Adventliche Jugendgottesdienst-Predigt

von Pfarrer Carsten Heß

So, und wie kriegt der Pastor hier vorne das hektische Weihnachten von heute mit dem Weihnachten von damals verbunden?

Das hab ich mir auch überlegt. Fünf erheiternd-effektvolle Einleitungs-Entwürfe hatte ich mir im Laufe der letzten Tage ausgedacht – allesamt für die Tonne, denn das, was uns die Bibel über das erste Weihnachtsfest am Anfang unserer Zeitrechnung berichtet, ist auch erzähl-künstlerisch nicht zu übertreffen. Die Bibel kommt normalerweise recht zügig auf den Punkt: Klare Ansagen, keine unnötigen Wiederholungen, Aber in der Weihnachtsgeschichte – da gibt es wichtige Wiederholungen (die alles andere als langweilig wirken). Achtet mal drauf:

“Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, als Quirinius der Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen liesse – jeder in seine Stadt. Da machten sich auch auf Josef aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen liesse – mit Maria, seiner vertrauten/ verlobten Frau, die war schwanger.”

Habt Ihr’s gemerkt?

Gleich viermal hintereinander ist hier vom Schätzen die Rede. Warum reicht nicht auch einmal schätzen? Ich lade Euch ein zum genauer-Hinschauen:

Was heißt eigentlich schätzen? Damit ist nicht gemeint, dass n paar Ärzte den ungefähren Gesundheitszustand der Bevölkerung von Israel abschätzen sollten.

Sondern:

Der Kaiser in Rom wollte das Vermögen aller seiner Untergebenen erfassen.

Der wollte abzocken. Der wollte checken, wie viel Kohle man den Leuten aus der Tasche ziehen konnte, ohne dass sie gleich verhungert sind.

Der Kaiser in Rom hat von seinem Thron aus bewerten lassen. Er hat erfasst. Er hat registriert. Er hat protokolliert. Er hat aussortiert.

Jeder musste an seinen Geburtsort wandern und die “Hosen runterlassen”.

Alle Bewohner von Israel mussten an ihren Geburtsort zurückwandern. Egal, ob die Leute gerade gut drauf waren oder nicht.

Es wird gnadenlos bewertet.

Der Wert geht über alles. Egal, ob jemand grad hochschwanger war und keine weiten Strecken mehr laufen konnte.

Wenn Du zu schwach bist, dann hast Du eben Pech gehabt, lieber Bürger von Israel.

Wenn Du nicht mithalten kannst mit den Trend-Klamotten, die Deine Schulkollegen anhaben, dann hast Du eben Pech gehabt.

Wenn Dein Vater arbeitslos ist und Dir eben nicht die ganzen edlen Anziehsachen usw. finanzieren kann, dann hast Du eben Pech gehabt, oder?

Wenn Du wie wild Deine sportlichen Übungen machst, aber Deine Hüften einfach nicht schlanker aussehen wollen, dann hast Du eben Pech gehabt, oder?

Wenn Du stundelang vor dem Schminkspiegel stehst und Dich trotz allem einfach nur schrecklich findest, dann hast Du eben Pech gehabt, oder?

Wenn Du in Mathe oder Chemie oder Englisch nicht mitkommst, weil Du Dich eben grad nicht so gut konzentrieren kannst, dann kriegst Du eben ne fünf! Es wird bewertet.

Mit nem spöttischen Grinsen knallt Dir der Bewertende das Heft auf den Tisch und sagt: Tja, liebe Schülerin, lieber Schüler: Pech gehabt – Versetzung akut gefährdet!

Wenn Deine beste Freundin Dir auf einmal Deinen Lieblingstypen vor der Nase wegschnappt, dann hast Du eben Pech gehabt, oder?

Wenn andere mal wieder schneller waren als Du – was dann?

Wie fühlst Du Dich, wenn andere Dich ständig bewerten/ registrieren/ schätzen?

Ist doch egal: Hauptsache es wird bewertet.

