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Bad Buchau am Federsee

Auf elektronische Post wegen Urheberrechtsverletzungen… lach

Betrüger wollen per E-Mail abkassieren

Auf elektronische Post wegen Urheberrechtsverletzungen sollten Internetnutzer nicht reagieren

Biberach/Stuttgart / gem Als „typisches Drohschreiben, auf das man nicht reagieren sollte“, stuft die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart eine E-Mail ein, die am Montag ein SZ-Leser in Biberach erhalten hat – offenbar zeitgleich mit vielen anderen Internetnutzern in ganz Deutschland.

Unter der Betreffzeile „Ermittlungsverfahren bei Sta Stuttgart“ wird er – ohne dass eine persönliche Anrede erfolgt – beschuldigt, urheberrechtlich geschützte Werke in Form von mp3-Dateien, also Musikdateien, aus einem sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk (Internet-Tauschbörse) heruntergeladen zu haben.

Mehrere Paragrafen werden aufgezählt, nach denen sich der Angeschriebene strafbar gemacht haben soll. Er könne sich jedoch weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und andere „offizielle Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen und Gerichtstermine“ ersparen, wenn er einen Schadenersatz von 100 Euro per „Ukash-Karte“, einem elektronischen Zahlungsmittel, entrichte. Unterzeichnet ist die Mail mit dem Namen „Rechtsanwaltskanzlei Auffenberg, Petzold & Witte“, allerdings ohne weitere Adresse oder Kontaktdaten. Und auch mit der Rechtschreibung scheint es der Verfasser der Mail nicht so zu haben.

„Das ist die typische Art eines Schreibens, wie es massenhaft an E-Mail-Nutzer geschickt wird“, sagt Eckhard Benner, Pressesprecher der Verbraucherzentrale in Stuttgart. „Wer es bekommt, sollte auf keinen Fall darauf reagieren“, rät er. Das Fehlen einer Anrede sowie einer Absender-Adresse lasse darauf schließen, dass hier schnell Kasse gemacht werden soll. Auf der Hoffnung, dass einige aufgeschreckte Internetnutzer die geforderten 100 Euro bezahlten, beruhe das Prinzip dieser unseriösen Masche, so Benner. „Wenn nur ein paar bezahlen, hat sich das für den Urheber der Aktion schon gelohnt.“

Pikant an der ganzen Sache ist, dass es die genannte Rechtsanwaltskanzlei Auffenberg, Petzold & Witte tatsächlich gibt und diese auch große Medienunternehmen bei Urheberrechtsverletzungen vertritt. Die im konkreten Fall versandte E-Mail stamme aber definitiv nicht von besagter Kanzlei, teilte eine Sprecherin auf SZ-Anfrage am Montag mit. „Wir bekommen deswegen derzeit ständig Anrufe. Wir haben damit nichts zu tun und werden in der Sache Strafanzeige erstatten. Alle, die eine solche Mail erhalten haben, sollten nicht darauf reagieren. (SZ)