sollen. Dabei wäre es doch so einfach. Vertrauen ist wie die Liebe vor allem eine Sache des Charakters. Aufrichtigkeit und Wahrheit schenken Vertrauen. Das Herumrühren der Probleme in der Bratpfanne hilft nicht wirklich weiter. Wenn die Verantwortlichen dies nicht langsam erkennen, werden sie selbst noch mal in die Pfanne gehauen. Spätestens dann, wenn das Vertrauen im Magen sich zum Misstrauen wandelt und unverträglich im Magen liegen bleibt, Sodbrennen und Magenkoliken auslöst. Eines ist sicher, damit ist ein neuer Fasnetsbrauch eröffnet worden. Es fehlen nur noch die Masken auf den Gesichtern und die gegenseitige Ordensverleihung.

Ei, Ei, wir rühret alles nei, was it schadet, ka‘ bloß nutza, hauptsach wir hauet auf da Butza.

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