„Angriff auf die City“

Gedanken in die Zukunft von Bad Buchau.

Es mehren sich Studien, die den Handelsmaschinen eine äußerst zweifelhafte Wirkung zuschreiben. Renommierte Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin (difu), die Sozietät Junker und Kruse in Dortmund, Architekten wie Holger Pump-Uhlmann, Braunschweig/Delft, und Gerhard Krentz, Hameln (um nur einige zu nennen), sind daran gegangen, die „Wirkungsanalyse großer innerstädtischer Einkaufscenter“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wenn den Forschungsergebnissen eines gemein ist, so die Erkenntnis, dass natürlich kein einziges Einkaufscenter zusätzliche Kaufkraft „erzeugt“, sondern nur eine bereits vorhandene irgendwo abzieht. Aber das hätte man eigentlich auch ohne wissenschaftliche Kärrnerarbeit an den zehn Fingern abzählen können.

Denn in einer schrumpfenden Gesellschaft mit noch überwiegend stabilem, aber nicht explosionsartig steigendem Lohnniveau kann zusätzliche Kaufkraft nicht aus dem Zylinder gezaubert werden. Wer also Kaufkraft an sich zieht, zieht sie woanders ab. Und Politik, die diese Umverteilung zulässt, will sie auch.

Arbeitsverlagerung statt neuen Arbeitsplätzen?

Die Filialisten, aber auch der Betreiber, versteuern ihre Gewinne am Firmensitz (der in Hamburg, Köln, Frankfurt, München oder im Ausland liegen kann). Sie bereichern damit keineswegs die Stadt, die ihnen Gastrecht bietet – wie dies der ansässige Einzelhändler tat, der ihretwegen vielleicht aufgeben musste.

Selbst dass die Shopping-Malls (EDEKA) zusätzliche Arbeitsplätze bringen, wird in der Branche zunehmend bezweifelt. Ein Großteil davon verlagert sich ja tatsächlich nur aus den in Grund und Boden konkurrierten Einzelhandelsläden in das neue Center und bringt insoweit keinerlei Zuwachs.

Völlig unbeleuchtet blieb bisher auch die Wirkung auf den Immobilienmarkt und damit auf den Städtebau. Die jüngste, noch gar nicht abgeschlossene Studie dazu kommt zu einem schockierenden Ergebnis: „Insgesamt sind die Spitzenmieten in Städten mit Innenstadt-Center im Schnitt um 12,5 Prozent gesunken. Da das Mietniveau auch die Umsatzchancen einer Einkaufslage widerspiegelt, ist von entsprechend hohen Umsatzumverteilungen infolge der Center-Ansiedlungen auszugehen. Insbesondere aber hat sich der Abstand der Immobilienwerte für innerstädtische Geschäftshäuser in den jeweiligen Städten seit der Jahrtausendwende dramatisch vergrößert. In den um ein Center ergänzten Innenstädten haben die Einzelhandelsimmobilien rund ein Viertel ihres durchschnittlichen Verkehrswertes vor Ansiedlung der neuen Magneten eingebüßt.“

Für städtebauschädliche Investitionen verschleudert

Sollte sich ihre erste Auskunft darüber bestätigen, ergeben sich daraus weitreichende Folgerungen für die kommunale Ansiedlungspolitik. Denn da die Bundesregierung Städtebaufördermittel in Milliardenhöhe für die Aufwertung der Innenstädte ausgeworfen hat, könnte sich der Rückschluss ergeben, dass Teile davon für städtebauschädliche Investitionen verschleudert wurden – womöglich sogar zurückgefordert werden könnten.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin kann auch von der den Städten vielfach versprochenen „Zentralitätssteigerung“ durch die Ansiedlung von Einkaufscentren wenig erkennen. Sicherlich, so Walther, werde der Marktanteil der Center noch immer wachsen.

„Dass sie aber den Städten helfen, verloren gegangene Kaufkraft zurück zu gewinnen und zudem als ‚positive Impulsgeber für die Innenstädte‘ wirken, wie es von den Center-Entwicklern regelmäßig behauptet wird, muss angesichts der ersten Forschungsergebnisse in Zweifel gezogen werden.“ Von Dankwart Guratzsch

One Response to „Angriff auf die City“

  1. heute neu sagt:

    Dieses Ergebnis stimmt. Wenn ein neuer Lebensmitteldiscounter eröffnet, erhöhe ich ja meinen Lebensmitteletat nicht automatisch. So ist es auch in anderen Bereichen des Einzelhandels. So wars auch bei den Filialen der Bäckereien: Die Grundkosten der Bäcker steigen, somit auch die Preise. Und seit die Discounter billiger verkaufen, bleibt letztendlich so machen Bäckereien nur noch das Aufheizen gefrorener Ware aus Polen übrig…..leider leidet auch die Qualität.

    http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,twraxbeyll72322p~cm.asp