957 neue Lehrerinnen und Lehrer im Regierungsbezirk Tübingen

100 zusätzliche Grundschulklassen

10 neue Eingangsklassen in allen Profilen der Beruflichen Gymnasien

Abteilungsdirektorin Dr. Susanne Pacher stellt pädagogische, schul-organisatorische und bildungspolitische Neuerungen zum Schuljahr 2010/2011 vor

Lehrereinstellung zum Schuljahr 2010/2011
„Wir haben zum Schuljahr 2010/2011 mehr Lehrerinnen und Lehrer als im Vorjahr eingestellt“, sagte Susanne Pacher, Abteilungsdirektorin für Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Tübingen. Grund dafür sei vor allem die Senkung des Klassenteilers von 32 auf 31 Schüler an den baden-württembergischen Schulen im Rahmen der Qualitätsoffensive Bildung.

Insgesamt werden zu Beginn des Schuljahres 957 Lehrerinnen und Lehrer im Regierungsbezirk neu ihren Dienst aufnehmen. Im Vorjahr waren es 825.
Im Bereich der öffentlichen Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen wurden insgesamt 480 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, davon an Grund- und Hauptschulen 307, an Realschulen 158 und an Sonderschulen 15.

Im Bereich der Gymnasien wurden 313 Lehrkräfte neu eingestellt. Mit vorgezogenen Stellenausschreibungen im November und Stellenausschreibungen für den ländlichen Raum im Februar des abgelaufenen Schuljahres konnten bereits frühzeitig nahezu alle verfügbaren Bewerberinnen und Bewerber eingebunden werden. Trotz dieser Bemühungen und des Einsatzes von Vertretungslehrkräften bleiben besonders in den Fächern Mathematik, Gemeinschaftskunde und den Naturwissenschaften an einzelnen Standorten Engpässe in der Lehrerversorgung bestehen.

Für die Beruflichen Schulen im Regierungsbezirk Tübingen wurden bislang 164 Lehrkräfte eingestellt. Die Bewerberlage in den Berufsfeldern Metall- und Elektrotechnik, in denen das Land attraktive Zulagen gewährt, ist zufriedenstellend und bewegt sich auf Vorjahresniveau.

Mit der Lehrereinstellung im Jahr 2010 kann der Pflichtunterricht an allen allgemeinbildenden öffentlichen Schulen im Regierungsbezirk Tübingen erteilt werden.

Schülerzahl im Schuljahr 2010/2011
Voraussichtlich werden im kommenden Schuljahr in den Schulen im Regierungsbezirk Tübingen 263.430 Schülerinnen und Schüler von 21.000 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Der leichte Anstieg der Gesamtschülerzahl gegenüber 262.800 Schülern im Vorjahr kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schülerzahlen insbesondere an den Grundschulen weiter zurückgehen. Besuchten im Schuljahr 2009/2010 insgesamt 71.096 Schüler eine Grundschule im Regierungsbezirk Tübingen, sind es im Schuljahr 2010/2011 noch 68.703. Trotz dieses Schülerrückgangs an den Grundschulen erwartet die Tübinger Schulverwaltung, dass infolge der Absenkung des Klassenteilers in allen Grundschulklassen auf 28 Schüler zum Schuljahr 2010/2011, allein im Regierungsbezirk Tübingen ca. 100 Grundschulklassen mehr eingerichtet werden können als im vorangegangen Schuljahr. In der Prognose stehen 3.289 Grundschulklassen im Schuljahr 2010/2011 3.182 in abgelaufenen Schuljahr gegenüber.

Im Schuljahr 2009/2010 besuchten im Regierungsbezirk Tübingen 29.540 Schüler eine Hauptschule, im kommenden Schuljahr werden 28.908 Schülerinnen und Schüler an den Werkrealschulen und Hauptschulen erwartet.

Die Schülerzahl an den Realschulen stieg gleichzeitig um 0,2 % von 45.178 auf 45:276, an den allgemeinbildenden Gymnasien um 1,14 % von 53.505 auf 54.115.
Beim Übertritt an weiterführende Schulen nach Klasse 4 schicken in diesem Jahr 25,5 % der Eltern ihr Kind auf eine Werkrealschule oder Hauptschule, 34,5 % auf eine Realschule und 39,5 % auf ein Gymnasium.