Hauptsache die Starken bleiben stark – und die Schwachen bleiben schwach, oder?

Die Bibel erzählt uns: Gott sieht das völlig anders!

Gottes weihnachtlicher Humor – der ist köstlich!

Mit seiner genialen Fantasie inszeniert Gott den coolsten Protest, den die Weltgeschichte jemals erlebt hat:

Sein Top-Modell heißt Mary.

Ein Mädchen vom Land.

Höchstens 16 Jahre alt.

Keine Markenklamotten.

Kein reiches Elternhaus.

Wohl nicht mal ne stattlich anerkannte fertige Berufsausbildung.

Ich seh und hör schon die hochnäsigen Hühner und zickigen Turteltäubchen, wie sie über die Maria herziehen: “Unser ‘Aschenputtel’ ist zu Ehren gekommen (usw.) …”

Es wird geschätzt und bewertet und registriert, was das Zeug hält. Aber Gott provoziert all die arroganten Tanten, die coolen Kerle – und die superfrommen “Funktionäre”, indem er die Mary zu seinem Top-Model macht. Da werden die Gesichter lang und länger. Das schmeckt den Leuten nicht. Darüber wird gespottet – aber Gott hat seine Freude dran!

Gott hat ein köstliches Vergnügen an seiner Neubewertung! Gott schickt die ganzen verlogen-gestylten “Designies” auf die Zuschauertribüne. Er sagt den arroganten Besserwissern, sie sollen sich gefälligst hinten anstellen.

“Ihr alle, die Ihr Euch für superwichtig haltet” – sagt Gott “Ihr alle, die Ihr Euch einbildet, die großen Räder drehen zu können – haltet mal die Luft an.”

Und dann schickt Gott die Besserwisser und Ellbogenmenschen zielstrebig auf die Zuschauertribüne und sagt:

“Eure Bewerterei/ Euer ganzes Registrieren und Erfassen, Euer ständiges Be- und Entwerten – das macht Euch doch zu Clowns. Vor lauter Show wisst Ihr doch gar nicht mehr, wie’s Euch und anderen wirklich geht. Hört auf, Euch für groß und clever und superwichtig zu halten! Ihr seid nicht das Maß aller Dinge.”

Gottes Topmodell heißt Mary. Und sie ist Gottes Topmodel geworden, weil sie ein Geheimnis hat:

Sie ist bereit zu empfangen! Sie ist bereit, beschenkt zu werden!

Womit? Was kriegt sie geschenkt?

Sie kriegt nicht weniger geschenkt als den Retter der Welt. Und zu Ehren von Marias kleinem “Pampers-Helden” gibt es schon mehr als zweitausend Jahre staatlich anerkannte Weihnachtsfeiertage! Sehr abenteuerlich…

Gottes Top-Model Mary hat das große Los gezogen!

Bei ihr dürfen wir lernen, wie der Glaube funktioniert!

Denn Gottes Ansage lautet:

“Alle, die empfangen können/ alle, die beschenkt werden wollen, die sollen jetzt nach vorne kommen. Kommt auf die Bühne, wo Weltgeschichte geschrieben wird.

Ihr müsst nur eine einzige Bedingung erfüllen: Lasst Euch beschenken!

Öffnet eure Herzen und Hände. Dann werdet Ihr Großartiges erleben – und das gibt Euch köstlich-coolen Rückenwind, um die Welt nachhaltig zu verändern. – Wenn man tut, was Gott gefällt, wird es besser auf der Welt…”

Pech für gestylten Hochleistungs-Typen, die die Tendenz haben, sich selbst für superschlau zu halten.

Pech für alle Ellenbogenkämpfer und unterm-Tisch-Treter. Pech für Zicken und Zocker.

Gott demonstriert durch die Geschichte hindurch:

All Ihr Tüchtigen und Wichtigen: Gott widersteht den Hochmütigen. Die Mächtigen stößt er vom Thron. Gott hat sie längst entwertet.

