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Bad Buchau am Federsee

Ehepaar klaut Geld aus Briefen

Amtsgericht verhängt Geldstrafe wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung und Verletzung des Postgeheimnisses
Am Donnerstag stand ein Ehepaar in Riedlingen vor Gericht, weil sie aus Postbriefen Geld entwendet hatten.

Am Donnerstag stand ein Ehepaar in Riedlingen vor Gericht, weil sie aus Postbriefen Geld entwendet hatten. (Foto: Archiv)

Von Maron Buck Schwäbische Zeitung Riedlingen

Riedlingen „Ich habe damit angefangen“, gestand eine 44-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Ehemann am Donnerstag in Riedlingen vor Gericht stand, weil sie aus 180 Briefen knapp 900 Euro entwendet hatten. Wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung und Verletzung des Postgeheimnisses wurden die beiden zu Geldstrafen verurteilt. Richter Wilfred Waitzinger folgte der Empfehlung von Staatsanwalt Sascha Musch, der als Strafe für den Angeklagten 2250 Euro, für seine Ehefrau 450 Euro forderte.

Das Ehepaar war am Donnerstagmorgen vor Gericht geständig. Beide arbeiteten im vergangenen Jahr für einen Subunternehmer der Post. Der 43-jährige Mann war sonntags für die Leerung der Briefkästen und den Transport der Post nach Neu-Ulm zuständig. Sie war unter der Woche für die Fahrzeugpflege zuständig. Sonntags begleitete sie ihren Ehemann auf seinen Fahrten. „Weil wir uns sonst nie gesehen hätten“, erklärte sie. Hauptberuflich war ihr Mann im Fernverkehr tätig.

Angeklagt war der Ehemann, in drei Fällen Geld aus den Briefen entwendet zu haben, die Ehefrau nur in einem Fall. Vor Gericht gestand die 44-Jährige, dass sie bei allen Fahrten dabei gewesen sei und auch damit angefangen habe, die Briefe zu öffnen. Ihr Mann habe dazu keine Zeit gehabt, er habe den Sprinter gefahren. Und die geöffneten Briefe dann auf dem Rehtalparkplatz bei Unlingen in den Mülleimer gestopft.

An einem Sonntag im März im vergangenen Jahr sei sie „sauer und wütend auf alles und jeden“ gewesen. Ihr Exmann war gerade gestorben und wochenlang tot in der Wohnung gelegen. „Warum ich es getan habe, weiß ich heute nicht mehr. Das war Irrsinn.“ Beim ersten Mal öffnete sie 36 Briefe und fand 195 Euro, beim nächsten Mal waren es 63 Briefe und 180 Euro. Beim dritten Mal waren in 71 Briefen 524 Euro.

Warum er seine Frau nicht daran gehindert habe, wollte der Richter wissen. „Beim ersten Mal habe ich getobt. Dann war es mir aber egal. Das gebe ich zu“, sagte der Ehemann. Sie hätten sowieso beschlossen gehabt bei der Firma zu kündigen. „Weil es zu viel war unter der Woche im Fernverkehr zu arbeiten und sonntags Post zu transportieren.“

Beim dritten Mal wurden die beiden erwischt. Bei der Post waren Beschwerden eingegangen, dass Briefe abhanden gekommen seien. Der Postermittlungsdienst stellte den beiden eine Falle. Ein sogenannter „Fangbrief“ hinterließ Spuren an den Fingern. Auch an denen des Ehemanns. Sie habe gemerkt, dass mit einem Brief etwas nicht stimme und habe ihn ihrem Mann in die Hand gegeben, erklärt die Angeklagte. Deshalb hatte auch er Farbe an den Fingern. Das Bargeld hatten die beiden aus dem Auto geworfen, weil „ich gemerkt habe, dass die Post uns verfolgt“, so der Angeklagte. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter hatten keinen Grund den Ausführungen der Angeklagten nicht zu glauben.

Ansprüche von geschädigten Kunden hat es keine gegeben. Das konnte der Zeuge von der Post bestätigen. Geld darf laut den Postbestimmungen nicht in Briefen verschickt werden. Also könnte auch niemand Regress anmelden.

Zugute gehalten wurden dem Ehepaar, dass es geständig war. Zwar habe der Mann als Mittäter eine geringere Rolle gespielt. Das werde aber durch seine Vorstrafen kompensiert. Staatsanwalt und Richter sahen 90 Tagessätze bei beiden als angemessen, beim Mann a 25 Euro, bei der Frau a fünf Euro, da sie momentan Hausfrau ist und keinerlei Verdienst hat. Beide nahmen das Urteil an und bekundeten, dass es ihnen leid tue.