Bildungspolitische, schulorganisatorische und pädagogische Neuerungen

Schulische Bildung von jungen Menschen mit Behinderung (Inklusion)
Am 3. Mai 2010 hat der Ministerrat dem Konzept zur Umsetzung der Empfehlungen des Expertenrates „Schulische Bildung von jungen Menschen mit Behinderung“ zugestimmt. Nach diesem können und sollen alle Schulen die bereits jetzt bestehenden Möglichkeiten des gemeinsamen Unterrichts ausbauen und verstärkt inklusive Bildungsangebote realisieren, damit mehr Kinder mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Förderangebot an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden können. Gleichzeitig soll in entsprechendem Umfang die Zahl der Schülerinnen und Schüler zurückgehen, die eine Sonderschule besuchen.

Wesentliche Bestandteile der Weiterentwicklung der schulischen Bildung von jungen Menschen mit Behinderung sind die Bildungswegekonferenzen und ein qualifiziertes Elternwahlrecht. In den Bildungswegekonferenzen sollen alle am Entscheidungsprozess Beteiligten den Anspruch auf ein sonderpädagogisches Förderangebot diskutieren und sich auf die am besten geeignete Fördermöglichkeit einigen. Das qualifizierte Elternwahlrecht betont den Vorrang des Erziehungsplans der Eltern innerhalb dessen, was realisierbar ist. Nur bei zwingenden Gründen soll die Schulverwaltung davon abweichen und gegebenenfalls den geeigneten Förderort bestimmen.

In fünf Schwerpunktregionen soll in den Schuljahren 2010/11 und 2011/12 die Entwicklung systematisch dokumentiert und ausgewertet werden. Schwerpunktregion im Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen ist der Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Schulamts Biberach (Landkreis Biberach, Alb-Donau-Kreis und Stadt Ulm).

Neueinstellung von Schulpsychologen
Nach dem Amoklauf von Winnenden hat der von der Landesregierung eingerichtete „Expertenkreis Amok“ empfohlen, neben anderen präventiven Maßnahmen auch die Zahl der Schulpsychologinnen und Schulpsychologen im Baden-Württemberg in einem Zeitraum von drei Jahren zu verdoppeln.

Die Aufgaben der Schulpsychologen in Baden-Württemberg sind vor allem:
• Beratung von Schülerinnen und Schülern / Lehrerinnen und Lehrern und Eltern bei Lern- und Leistungsstörungen
sowie Verhaltensauffälligkeiten;
• Mitwirkung in der Lehrerfortbildung, insbesondere der Aus- und Weiterbildung von Beratungslehrerinnen und
Beratungslehrern;
• Mitarbeit bei der Bewältigung innerschulischer Konflikte und Krisen;
• Unterstützung der Lehrkräfte und Schulaufsicht bei pädagogisch-psychologischen Fragestellungen.
Im Regierungsbezirk Tübingen gibt es derzeit an sechs Beratungsstellen 18 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Im kommenden Schuljahr werden im Regierungsbezirk Tübingen 5,5 Stellen neu besetzt.

Werkrealschulen
Mit Beginn des Schuljahres 2010/11 fällt der Startschuss für die 92 im Regierungsbezirk Tübingen neu eingerichteten Werkrealschulen mit ihren 35 Außenstellen. Weiterhin bestehen an 76 Standorten Hauptschulen. Im Vergleich zum Schuljahr 2009/10 werden daher im Regierungsbezirk nur elf Standorte nicht weiter geführt.

Die wichtigste Neuerung im Bildungsangebot der Werkrealschulen ist die organisatorische und strukturelle Verzahnung mit den Beruflichen Schulen in der Klassenstufe 10 und das Angebot der Wahlpflichtfächer (Natur und Technik, Wirtschaft und Informationstechnik, Gesundheit und Soziales) in den Klassenstufen 8 und 9. Die konsequente Berufswegeplanung ab der Klasse 5 im Netzwerk mit den Beruflichen Schulen bildet die tragfähige Basis, damit den Schülerinnen und Schülern erweiterte Zugänge zum Arbeitsmarkt und weiterführenden schulischen Abschlüssen ermöglicht werden. Wer die Werkrealschule mit der Mittleren Reife abschließt, hat bereits eine berufliche Grundbildung, die den Jugendlichen für Ausbildungsbetriebe attraktiv macht und damit bessere Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt eröffnet.
Anträge auf Einrichtung einer Werkrealschule zum Schuljahr 2011/12 können von den Schulträgern über die Staatlichen Schulämter bis zum 15. Oktober 2010 gestellt werden.