Gottes Neubewertung ist das eigentliche Advents-Abenteuer.

Übrigens: Keiner von den geschäftstüchtigen Gastgebern in Bethlehem hatte Platz für Maria, Josef und Jesus…

–> Fühlst Du Dich auch manchmal so, dass Menschen für Dich keinen guten Platz vorgesehen haben? Dann interessiert Dich vielleicht jetzt Gottes kreative Krönung: Wer sind die ersten Adressaten seiner Weihnachtsbotschaft? Wem sagt er zuerst, dass Jesus geboren wird? Etwa zuerst denen, die ne EINS in Reli haben?

Nein – der lebendige Gott ist gigantisch genial und königlich kreativ:

Er schickt seine himmlischen Flattermänner (also die, die wir uns immer mit zwei Flügeln auf dem Rücken vorstellen) – die schickt er zu den unrasierten Hirten an ihrem Open-Air-Arbeitsplatz. Da waren Leute mit nem 1-Euro-Job. Wer die gesehen hat, hat erst mal die Rolladen runtergelassen. Die waren der Abschaum.

Aber genau diesen “Entwerteten” gilt Gottes Liebe und Aufmerksamkeit:

Gottes Top-Modells heißen Mary, José, Johann und Charlie – so möchte ich das mal aktualisieren!

Willst Du auch zu Gottes Top-Models gehören? Dann vergiss alle gnadenlosen Negativ-Bewertungen. Gott bewertet Dich ganz neu.

Bist Du bereit zu empfangen? Möchtest Du Dich von Gott beschenken lassen?

Er beschenkt Dich mit Jesus, seinem Sohn – und zusätzlich mit neuen Freundinnen und Freunden, die hier in unserem kreativen “Jesus-Verein” (dem man die Bezeichnung “Kirche” gegeben hat) versuchen, nach Gottes guten Ideen zu leben und coole Kontraste zum kalten Konkurrenz-Krieg anzubieten.

Gott wird Mensch / die Liebe wird Person – damit niemand sagen kann, er oder sie sei nicht gemeint!

Willst du, dass der Advent für Dich zu einem attraktiven Abenteuer wird?

Dann lass dich beschenken!

Meditativer Zuspruch:

Wenn Du Dir etwas wünschst und es doch nicht bekommst,

denk nicht gleich, dass Gott Dich vergisst.

Denn er kennt Dich genau, und er gibt Dir bestimmt

etwas and’res, das gut für Dich ist.

Wer bittet, der wird beschenkt. Wer sucht, der wird etwas finden. Wer anklopft, dem gehen Türen auf, so hat es Jesus gesagt.

Wer bittet, der wird beschenkt. Wer sucht, der wird etwas finden. Wer anklopft, dem gehen Türen auf, dem gehen Türen auf.

Wünschst Du Dir ganz viel Geld, weil Dein Vater schon lang

Arbeit sucht und nichts Passendes kriegt,

selten lacht, zu viel trinkt, jede Hoffnung verliert,

viel zu oft vor dem Fernseher liegt.

Wärst so gern nicht mehr krank, bittest Gott jeden Tag,

dass er Dir doch die Schmerzen erspart

und Du bald ganz normal Deinen Weg gehen kannst,

wünschst Dir so einen ganz neuen Start.

Hast Du Angst vor der Nacht und vor dem, was Du träumst,

bist Du nicht gern im Dunkeln allein:

Dir zum Trost und zum Schutz ist ein Engel bei Dir.

Wenn Du aufwachst, wird er bei Dir sein.

Wer bittet, der wird beschenkt. Wer sucht, der wird etwas finden. Wer anklopft, dem gehen Türen auf, so hat es Jesus gesagt.

Wer bittet, der wird beschenkt. Wer sucht, der wird etwas finden. Wer anklopft, dem gehen Türen auf, dem gehen Türen auf.

Friede sei mit euch. Amen.

Carsten Heß, Pfr.

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