Ausbau der beruflichen Schulen
Die Beruflichen Gymnasien erfreuen sich nach wie vor wachsender Beliebtheit. Es werden deshalb zum Schuljahr 2010/11 an der Mathilde-Weber-Schule Tübingen, der Mathias-Erzberger-Schule Biberach und der Droste-Hülshoff-Schule in Friedrichshafen drei neue Sozialwissenschaftliche Gymnasien eingerichtet und die Aufnahmekapazität durch zusätzliche Eingangsklassen in allen Profilen des Beruflichen Gymnasiums um insgesamt 10 Klassen erhöht. Im Rahmen einer Strukturreform der kaufmännischen Schularten im Landkreis Reutlingen wird außerdem in Bad Urach ein zweizügiges Wirtschaftsgymnasium eingerichtet.

Im Schuljahr 2010/11 werden im Regierungsbezirk Tübingen an 38 beruflichen Gymnasien insgesamt 131 Eingangsklassen gebildet. Dies entspricht einer Aufnahmekapazität von 4.061 Schülerinnen und Schülern. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2005/06 wurden an 33 beruflichen Gymnasien insgesamt 102 Eingangsklassen gebildet, was einer Aufnahmekapazität von 3.264 Schülerinnen und Schülern entspricht. In fünf Jahren wurde damit die Zahl der Eingangsklassen um ca. 25 Prozent erhöht.

Die Berufsoberschulen ermöglichen jungen Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss und abgeschlossener Berufsausbildung, in zwei Schuljahren die Hochschulreife zu erwerben. In den vergangenen Jahren hat das Regierungspräsidium Tübingen die Standorte für die Berufsoberschulen nachfrageorientiert ausgebaut. Im kommenden Schuljahr wird in Balingen eine Technische Oberschule neu eröffnet. Damit gibt es im Regierungsbezirk Tübingen Technische Oberschulen in Ulm, Tettnang und Balingen, Wirtschaftsoberschulen in Riedlingen und Rottenburg sowie eine Berufsoberschule Fachrichtung Soziales in Bad Saulgau.

2 Responses to 957 neue Lehrerinnen und Lehrer im Regierungsbezirk Tübingen

  1. relativiert sagt:

    Fürwahr auf den ersten Blick eine stolze Bilanz. Leider vermisse ich bei den Neueinstellungen in Klammer die Abgänge der jeweiligen Lehrkräfte an den einzelnen Schularten. Da würde manches relativiert, fürchte ich. Typische, oberflächliche Politikaussagen zur heutigen Zeit, ohne zu sehr auf das Eingemachte eingehen zu müssen. Blenden ist vordergründig. Die Senkung des Klassenteilers an den Schulen von 32 auf 31 Schüler gibt da schon deutlichere Auskunft. Nur bei den Grundschulen liegt er bei 28 Schülern.
    Ich will ja die Bemühungen der Landesregierung nicht schmälern, die man insgesamt schon erkennen kann (auch bei den Schulpsychologen). Aber die Verpackung verspricht einfach mehr als der tatsächliche Inhalt hergibt. Marketing ist eben alles, nicht nur in der kommerziellen Werbung.

  2. Buchauer Bürger??? sagt:

    In dieser sehr eingehenden und langen Darstellung vermisse ich ein Wort, das auch für Bad Buchau so wichtig wäre: Progymnasium. Anscheinend existiert diese Schulart für das Land Baden- Württemberg offiziell nicht mehr. Es wird nur noch von Gymnasien gesprochen. Genauso schweigsam ist das Rathaus in Bad Buchau seit langer Zeit. Kein Wort mehr über Umfrageergebnisse und sonstige Bemühungen oder den Stand des Problems. Auch im Gemeinderat spielt das keine Rolle mehr. Keine einzige Anfrage . Man hat ja auch andere, ganz, ganz wichtige Probleme. Ich habe mich auch an der Meinungsumfrage beteiligt. Deshalb komme ich mir vor, wie der letzte Dreck auf der Straße. Zumindest würde es die Höflichkeit gebieten, vom Rathaus in einem ansprechenden Zeitraum irgendein diesbezügliches Lebenszeichen zu vernehmen. Kommt mir bloß nicht mehr mit solchen Vorwänden, den Bürger in eure Bemühungen mit einzubinden. Andere werden wohl ähnlich denken. Aber das ist bei weitem nicht das Einzige. Ich bin ja so über die Buchauer Kommunalpolitik enttäuscht und stinksauer.